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Hannover So ein Kunstherz hat sein Leben gerettet
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18:41 26.06.2019
Patient Kurt-Josef M. konnte vor seiner Kunstherztransplantation kaum noch 50 Meter weit gehen, litt unter Luftnot und Erstickungsanfällen. Heute fährt er Motorrad und tourt mit dem Wohnmobil durch Portugal und Spanien. Quelle: Irving Villegas
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Hannover

Extreme Luftnot, Erstickungsanfälle – etwas mehr als fünf Jahre ist es jetzt her, da war das Leben von Kurt-Josef M. noch von schwersten gesundheitlichen Beeinträchtigungen geprägt. Der Mann aus Hessen litt an einer schweren Herzinsuffizienz, umgangssprachlich Herzschwäche genannt. Die Pumpleistung seines Herzens betrug zeitweise nur noch 13 Prozent. Seine Krankheit war so weit fortgeschritten, dass er dringend ein neues Herz brauchte. M., der seinen vollen Namen nicht öffentlich machen möchte, stand auf der Warteliste für Herztransplantationen. Aber es war nicht abzusehen, wann er eine bekommt.

Patient willigte in weltweit erstmalige OP ein

„Mir stand auf gut Deutsch gesagt das Lebensende bevor“, sagte der heute 61-jährige M. am Mittwoch bei einer Pressekonferenz der Medizinischen Hochschule Hannover. „Da hatte ich das Glück, dass mein neues Herz als Prototyp herauskam. Und ich stimmte zu, dass man es bei mir einsetzen kann.“

Was so bescheiden, so persönlich klingt, war zugleich ein medizinischer Meilenstein: Kurt-Josef M. war weltweit der erste Patient, dem das Kunstherzsystem HeartMate 3 erfolgreich implantiert wurde. Die MHH ist nach eigenen Angaben eines der größten Zentren Europas, die Herzunterstützungssysteme einsetzen. Sie versorgt pro Jahr bis zu 100 Patienten mit einem Kunstherz. Die Klinik ließ am Mittwoch nach fünf Jahren den aufsehenerregenden Eingriff (den ein 20-köpfiges Operationsteam um Herzchirurg Prof. Axel Haverich vorgenommen hatte) Revue passieren.

Weniger Komplikationen, mehr Lebensqualität

„Es kommt zu weniger Komplikationen, die Patienten profitieren von der wiedergewonnenen Lebensqualität“, sagte Prof. Jan Schmitto, Leiter des Profilbereiches Herzunterstützungssysteme der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der MHH. Das neue Kunstherzsystem HeartMate 3 sei kleiner als Vorgänger HeartMate 2; biete technisch einige Neuerungen. So werde das Gerät, ein Linksherzunterstützungssystem, direkt in das Herz des Patienten implantiert und übernehme die Pumpleistungen der geschwächten linken Herzkammer. „Es sorgt dafür, dass das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge wieder durch den Körper gepumpt werden kann“, sagte Schmitto am Mittwoch. Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien, die der Patient außerhalb des Körpers trägt.

1000 Menschen auf der Warteliste

Angesichts fehlender Spenderorgane gewännen Unterstützungssysteme wie das HeartMate 3 überdies immer mehr an Bedeutung, sagte Herzchirurg Haverich. In Deutschland hätten 2018 rund 1000 Menschen auf der Warteliste für ein Herz gestanden. Aber es habe nur 300 Spenderherzen gegeben. „Mit dem Einsatz von Kunstherzen können wir in vielen Fällen verhindern, dass Patienten auf der Warteliste sterben“, so Haverich.

Kunstherzpatient fährt heute wieder Motorrad

Die Folgen für M.’s Leben jedenfalls waren erheblich: Zwei Wochen nach der OP habe er das Krankenhaus verlassen, nach zwei weiteren Wochen habe er wieder gegrillt, nach weiteren vier Wochen habe er einen Waldlauf gemacht, sagte er am Mittwoch: „Vorher habe ich keine 50 Meter mehr zustande gebracht“. Beeinträchtigt sei er heute immer noch, so sei keine Berufstätigkeit mehr möglich. Stattdessen gönnt der 61-Jährige sich Ausflüge mit Motorrad und Oldtimer-Auto und verbringt, weil ihm das Klima gut tut, die warmen Wintermonate mit Wohnmobil in Spanien und Portugal. „Es gibt auch in diesen Ländern Kliniken, die sich mit Kunstherzen auskennen. Ich kann beruhigt auf Reisen gehen.“

Von Jutta Rinas

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