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Hannover Fehlender Impfschutz – Schulmitarbeiter an Masern erkrankt
Nachrichten Hannover Fehlender Impfschutz – Schulmitarbeiter an Masern erkrankt
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00:21 09.05.2019
Kinderarzt Thomas Buck zeigt gemeinsam mit Stella Lisanti, wie gegen Masern geimpft wird. In Wirklichkeit ist die Zehnjährige schon seit Kleinkindtagen geimpft. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

In Hannover ist ein Mitarbeiter einer Grundschule an Masern erkrankt. Nach Informationen der HAZ handelt es sich um die Grundschule Lüneburger Damm im Heideviertel. 46 Kinder und 20 Erwachsene müssen zunächst zu Hause bleiben, weil unklar ist, ob ihr Impfschutz gegen die gefährliche Viruserkrankung ausreicht.

Das Gesundheitsamt der Region hat die Schulleitung und die Eltern aller 430 Grundschüler am vergangenen Donnerstag informiert. Montag haben Kinderärztinnen der Region die Impfpässe der Kinder kontrolliert, über die bisher keine Informationen vorlagen, außerdem die Unterlagen von Lehrern sowie anderen Mitarbeitern. Nach aktuellem Stand ist der Impfstatus bei 28 Kindern noch unklar, weil sie keinen Impfausweis mitgebracht haben. 16 Kinder sind nur unvollständig gegen Masern geschützt, da sie bisher nur eine von zwei notwendigen Impfungen bekommen haben. Zwei Kinder haben gar keinen Impfschutz. Diese insgesamt 46 Kinder müssen zu Hause bleiben, bis sie einen Impfausweis beziehungsweise einen vollständigen Impfschutz vorweisen können. Kinder, die nicht vollständig geimpft sind oder die Erkrankung nicht durchgemacht haben, können voraussichtlich die nächsten 14 Tage nicht zur Schule gehen.

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20 Mitarbeiter kennen ihren Impfschutz nicht

Unter Eltern und auch Lehrern hat die Maserninfektion zu erheblicher Unruhe geführt. Einige Mitarbeiter sind verunsichert, weil sie sich selbst über ihren Impfschutz im Unklaren sind. Die Ärztinnen haben bei 20 Mitarbeitern zur Klärung Blut abgenommen. Bis das Ergebnis in zwei Tagen vorliegt, dürfen sie die Schule nicht betreten. Falls Schwangere nicht geimpft sind, ist die Lage besonders schwierig: Während der Schwangerschaft ist eine Impfung nicht möglich.

In Hannover ist die hoch ansteckende Krankheit dieses Jahr zum dritten Mal aufgetreten. Zuvor traf es ein Kind an der Grundschule Suthwiesenstraße sowie einen Erwachsenen in Langenhagen. Die gefährliche Krankheit breitet sich in ganz Deutschland wieder stärker aus. In Niedersachsen hat das Landesgesundheitsamt seit Jahresbeginn bereits 71 Masernfälle registriert. Im gesamten Jahr 2018 gab es landesweit nur 18 Erkrankungen. Deshalb will Gesundheitsminister Jens Spahn die Impfung für Kinder in Schule und Kita verpflichtend machen, außerdem auch für Lehrer, Erzieher sowie Medizinberufe.

Ärzte sehen Plan zur Impfpflicht mit Skepsis

Doch viele Ärzte sehen das mit Skepsis. „Das Impfen ist juristisch gesehen eine Körperverletzung, für die ich eine Einwilligung brauche“, sagt Thomas Buck, Obmann der Kinderärzte in Hannover. Er selbst setzt deshalb auf Überzeugungsarbeit. Aus seiner Sicht bestehen bei kleinen Kindern kaum Impflücken. „Das Problem sind junge Erwachsene von 18 bis 50 Jahren. Wir gehen davon aus, dass jeder Dritte nicht oder nur unzureichend geschützt ist.“ Der Sprecher der Kinderärzte regt deshalb an, dass Hausärzte diese Gruppe bei jedem Besuch nach dem Impfstatus fragen. In seiner Praxis spricht Buck Jugendliche konsequent auf das Thema an.

Die Lücke ist entstanden, weil zu Beginn der Masernimpfungen ab 1973 teils wenig wirksame Mittel zum Einsatz kamen, die zweite Impfung wurde erst ab 1991 empfohlen. Von den Schulanfängern waren 2018 in Niedersachsen 93,2 Prozent ausreichend geimpft. In der Region Hannover lag die Quote der zweifach geimpften Erstklässler bei 93,4 Prozent. Damit die Krankheit sich nicht ausbreitet, müssen jedoch 95 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Immunität gegen Masern aufweisen.

Kinderarzt Buck lehnt Zwang auch mit Blick auf Impfskeptiker ab. „Ich fürchte, dass radikale Impfgegner sich sonst noch mehr in Verschwörungstheorien verstricken.“ Manche unterstellen dem Arzt, sich von Pharmafirmen kaufen zu lassen. Doch ein Gewinnbringer seien Impfungen nicht, betont Buck.

Krankheit mit hohem Ansteckungspotential

Masern werden durch Viren ausgelöst und sind hoch ansteckend. Nahezu jeder Kontakt zwischen einer ungeschützten Person und einem Kranken führt zu einer Ansteckung, selbst aus einigen Metern Entfernung. Mit einer Impfung innerhalb von drei Tagen kann der Ausbruch der Masern unter Umständen noch verhindert oder der Verlauf abgeschwächt werden.

Ungeimpfte, die Masern verbreiten, gefährden vor allem Schwangere und Menschen, deren Abwehrsystem geschwächt ist. Auch Babys bis zum neunten Lebensmonat sind bedroht, weil sie noch nicht geimpft sind.

Zu Beginn der Erkrankung zeigen sich Symptome wie bei einem grippalen Infekt: Fieber, Husten und Schnupfen. Die Erreger können sich dann in kleinen Speichel-Tröpfchen über die Luft verbreiten. Erst nach einigen Tagen bildet sich der typische Hautausschlag, der im Gesicht und hinter den Ohren beginnt und sich dann über den ganzen Körper ausbreitet. Dann ist der Kranke aber bereits seit mehreren Tagen ansteckend.

Masern können zu Mittelohrentzündungen, Atemwegs- oder Lungenentzündungen führen. Besonders gefährlich ist die Gehirnentzündung. Sie tritt bei etwa einem von 1.000 Masernfällen auf. 10 bis 20 Prozent der an einer Gehirnentzündung Erkrankten sterben daran. Bei 20 bis 30 Prozent bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderungen oder Lähmungen zurück.

Von Bärbel Hilbig

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