Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Bluttest bei Babys sucht nach lebensbedrohlichem Immundefekt 
Nachrichten Hannover Bluttest bei Babys sucht nach lebensbedrohlichem Immundefekt 
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:04 23.04.2019
Die Behandlung hilft: Prof. Ulrich Baumann, Anna, Ayleen Sophie und Johann Hahn, Prof. Martin Sauer (von links). Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Nur mit sehr viel Glück und schließlich der richtigen Behandlung hat die heute neunjährige Ayleen Sophie ihr erstes Lebensjahr überstanden. Kaum zwei Monate alt, konnte sie nicht mehr trinken. Ihre Mundschleimhaut hatte sich entzündet, wieder und wieder wurde sie in verschiedenen Krankenhäusern behandelt. Erst einer aufmerksamen Kinderärztin kam schließlich der richtige Verdacht: Ayleens Immunsystem funktionierte nicht, sie war Krankheitserregern wehrlos ausgeliefert.

„Das Gemeine daran: Wenn das Abwehrsystem fehlt, sieht man das keinem Kind an“, erklärt Professor Ulrich Baumann von der der Medizinischen Hochschule Hannover. Er holte Ayleen damals sofort an die MHH, wo auch die Eltern ihr Baby nach Desinfektion und Gang durch zwei Sicherheitsschleusen nur mit Kittel und Mundschutz sehen durften. „Da haben wir erst verstanden, wie ernst es ist“, erzählt Johann Hahn.

Neugeborenen-Screening soll Leben retten

Ayleen gehört zu den wenigen Menschen, die an einem schweren kombinierten Immundefekt leiden. Durch Veränderungen der Erbanlagen fallen mehrere Teile des lebensnotwendigen Abwehrsystems aus. Unter die Fachbezeichnung SCID (severe combined immunodeficiency) ist eine Gruppe von rund 20 verschiedenen Krankheiten ähnlichen Typs zusammengefasst. In Niedersachsen sind zwei Säuglinge pro Jahr betroffen, deutschlandweit rund 20 Babys.

„Die Krankheit ist sehr selten, aber immer tödlich, wenn sie nicht entdeckt wird“, erläutert Baumann von der Klinik für Pädiatrische Pneumologie und Neonatologie. Ohne Behandlung sterben die Kinder meist im ersten Jahr. Die MHH-Experten sind deshalb froh, dass der etablierte Bluttest für Babys auf SCID erweitert wird. Sie hatten dies gefordert. Bei dem Neugeborenen-Screening wird am dritten Lebenstag etwas Blut aus der Ferse entnommen und auf eine Karte geträufelt. Im Labor untersuchen Fachleute das Trockenblut bisher auf 13 Erkrankungen, ab August 2019 auch auf schweren kombinierten Immundefekt. „Neu dabei ist die Einführung eines molekulargenetischen Tests für alle Neugeborenen, bei dem DNA extrahiert wird“, erläutert Nils Janzen, Leiter des Screening-Labors Hannover. Der Verdacht auf SCID ergibt sich, wenn bestimmte DNA-Abschnitte fehlen.

MHH gründet Zentrum für zelluläre Immundefekte

„Wichtig ist, dass wir bei dieser Krankheit wirklich etwas ändern können“, betont Professor Martin Sauer, stellvertretender ärztlicher Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Die MHH bündelt ihr Fachwissen jetzt in einem neuen Zentrum für zelluläre Immundefekte, das sich um Kinder und Erwachsene kümmert. Darin arbeiten Experten der Kliniken für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie sowie Pädiatrische Hämatologie und Onkologie, der Klinik für klinische Immunologie und Rheumatologie und des Instituts für Humangenetik noch enger als bisher zusammen.

Ayleen bekam unter Sauers Leitung eine Knochenmarktransplantation. „Wir übertragen damit das Immunsystem eines gesunden Spenders.“ Oft gelingt es nur unvollständig, alle Gendefekte auszugleichen. Auch Ayleen bekommt deshalb jede Woche von ihrer Mutter zusätzlich einen Cocktail aus allen wichtigen Antikörpern injiziert. „Wir achten sehr darauf, dass kein Besuch mit Erkältung ins Haus kommt“, berichtet Anna Hahn. Dennoch darf Ayleen zur Schule gehen, und macht das gerne.

Schüler lernen Immunsystem kennen

Was leistet das Immunsystem für die Gesundheit? Am 26. April lernen 350 Oberstufenschüler das aus erster Hand von Experten. Die Medizinische Hochschule Hannover informiert am „Tag der Immunologie“ von 12.15 bis 15 Uhr über körpereigene Abwehr, HIV, Transplantation, Stammzell- und Knochenmarkspende, Impfen und gesunde Ernährung. Die Schüler sehen Immunzellen, Viren oder auch Parasiten unter dem Mikroskop. Beim Vortrag über angeborene Immundefekte, die zu den seltenen Erkrankungen gehören, schildert ein Patient seine Krankheit.

Einzelne Plätze sind noch frei. Schüler können sich dafür bei Gesine Schürmann unter schuermann.gesine@mh-hannover.de melden.

Von Bärbel Hilbig

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Räuber hat am Dienstag versucht, einen Tankstellenbesitzer zu überfallen und dessen Tageseinnahmen an sich zu reißen. Als das Opfer laut um Hilfe schrie, hörten das zwei 36-Jährige und hielten den Täter bis zum Eintreffen der Polizei auf.

23.04.2019

Nichts freitags, sondern sonnabends: Die Jugendorganisation Generation Umwelt, Tierschutz und Nachhaltigkeit lädt für den 4. Mai zu einer Demonstration in Hannover auf den Opernplatz ein.

23.04.2019

Bei der Zustellung von Benachrichtigungen für die Wahl zum Europaparlament ist es zu einer Panne gekommen. Eine Frau aus Vahrenwald fand rund 200 der Karten im Treppenhaus ihres Mehrfamilienhauses zwischen Werbung.

26.04.2019