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Hannover „Lüttje Lage“: Warum ich dem Klempner dankbar bin
Nachrichten Hannover „Lüttje Lage“: Warum ich dem Klempner dankbar bin
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12:14 30.08.2019
Simon Benne Quelle: Franson
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Hannover

Gute Handwerker sind heute ja so schwer zu bekommen wie früher gute Neurochirurgen. Wenn einer von ihnen tatsächlich einmal den Telefonhörer abnimmt, ist dies bereits der erste Gnadenerweis. Man tut dann gut daran, als Kunde dankbar zu sein.

In aller gebotenen Demut unterrichtete ich also unseren Klempner darüber, dass unser Gäste-WC neuerdings beim Spülen irgendwo Wasser ausspuckt. Ganz beiläufig ließ ich einfließen, dass doch schon mein seliger Großvater bei seinem seligen Großvater die Bleileitungen löten ließ, damals vor dem Kriege. Und ich fragte, ob sich da nicht aus alter Verbundenheit ganz vielleicht ein klitzekleiner Hausbesuch seinerseits einrichten ließe, vielleicht schon im kommenden Monat.

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Er lachte, und natürlich lachte ich mit. Dann donnerte seine Bassstimme im Gönnerton, er wolle mal sehen, was sich da machen ließe. Das war an einem lauen Tag Ende Mai. An die Toilettentür hängte ich ein Schild „Bitte nicht benutzen“. Dann geschah lange nichts. Dann waren Betriebsferien. Dann geschah wieder nichts. Dann waren wir im Urlaub. Danach rief ich wieder beim Klempner an. Ich tat, als würde ich nur vom Urlaub erzählen wollen. Er tat, als hätte er meinen Namen noch nie gehört. Dann geschah lange nichts.

Jetzt ging ich wieder an der Toilettentür vorbei. Eine Spinne hatte ihr Netz an die Klinke gewoben. Weil ich ein optimistischer Mensch bin, wählte ich die Nummer des Klempners. Natürlich nicht, um zu drängeln, sondern nur, um mich nach seinem Befinden zu erkundigen und um zu fragen, ob er bei einem etwaigen Besuch die Schnittchen eher mit Lachs oder mit Camembert zu haben wünsche. Er horchte auf und entschied sich für beides. Am übernächsten Dienstag will er jetzt vorbeikommen. Ich werde ihm im Sonntagsstaat öffnen. Und bis dahin kann ich mir ja noch überlegen, wie ich ihm beibringen soll, dass in der Küche auch noch der Wasserhahn tropft.

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Von Simon Benne

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