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Hannover „Lüttje Lage“: Ein Keks aus Hanovre
Nachrichten Hannover „Lüttje Lage“: Ein Keks aus Hanovre
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19:00 03.10.2018
Simon Benne
Simon Benne Quelle: Franson
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Hannover

Das „Bing!“ traf mich beim Joggen etwas unerwartet. Aber ich gehöre noch zu einer Generation, die immer ans Telefon geht, wenn es klingelt. Also las ich im Laufen die Kurznachricht meiner Erstgeborenen. „Papa, Bahlsen ist doch aus Hannover, oder?“ Meine Tochter ist derzeit auf Schüleraustausch in Frankreich, und sofort wusste ich alles. Mir war vollkommen klar, welche Geschehnisse dieser Frage zwingend vorausgegangen sein mussten.

Ich wusste, dass meine Tochter in diesem Moment auf einem 1500 Kilometer entfernten Schulhof stand, als deutsche Exotin umringt von einem Pulk französischer Mademoiselles, und eine von ihnen sagte schnippisch und etwas gönnerhaft: „Ah, oui, aus Hanovre bist du also, aber mon dieu, da gibt es doch nichts Besonderes zu sehen, rien, n‘est pas?“

Daraufhin hatte meine Erstgeborene genau das getan, was ich ihr in langer Abendarbeit eingebläut hatte. Sie hatte erzählt, dass Hanovre die schönste Stadt der Welt sei, Perle des Abendlandes und Nabel des Erdkreises.

Sie hatte pflichtgemäß erzählt, dass wir in Hannover die Schallplatte, den VW Bulli, die Monaden-Philosophie, die Welfenspeise und den Leibniz-Keks erfunden hatten. Dass wir Songs wie „Wind of Change“ mal eben vor dem Frühstück komponieren und dass wir beim ESC ständig gewinnen. Sie hatte erzählt, dass unser lieber Gerd der einzige lebende deutsche Altkanzler auf Erden ist und dass der liebe Gott die Welt zwar in sieben Tagen erschuf, aber erst nach vorheriger Rücksprache mit unserer lieben Margot Käßmann.

Dann war meine Tochter etwas unsicher geworden, und weil sie nichts Falsches sagen wollte, hatte sie sich bei ihrem guten alten Vater rückversichern wollen, ob Bahlsen auch wirklich zu jenen Glanzlichtern zählte, derer wir uns rühmen dürfen.

Ich unterbrach meine Joggingrunde. „Ja, Bahlsen ist Hannover“, tippte ich ins Handy. „Aber hör auf, vor den Franzosen so anzugeben.“ Ich finde, jede Form von Großspurigkeit ist irgendwie unhannoversch.

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Von Simon Benne