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Hannover „Lüttje Lage“: Und täglich stirbt der Drache neu
Nachrichten Hannover „Lüttje Lage“: Und täglich stirbt der Drache neu
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13:29 27.08.2018
Simon Benne Quelle: Franson
Hannover

Es erfüllt mein Herz mit lichter Freude, dass in unserer Familie die gute Saat des Glaubens auch bei der jungen Generation aufgeht und blüht. Na gut, wenn es um Nächstenliebe und gute Taten und solche Sachen geht, neigen meine Kinder eher zum nüchternen Pragmatismus. Dafür erfreut sich der alte christliche Volkssport des Drachentötens bei uns großer Beliebtheit.

Seit ich meinem kleinen Sohn bei einem Besuch der Marktkirche die actionreiche Story vom heiligen Georg erzählt habe, zeigt der Junge ein großes Maß an Frömmigkeit. Jeden Abend muss sich eine seiner drei großen Schwestern jetzt in die Wohnzimmerecke stellen und ihr hartes Los als geraubte Prinzessin beklagen. Dass die drei dieser Aufgabe eher lustlos nachkommen, kümmert ihn nicht. Denn da komme ich ja schon als schröcklicher Drache über den Teppich gekrochen.

„Ich fresse jetzt eine Jungfrau zum Mittag!“, muss ich fauchen. Dann springt mein Sohn mir in die Quere, ruft mutig „Halt, du Biest!“ und stößt mir den Staubwedel in mein Drachenmaul. Jedes Ansinnen, die Rollen einmal zu tauschen, lehnt er strikt ab. Ich muss mich dann waidwund auf der Erde wälzen, noch einmal böse um mich schnappen und schließlich röchelnd in die ewigen Jagdgründe eingehen. Danach rufen wir dann bei Kalle Kawumke von der Tierkörperbeseitigung an, der das tote Ungeheuer kopfschüttelnd auf seinen Laster hievt und immer wieder sagt: „Det ham wa ooch noch nich jehabt.“

Kürzlich habe ich einmal öffentlich geäußert, dass ich das Töten einer Wespe in Notwehrsituationen ethisch für vertretbar halte. Ich erntete einen Sturm des Protestes. Inzwischen bekenne ich, dass ich Wespen für herzensgute Tiere halte, die ich immer wieder gerne auf einen Fruchtsaft einlade. Solchen Debatten musste sich Sankt Georg nie stellen. Er kann von Glück sagen, dass Drachen zu seiner Zeit noch nicht unter Artenschutz standen und dass es keine Tierrechtslobby gab. Sonst hätte man ihn am Ende nicht heilig gesprochen, sondern schuldig.

Lüttje Lage: Hier finden Sie weitere lustige Texte aus unserer Serie

Von Simon Benne

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