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Hannover Marodes Bauamt verschlingt bis zu 45 Millionen
Nachrichten Hannover Marodes Bauamt verschlingt bis zu 45 Millionen
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00:15 24.01.2015
Von Andreas Schinkel
Wie viel ist die Nachkriegsmode noch wert? Die Bauverwaltung hinter dem Rathaus bereitet Planern Kopfschmerzen. Quelle: Surrey
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Hannover

Ausgerechnet das Bauamt, zuständig für eine zeitgemäße Stadtentwicklung, wird zu einem der größten Sanierungsfälle Hannovers. Die Fassade ist brüchig, Teile des Tragwerks weisen Korrosionsschäden auf. Das geht aus einem Gutachten hervor, das jetzt in die politischen Gremien gereicht wird. Das Schriftstück liegt der HAZ vor. Für eine „Komplettsanierung innen und außen“ einschließlich behindertengerechtem Ausbau muss die Stadt tief in die Tasche greifen.

Auf 35 bis 45 Millionen Euro werden die Kosten veranschlagt. Zum Vergleich: Der Erweiterungsbau für das Sprengel Museum kostet die öffentliche Hand knapp 36 Millionen Euro, für die Sanierung aller Schwimmbäder rechnet die Stadt mit 44 Millionen Euro. Abriss und Neubau der Bauverwaltung kommen nicht infrage, denn das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Das Gebäude am Maschpark wurde 1954/55 errichtet und besteht aus drei Gebäudekomplexen mit unterschiedlichen Geschosshöhen. Es gilt als einer der ersten größeren Verwaltungsneubauten in einer Kommune nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Sanierung kostet mindestens 15 Millionen Euro

Die Sanierung ginge auch günstiger. Beschränkt sie sich auf das Nötigste, muss die Stadt 15 bis 20 Millionen Euro einkalkulieren. Das Gutachten nennt noch ein drittes Szenario, dessen Kosten aber nicht beziffert werden. Zuzüglich zur Basisvariante käme die Erneuerung technischer Anlagen hinzu. In der Untersuchung wird betont, dass es sich nur um grobe Schätzungen der Kosten handelt. Hinzuzurechnen seien Umzugs-, Auslagerungs- und Einrichtungskosten.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Schäden am Gebäude nicht mehr zu übersehen. Fassadenteile drohten abzubrechen, die Stadt ließ das Haus aus Sicherheitsgründen einrüsten und einen Zaun aufstellen. Die Kosten für das Gerüst und die ersten, notdürftigen Reparaturen beliefen sich auf knapp 700.000 Euro. Ratspolitiker befürchteten damals, dass die Bauverwaltung mehrere Jahre hinter Gittern verschwindet.

Haarrisse und Abplatzungen gefunden

Tatsächlich haben die Gutachter etliche Schäden an der Fassade festgestellt. Viele Stellen seien mit Haarrissen durchzogen und wiesen Abplatzungen auf. Im Bereich der Fenster gebe es eine „deutliche Schädigung durch Umwelteinflüsse“, heißt es. „Insgesamt ist durch den Zustand der Natursteinfassaden die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben.“ Das Tragwerk des Gebäudes wird zwar insgesamt als „intakt“ beurteilt, doch gibt es viele Schäden im Detail. Offenbar ist Feuchtigkeit in den Beton eingedrungen, sodass Teile des eingearbeiteten Stahls korrodieren. Fazit: „Es ist also von umfangreichen Betonsanierungsmaßnahmen auszugehen.“

Eine Machbarkeitsstudie, die bereits in Auftrag gegeben wurde, soll jetzt die Szenarien für die Sanierung im Detail ausarbeiten. In einer weiteren Untersuchung will man sich die Fassadensubstanz und das Tragwerk noch einmal genauer anschauen. Wie die Fassade am Ende aussehen soll, muss mit dem Amt für Denkmalschutz geklärt werden. Erst 2017, so schätzt die Stadt, werde die Baugenehmigung erteilt. Ab 2018 beginnen dann die Bauarbeiten.     

Ein Bau mit Geschichte

Das Gebäude ist ganz vom Geist der Fünfzigerjahre geprägt: Der Architekt Werner Dierschke, der auch die Bugenhagenkirche schuf und am Conti-Hochhaus sowie am Neubau des Kestner-Museums mitwirkte, errichtete die Bauverwaltung 1954. Dabei wurde das barocke Portal der zerstörten Garde-du-Corps-Kaserne integriert.

Das Bauamt war der erste größere städtische Verwaltungsneubau nach dem Krieg. Damals gab es große
 Widerstände gegen das moderne
Ensemble auf der zuvor unbebauten Fläche. Offenbar wünschten sich viele die im Krieg zerstörte neugotische Bauverwaltung zurück, die Hermann Eggert um 1900 geschaffen hatte.

Diese hatte auf der anderen Seite des Trammplatzes gestanden, östlich vom Rathaus, mit dem sie über eine Brücke verbunden war: „Diese wurde scherzhaft auch ,Beamtenlaufbahn’ genannt“, sagt Thomas Schwark, Direktor der Museen für Kulturgeschichte. Der neue Stahlbetonbau mit der charakteristischen Rasterfassade besteht aus einem drei-, einem vier- und einem achtgeschossigen Trakt.

Als Kontrapunkt zum historistischen Rathaus verkörperte die Bauverwaltung die Intention Rudolf Hillebrechts, der alten Bausubstanz der Stadt etwas Neues entgegenzusetzen. Von seiner Bauverwaltung aus prägte der Stadtbaurat den Wiederaufbau Hannovers.      

be

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