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Hannover Das sind die Menschen auf dem Maschseefest. Heute: Der Festleiter
Nachrichten Hannover Das sind die Menschen auf dem Maschseefest. Heute: Der Festleiter
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10:54 17.08.2019
Er ist mit dem Maschseefest 2019 zufrieden: Oliver Schulte. Quelle: Clemens Heidrich

Oliver Schulte: Heute ist der vorletzte Tag, und ich kann auf ein bisher friedliches Fest zurückblicken. Schon zur Halbzeit konnten wir erkennen, dass es 30 Prozent weniger Straftaten als im Vorjahr gab. Das zeigt den Charakter des Maschseefests. Und auch die Unwetter, die über andere Teile des Landes gezogen sind, haben uns verschont. So konnte ich das Fest mehr genießen und hatte weniger Stress. Auch das Feedback der Gäste war super. Ich bin glücklich, wie das diesjährige Fest bisher gelaufen ist.

Oliver Schulte ist Festleiter auf dem Maschseefest.

Die Straßenmusiker

Sagar (von links), James und Ahmed machen regelmäßig am Maschsee Straßenmusik. Quelle: Manuel Behrens

Sagar (von links), James und Ahmed: Wir machen hier am Ostufer Musik. Wir spielen öfter als Straßenmusiker in der Stadt, aber nirgends ist es so schön wie hier am See. Zusammen spielen wir in der Band Rouff & Tuff Reggae, Hip-Hop und Blues – auch, wenn gerade nicht das Maschseefest läuft. Wir kommen aus Marokko, dem Senegal und Kenia und haben uns vor zwei Jahren hier in Hannover kennengelernt. Wir sind immer so lange am See unterwegs, wie wir Lust haben, und wenn uns die Zuschauer etwas Geld geben, teilen wir es später auf.

Sagar (von links aus dem Senegal), James (Kenia) und Ahmed (Marokko) machen regelmäßig am Maschsee Straßenmusik.

Die Modemacherin

Sefanie Sieverding designt Mode, die zu 100 Prozent "Made in Germany" ist. Quelle: Lisa Neugebauer

Stefanie Sieverding: Mein Konzept ist, dass meine Sachen zu 100 Prozent „Made in Germany“ sind. Alle verwendeten Rohstoffe kommen aus Deutschland, die Stoffe werden hier hergestellt,und ich schneidere die Kleidung in Hannover. Ich möchte so gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie vorgehen und meine Kunden darüber aufklären. Die Leute sind sehr interessiert an meinen Produkten und dem Label.

Stefanie Sieverding (28) betreibt das Label Dörpwicht und war am Dienstag auf der Kreativmeile zu Gast.

Die Toilettenleute

Maren Denzau (links) und Mario Kuhnert kümmern sich um das Toilettenhäuschen an der Löwenbastion. Quelle: Manuel Behrens

Maren Denzau und Mario Kuhnert: Wir kümmern uns um die Gäste und die Toilettenhäuschen an der Löwenbastion. Ab 18 Uhr wird es hier jeden Tag ziemlich voll, vor allem an den Wochenenden. Dann bildet sich eine ziemliche Schlange. Solange die Klos sauber sind, haben die Leute trotz Blasendruck gute Laune. Und die meisten wissen, dass sie die Toiletten sauber zu hinterlassen haben. Die sind zufrieden und geben auch ein Trinkgeld. Aber leider nicht alle. Einige sind schon heftig drauf – vor allem, wenn sie viel getrunken haben.

Maren Denzau und Mario Kuhnert kümmern sich um das Toilettenhäuschen an der Löwenbastion.

Die Eisverkäuferin

Sarah Sahan verkauft Eis und Kaffee auf dem Maschseefest. Quelle: Lisa Neugebauer

Sarah Sahan (23): Ich verkaufe jeden Tag Eis auf dem Maschseefest und habe dabei sehr viel Spaß. Die Kulisse ist toll und etwas ganz Besonderes. Vor allem sonntags – am Familientag – verkaufen wir viel. Eis nehmen die Leute am liebsten, aber auch Kaffee, vor allem wenn sie am Sonnabend lange gefeiert haben.

Am meisten mag ich, dass ich hier viele Leute kennenlerne – von Engländern, die erzählen, dass sie 14 Tage lang durchfeiern wollen, bis hin zum älteren Ehepaar, dass extra aus dem Harz angereist ist und hier fast jeden Tag seine fünf Kugeln mit Sahne genießt.

Sarah Sahan (23) verkauft zusammen mit zwei Kolleginnen Eis bei Gosch.

Der anfeuernde Chef

Stefan Seidel feuert sein Team beim Crazy Crossing an. Quelle: Lisa Neugebauer

Stefan Seidel (47): Ich feuere das Team meiner Textilreinigung beim Spaßwettbewerb Crazy Crossing an. Vier meiner Mitarbeiter haben ein Boot gebaut und kämpfen sich durchs Wasser. Wir wollten sie natürlich tatkräftig unterstützen und sind daher mit etwa 60 Leuten aus Garbsen angereist.

Stefan Seidel (47) feuert seine Mannschaft an.

Die Drag-Queen

Otto Selau tritt als Ottilie S. in der Nordkurve auf dem Maschseefest auf. Quelle: Lisa Neugebauer

Otto Selau (19): Ich trete mittwochs in der Nordkurve als Dragqueen auf, um die Partygäste zu unterhalten. Ich komme aus Magdeburg, bin aber regelmäßig in Hannover zum Beispiel beim Christopher Street Day.

Ich freue mich, dass das Paradiso auf dem Maschseefest zum ersten Mal eine Queerparty veranstaltet. Es ist sehr wichtig, dass es solche Veranstaltungen gibt, damit die Community eine Plattform bekommt. Viele Leute sind noch skeptisch, die Party kann Vorurteile abschaffen. Leider sind außer mir nicht so viele Leute aus der Szene gekommen, das finde ich schade.

Otto Selau (19) tritt als Kunstfigur Ottile S. in der Nordkurve auf dem Maschseefest auf.

Die Lüttje-Lage-Expertinnen

Tessa Lange (links, 22) und Saskia Grabik schenken auf dem Maschseefest Lüttje Lage aus. Quelle: Manuel Behrens

Tessa Lange (links, 22) und Saskia Grabik (22): Wir schenken über das Maschseefest am Stadionanleger Lüttje Lage aus. Vor allem am Wochenende wird das wieder stressig: Dann sind alle 150 Tabletts mit je 20 Gläsern unter den Gästen. Meistens sind es Gruppen, die Lüttje Lage bestellen. Häufig ist ein Einheimischer dabei, der dann erklärt, wie man aus zwei Gläsern gleichzeitig trinkt: Das große Glas mit Schwarzbier zwischen Daumen und Zeigefinger, das Schnapsglas zwischen Ring- und Mittelfinger. Das geht nicht immer gut und es wird gekleckert. Komischerweise kommen auch immer wieder Menschen aus Hannover, die Lüttje Lage nicht kennen. Dann geben wir gerne eine Anleitung.

Tessa Lange (links, 22) und Saskia Grabik (22) arbeiten im Seebiergarten.

Die Servicekraft

Johanna Bönisch (26) arbeitet als Servicekraft im Clichy am Geibeltreff. Quelle: Manuel Behrens

Johanna Bönisch (26): Ich habe die Aufgabe, Tischreservierungen anzunehmen und die Plätze entsprechend anzuordnen. Das mache ich über das gesamte Maschseefest. Mir ist schnell aufgefallen, dass alle Gäste direkt am Wasser sitzen wollen, was natürlich nicht immer geht. Trotzdem versuche ich, auf alle Wünsche einzugehen.

Außerdem muss ich berücksichtigen, dass auch ältere Menschen, etwa mit Rollatoren oder Rollstühlen einen geeigneten Platz finden. Viele Gäste kommen seit etlichen Jahren zu uns ins Clichy. Im Moment arbeite ich hauptberuflich in der Gastronomie. Dass ich fast den ganzen Tag im Stehen verbringe, macht mir inzwischen nicht mehr viel aus.

Johanna Bönisch (26) arbeitet als Servicekraft im Clichy am Geibeltreff.

Die Gastronomin

Lisa Aulich (rechts) betreibt das Tiroler Seehaus. Eliz Jacob serviert dort Essen und Getränke. Quelle: Manuel Behrens

Lisa Aulich (29): „In unserem Stand bereiten wir alpine und italienische Spezialitäten vor – zum Beispiel Bratschinken oder Foccacia-Brot, das bei uns Tirolese heißt. Die größte Herausforderung, um auf dem Fest frisch zu kochen, ist, dass man nie weiß, was an dem Tag passiert. Bei warmen Temperaturen essen die Gäste zum Beispiel lieber leicht. Ist es kühl, steht eher deftige Küche an. Darauf müssen wir immer reagieren, damit keines der Produkte ausgeht. Wir müssen immer vorausschauend arbeiten, um Gerichte neu nachproduzieren zu können.“

Lisa Aulich ist 29 Jahre alt und betreibt das Tiroler Seehaus – seit 13 Jahren arbeitet sie auf dem Maschseefest. Angefangen hat sie unter ihrem Vater Rainer Aulich. Er war einer der ersten Maschseefest-Gastronomen.

Der Ruderbootverleiher

Volker Reckhoff . Quelle: Manuel Behrens

Volker Reckhoff (51): „Während des Maschseefests mieten sich viele Kunden Tretboote, die nicht aus Hannover stammen. Die Einheimischen können schließlich fast das ganze Jahr fahren. Vom See aus hat man eine ganz andere Perspektive auf das Drumherum und die Stadt. Bei besonderen Anlässen wie dem Entenrennen sind unsere Boote schon immer ein paar Stunden im voraus ausgebucht, weil das natürlich viele Menschen vom Wasser aus sehen wollen. Für uns und die Kunden ist das Wetter in diesem Jahr eigentlich optimal: Treetbootfahren macht bei mildem Wetter deutlich mehr Spaß als bei 36 Grad. Seit diesem Jahr gibt es auch Maschseefest-Souvenirs, die gut ankommen. Vielen Kunden identifizieren sich so mit dem See.“

Volker Reckhoff (51) leitet die Segelschule und den Tretbootverleih am Maschsee gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Susanne Flohr.

Der Ballonverkäufer

Farie Zamanfou Quelle: Behrens

Farie Zamanfou: „Am Wochenende verkaufe ich fliegende Luftballons hier auf dem Maschseefest. Bis jetzt waren es fünf oder sechs an diesem Nachmittag. Egal, wo ich stehe, es kommen immer Kinder zu mir, die einen haben wollen. Die müssen natürlich erstmal ihre Eltern fragen –und die sagen nicht immer „ja“. Wer welchen Luftballon haben möchte, ist aber immer klar: Jungs wünschen sich einen mit Spiderman, die Mädchen finden das Motiv mit der Prinzessin am besten.“

Farie Zamanfou verkauft auf dem Maschseefest Luftballons.

Der Kiosk-Verkäufer

Vincent Weidig und Mitarbeiterin Johanna Döpp. Quelle: Manuel Behrens

Vincent Weidig (36): „Heute ist mein Maschseefest-Tag, weil es viele Dinge mit sich bringt, auf die wir uns freuen. Wir können uns hier schön präsentieren und spannende Aktionen starten. Wir haben zum Beispiel besondere Produkte im Sortiment – wie unser Gin-Tonic-Eis. Der Gin dafür wird extra hergestellt. Das gibt es sonst nirgendwo anders. Allerdings war unser Kiosk für viele Spaziergänger in den vergangenen Tagen wohl nicht ganz so interessant, weil um den Stand herum einfach viel gearbeitet wurde. Nun freuen wir uns aber auf viele tolle Gäste und darauf, dass es ein ruhiges Fest bleibt.“

Vincent Weidig (36) betreibt den Kiosk Anleger Nord. Unterstützt wird er von Johanna Döpp (17).

Die Maschsee-Fans

Ngoc Ngyuen (rechts) ist mit ihrer Freundin Bich Thuan. Quelle: Manuel Behrens

Ngoc Ngyuen: „Während des Fests kommen wir so oft wie möglich her – mindestens sechsmal. Das Maschseefest ist schließlich nur einmal im Jahr. Ich bin vor drei Jahren aus Vietnam nach Deutschland gekommen. Das Maschseefest ist eine tolle Möglichkeit, um die deutsche Küche kennenzulernen. Wir probieren natürlich auch Gerichte aus anderen Ländern aus. Man kann sagen: Obwohl wir immer über das ganze Fest laufen, sind wir hauptsächlich zum Essen hier. Und um Fotos zu machen.“

Ngoc Ngyuen ist Besucherin auf dem Maschseefest

Der fliegende Händler

Luca Worbs. Quelle: Behrens

Luca Worbs: „Ich verdiene während der Sommerferien Geld auf dem Fest. Ich bin in der zwölften Klasse und habe mir einen mobilen Gewerbeschein für den Maschsee besorgt. Über das Fest verkaufe ich jetzt Getränke, abseits der festen Bars und Stände. Mein Verkaufsstand ist ein selbstgebautes Fahrrad: Darauf habe ich mit einem Tischler eine Kühltruhe montiert. Durch eine eingebaute Batterie bleiben die Flaschen kalt. Der Job macht viel Spaß, ist aber auch stressig: Ich bin von 18 Uhr bis Mitternacht unterwegs, vorher muss ich Getränke einkaufen, kühlen und einsortieren. Das verdiente Geld spare ich oder stecke es in mein Geschäft. Wenn es geht, möchte ich nächstes Jahr mit zwei Fahrrädern hier unterwegs sein.“

Luca Worbs (18) aus Laatzen verkauft mit seinem Fahrrad Getränke.

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Von Manuel Behrens und Lisa Neugebauer

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