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Hannover Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen
Nachrichten Hannover Kunst verschandelt? Maschseefest-Stände verdecken Skulpturen
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11:40 25.07.2019
Nackt im Lokal: Das „Menschenpaar“ am Maschsee. Quelle: privat
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Hannover

Ihre Köpfe verschwinden oberhalb von Dachsparren und Plastikplanen, ihre nackten Körper stehen mitten im Lokal: Der Aufbau des Maschseefestes geht voran, und die SkulpturMenschenpaar“, die auf Höhe der Geibelstraße am Seeufer steht, ist zum Indoor-Kunstwerk geworden. Zumindest für ein paar Wochen und von der Brust an abwärts. Der Stand des „Clichy“ ist um das Kunstwerk herum gebaut – zur Empörung von Kunstexperten.

„Ich war schockiert, als ich das sah – das ist eine Respektlosigkeit sondergleichen“, sagt Reinhard Spieler, Direktor des nahen Sprengel-Museums. Der Anblick sei grotesk: „Es wäre besser gewesen, die Skulptur komplett einzuhausen, sodass man sie nicht sieht.“ Auch Reinhard Leicht von der Bürgerinitiative Mahnmal Bücherverbrennung moniert den rücksichtslosen Umgang mit der Plastik. In den vergangenen Jahren hat er Fotos gemacht, die dokumentieren, dass teils sogar Spannbänder für die Aufbauten an der Skulptur befestigt waren.

„Ignoranz gegenüber Kunst“

Der Bildhauer Georg Kolbe hatte die Plastik 1937 am neu angelegten Maschsee aufgestellt. Für das nackte Menschenpaar, das dem NS-Ideal von Körperlichkeit zu entsprechen scheint, hatten ihm die Geschwister Hans und Renate Loewy Modell gestanden, die jüdischer Herkunft waren.

Ein respektloser Umgang mit dem Kunstwerk sei nicht beabsichtigt, beteuert Wolfgang Hensoldt, Geschäftsführer des Clichy-Betreibers Gastro Trends: „Ich wüsste aber nicht, wie wir es vermeiden könnten, die Skulptur zu umbauen“, sagt er. Die Dachkonstruktion so zu erhöhen, dass auch die Köpfe unter der Plane Platz fänden, sei statisch sehr aufwendig. „Die Konstruktion ist flach, damit sie dem Wind keine Angriffsfläche bietet.“ Er sei aber offen für praktikable Vorschläge.

Dicht umringt von Aufbauten: der „Hellebardier“. Quelle: privat

Museumsdirektor Spieler kritisiert auch den Umgang mit Alexander Calders „Hellebardier“ am Nordufer, der bis vor kurzem eingerüstet war. Die Stände, die derzeit aufgebaut werden, kommen der Plastik sehr nah: „Das zeugt von Ignoranz gegenüber solchen Kunstdenkmälern“, sagt Spieler. „Der Hellebardier muss freistehen, dann kann er das Eingangstor zum Maschseefest markieren.“

Der Berliner Anwalt Stefan Haupt, spezialisiert auf Kunstrecht, hält es gar für möglich, dass angesichts der nahen Aufbauten Urheberpersönlichkeitsrechte der Künstler und ihrer Erben verletzt würden. „Sie könnten Schadensersatzansprüche geltend machen“, sagt er.

„Wir achten darauf, dass die Aufbauten die Kunstwerke nicht berühren“, versichert Hannovers Tourismuschef Hans Nolte. Auch beim „Hellebardier“ betrage der Abstand der Bauten zur Skulptur mindestens 60 bis 70 Zentimeter. „Die dichte Umbauung verhindert auch, dass Festbesucher dort beispielsweise Fahrräder anlehnen“, sagt er, „so werden die Denkmäler vor Beschädigungen geschützt.“ Ob er dafür auf den Beifall der Kunstfreunde hoffen darf, ist indes ungewiss.

Von Simon Benne

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