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Hannover Hannover hält Stickoxid-Grenzwert wieder nicht ein – aber gute Prognose für 2020
Nachrichten Hannover Hannover hält Stickoxid-Grenzwert wieder nicht ein – aber gute Prognose für 2020
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14:26 04.12.2019
Auf der Marienstraße ist die Luft noch immer schmutziger, als die EU erlaubt. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Hannover reißt die Messlatte bei der Luftverschmutzung – wieder einmal. Erneut liegt die Konzentration des gesundheitsschädlichen Stickstoffdioxids auf drei besonders befahrenen Straßen höher als die EU erlaubt. Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse von diversen Messstationen, die der HAZ vorliegen. Dennoch gibt sich das niedersächsische Umweltministerium zuversichtlich. Man gehe für das kommende Jahr davon aus, „dass in Hannover die Wohnbevölkerung in keinem Straßenabschnitt mehr Stickstoffdioxid-Jahresgrenzwerten von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter und mehr ausgesetzt sein wird“, teilt das Ministerium auf Nachfrage mit.

Grenzwert wird in Göttinger Straße erstmals eingehalten

Die Messstation in der Göttinger Straße. Quelle: Moritz Frankenberg

Stickstoffdioxid wird vor allem von Dieselmotoren ausgestoßen. Daher ist die Konzentration des Gases auf besonders befahrenen Straßen hoch. Die EU schreibt vor, dass genau an solchen Straßen gemessen werden muss. Eine Messstation steht in der Göttinger Straße. Sie zeigt bisher für die Monate Januar bis November einen Mittelwert von 39 Mikrogramm an – der Grenzwert wäre an dieser Stelle erstmals eingehalten.

 

Dicke Luft in Friedrich-Ebert-Straße, Bornumer Straße und Marienstraße

Anders ist das Ergebnis auf drei Straßen, in denen sogenannte Passivsammler installiert sind. Die bisherigen Messergebnisse dieser Geräte deuten daraufhin, dass in der Bornumer Straße, in der Friedrich-Ebert-Straße und in der Marienstraße die Grenzwerte in diesem Jahr überschritten werden. In der Vahrenwalder Straße hält sich die Schadstoffkonzentration in Grenzen. Zeigt auch nur eine Messstation zu viel an, gilt Hannover als durchgefallen.

Umwelthilfe hält an Klage fest

Die Gefahr von Diesel-Fahrverboten ist daher keineswegs gebannt. Die Deutsche Umwelthilfe hält an ihrer Klage gegen die Stadt Hannover fest, trotz positiver Trends bei den Schadstoffmessungen. Ein Verhandlungstermin beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg ist noch nicht angesetzt, soll aber nach Auskunft des Gerichts innerhalb der ersten Jahreshälfte 2020 erfolgen. Bekommt die Umwelthilfe Recht, muss Hannover die Luftverschmutzung rasch in den Griff bekommen – und Fahrverbote aussprechen.

Die positive Prognose des Ministeriums für das nächste Jahr teilt die deutsche Umwelthilfe nicht. Die Stickstoffdioxid-Werte für Anwohner in den belasteten Straßen seien „schöngerechnet“, heißt es vonseiten des Verbands. Sie beruhten nicht auf realen Messergebnissen, sondern auf Berechnungen möglicher Schadstoffkonzentrationen nahe der Wohnhäuser.

Ein sogenannter Passivsammler an der Marienstraße. Quelle: Irving Villegas

Umweltministerium misst nahe Wohnbebauung

Tatsächlich hat das Umweltministerium die Schadstoffbelastung für Anwohner anhand der Messdaten vom Straßenrand berechnet. Die Ergebnisse sind wenig überraschend: Nahe den Auspuffrohren liegt die Konzentration höher als auf der ersten Etage angrenzender Wohnhäuser. Auf der Göttinger Straße und der Friedrich-Ebert-Straße liegen die mittleren Jahresbelastungen für Anwohner knapp unterhalb des Grenzwertes von 40 Mikrogramm, auf Marienstraße und Bornumer Straße knapp oberhalb.

Um die Hochrechnungen zu überprüfen, hat das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim, zuständig für Luftmessungen, Passivsammler nahe den Wohnhäusern aufgestellt. „Es ergeben sich bisher überall im Vergleich zu den bisherigen Messstellen am Straßenrand geringere Stickstoffdioxid-Werte“, teilt das Ministerium mit. Die Berechnungen seien also „größtenteils bestätigt“.

Stadt Hannover will weiter in nachhaltige Mobilität investieren

Die Stadtverwaltung Hannover schließt aus all dem, dass sich die Luft zwar „in kleinen Schritten“ verbessert, aber noch keine Entwarnung gegeben werden kann. Das Fördergeld von Land und Bund werde man weiterhin in „nachhaltige und emissionsfreie Mobilität“ investieren, sagt eine Sprecherin.

Hamburg macht Solardächer zur Pflicht

Im Kampf gegen Umweltverschmutzung und Klimawandel geht Hamburg einen rigorosen Weg – den auch die Grünen in Hannover bevorzugen würden. Der Hamburger Plan sieht unter anderem vor, ab 2023 die Installation von Solardächern auf Neubauten zur Pflicht zu erklären. Das hatten sich auch die Grünen im hannoverschen Rat gewünscht, doch wurden sie von ihren Bündnispartnern SPD und FDP ausgebremst. Jetzt lautet die Forderung der Ratsmehrheit lediglich, dass bei Abschluss städtebaulicher Verträge möglichst die Montage von Fotovoltaikanlagen vereinbart werden solle.

Bei der Förderung umweltfreundlicher Mobilität schlagen Hamburg und Hannover ähnliche Richtungen ein. Beide Städte setzen darauf, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen und die städtischen Fuhrparks auf E-Betrieb umzustellen. So kauft die Stadt Hannover 107 Elektrofahrzeuge. Das Geld stammt zu einem großen Teil aus Bundesmitteln.

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Von Andreas Schinkel

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