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Hannover 160 Kameras sollen den Hauptbahnhof sicherer machen
Nachrichten Hannover 160 Kameras sollen den Hauptbahnhof sicherer machen
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20:50 27.06.2017
Bundespolizei und Bahn haben massiv in die Sicherheit am Hauptbahnhof investiert. 160 neue, hochauflösende Überwachungskameras wurden installiert. Quelle: dpa
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Hannover

Bundespolizei und Bahn investieren massiv in die Sicherheit am Hauptbahnhof. Ab sofort wachen 160 Kameras über das Geschehen im Gebäude und auf den Bahnsteigen. „Die neue Technik ist ein Quantensprung“, sagt Florian Güthlein, Leiter der Bundespolizeiinspektion Hannover. Rund ein Jahr haben die Planungen gedauert, seit Kurzem ist die Anlage in Betrieb. Hauptsächlich werden die Kameras zur Strafverfolgung genutzt, doch während Großereignissen wie zum Beispiel Bundesligaspieltagen haben die Beamten alle Ereignisse im Hauptbahnhof live im Blick.

Jedes Smartphone war besser

1,8 Millionen Euro haben Bahn und Bund in die Modernisierung der Anlage gesteckt. Die alte Technik stammte noch aus den Neunzigerjahren und zeigte Personen „als verschwommenes, verpixeltes Etwas“, sagt Güthlein. „Jedes Smartphone macht bessere Fotos.“ Die jetzigen Überwachungskameras liefern in Full-HD-Auflösung auch kleinste Details - teilweise bis hin zur Kleidungsmarke. „Es ist ein ganz anderes und effektiveres Arbeiten“, sagt Güthlein.

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Beste Videoüberwachungstechnik

Sowohl Bahn als auch Bundespolizei erhoffen sich einen Sicherheitsgewinn. Beide haben Zugriff auf das Videomaterial. Zusätzlich zum Hauptbahnhof sollen bis zum Herbst auch die Haltepunkte Messe/Laatzen und Flughafen mit 24 beziehungsweise 14 Kameras aufgerüstet werden. „Für uns steht die Sicherheit unserer Kunden an erster Stelle“, sagt Hans-Hilmar Rischke, Sicherheitschef der Deutschen Bahn. „Die am stärksten frequentierten Bahnhöfe Hannovers sind nun mit bester Videoüberwachungstechnik ausgestattet.“

Knotenpunkt für Reisende und Fußballfans

Hannover ist ein wichtiger Knotenpunkt im Bahnverkehr. Hier treffen laut Bundespolizei nicht nur Reisende aus Ost-West- und Nord-Süd-Richtung aufeinander, sondern zum Beispiel auch unterschiedlichste Fanlager bei Fußballspielen - sei es nur zum Umsteigen, oder weil die Partie in der Stadt ausgetragen wird. „Von Diebstählen über verbale Attacken bis hin zu Schlägereien ist hier alles dabei“, sagt Inspektionsleiter Güthlein.

Einen ersten Erfolg kann die Anlage bereits vorweisen: Anfang Juni war ein 29-Jähriger lebensgefährlich verletzt worden, nachdem ihm ein 34-Jähriger zunächst eine Flasche an den Kopf schlug und dann dem am Boden liegenden Opfer zusätzlich ins Gesicht trat. Eine Kamera filmte die Bluttat und lieferte ein scharfes Bild des mutmaßlichen Täters. „Der Verdächtige ging uns wenig später ins Netz“, sagt Güthlein. Gegen ihn wird nun wegen versuchten Totschlags ermittelt.
Während die Bahn-Sicherheit nur Livebilder sieht, speichert die Bundespolizei die Aufnahmen entsprechend der Datenschutzvorgaben maximal 30 Tage. Zudem müssen Tafeln auf das Filmen hinweisen. Dennoch kritisiert der Bundesdatenschutzbeauftragte die lange Speicherfrist. Da „eine Vielzahl von Personen beobachtet“ werde, müsse der aus der Überwachung resultierende Nutzen „in einem angemessenen Verhältnis stehen“. Dies sei bei der einmonatigen Speicherzeit nicht der Fall. „Der Einsatz der Videotechnik darf nicht zur Totalüberwachung aller Bürger führen.“

Bodycams im Probebetrieb

Doch die Bundespolizei filmt nicht nur von der Bahnhofsdecke herunter. Die Streifenbeamten tragen nun auch sogenannte Bodycams am Körper. Bei der Landespolizei Niedersachsen werden diese bereits eingesetzt. Die kleinen Kameras filmen auf Schulterhöhe das Einsatzgeschehen. Entsprechend groß ist auch hier die Kritik der Datenschützer. Der Einsatz stelle einen schwerwiegenden Grundrechtseingriff dar, weil die Bodycam dem Gegenüber direkt ins Gesicht filme.
Die Bundespolizeiinspektion verfügt vorerst über drei Testgeräte. „Sie sollen hauptsächlich deeskalierend wirken“, sagt Dienstgruppenleiter Andreas Perlebach. „Eventuell lässt der eine oder andere von seinem Vorhaben ab, wenn er weiß, dass er gefilmt wird.“ Auf den Uniformen steht der zusätzliche Hinweis „Videoüberwachung“, das Filmen werde dem Gegenüber stets angekündigt. Seit Montag dürfen die Geräte auch den Ton speichern, zuvor gab es dafür keine rechtliche Grundlage.

Das ist für die Beamten eine echte Erleichterung. War der filmende Beamte zuvor selbst in eine Auseinandersetzung verwickelt, waren die Aufnahmen verwackelt und mangels Ton kaum zu gebrauchen. „Bilder, die stumm sind, sagen niemals so viel aus.“

Peer Hellerling

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