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Hannover Messe verzichtet zur Cebit auf Kombiticket
Nachrichten Hannover Messe verzichtet zur Cebit auf Kombiticket
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00:15 30.01.2015
Von Bernd Haase
Lange Warteschlangen vor den Ticketautomaten an der Messe: Während der Domotex gab es massive Fahrkartenkontrollen. Quelle: Felix Peschke
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Hannover

Das hatte viele Besucher überrascht – sie konnten bei Kontrollen keinen gültigen Ausweis vorweisen. „Die Messe AG hat Absprachen zur Kommunikation nicht eingehalten“, sagt Ulf Mattern, Geschäftsführer des Großraum Verkehr Hannover (GVH).

Die sogenannte Kombiticketregelung, die es in Hannover beispielsweise auch für Fußball-Bundesligaspiele und für Konzerte gibt, war von der Messe AG nicht verlängert worden. Sie wollte sich die 800.000 Euro jährlich sparen, die das Paket kostet. Zur Begründung hieß es, dass zur Computermesse Cebit und zur Industriemesse zuletzt nur noch zehn Prozent der Besucher und Aussteller den Nahverkehr genutzt hätten, weil mittlerweile Fernzüge am Messebahnhof halten, weil die Bahn ihr City-Ticket für den Nahverkehr anbietet und Messegäste verstärkt mit dem Auto anreisen.

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Massive Kontrollen treffen Messebesucher

Der GVH und die hauptsächlich betroffene Üstra reagierten vergrätzt und kündigten massive Kontrollen an. Das wurde zur Domotex auch durchgezogen, und zwar zum Auftakttag in Form einer konzertierten Aktion. Die Üstra ließ an der Stadtbahn-Endstation Messe/Nord Gitter aufstellen, durch die alle Aussteigenden gehen und sich kontrollieren lassen mussten. „4000 Fahrgäste wurden überprüft, 3000 hatten keinen Fahrschein“, sagt Mattern. Anfänglich hätten die Kontrolleure noch die in derartigen Fällen üblichen Knöllchen in Höhe von 40 Euro verteilt, dies dann aber schnell aufgegeben. „Das wäre auf Dauer wegen der schieren Menge der Betroffenen gar nicht handhabbar gewesen. Außerdem wurde die Stimmung immer explosiver“, sagt Mattern. Deshalb habe man sich dafür entschieden, Kulanz walten zu lassen.

Kombiticket für Messetage?

In der Arbeitsgruppe wird nun einiges aufzuarbeiten sein. GVH-Manager Mattern unterstellt den Domotex-Gästen keine Absicht: „Sie waren überrascht, weil die Messe sie nicht ausreichend informiert hatte.“ Das weist Messesprecherin Silke Trösch zurück. „Bereits am zweiten Tag sind An- und Abreise reibungslos verlaufen“, sagt sie. Auch bei den Fahrgastzahlen seien die eigenen Prognosen eingetroffen – eine Aussage, die wiederum der GVH bestreitet.

Theoretisch wäre es möglich, für die Cebit und die Hannover-Messe kurzfristig ein Kombiticket einzuführen. Die Messe AG aber plant das laut Trösch nicht. GVH und Üstra haben auch für die Großmessen umfangreiche Kontrollen angekündigt. „Wir müssen als Unternehmen unsere Einnahmen sichern“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek.

Tickets aus dem Bauchladen

Ein ähnliches Vorgehen wie bei der Domotex würde die Anreise zu den ungleich besucherstärkeren Messen im Frühjahr ernsthaft beeinträchtigen. Um das zu verhindern oder wenigstens zu mildern, gibt es neben einer besseren Informationspolitik eine weitere Möglichkeit: Der GVH könnte an den großen Tunnelstationen wie Kröpcke oder Aegi mobile Fahrscheinverkäufer einsetzen – Tickets aus dem Bauchladen also.     

Imageschaden für die Stadt

Die Messe AG hat mit der Kündigung des Kombitickets den Service für einige ihrer Besucher und Aussteller verschlechtert, weil sie den finanziellen Aufwand nicht mehr leisten will. Das ist eine unternehmerische Entscheidung, für die sie ihre Gründe haben wird. GVH und Üstra haben mit einer für hannoversche Verhältnisse ungewöhnlichen Kontrollaktion reagiert. Auch eine unternehmerische Entscheidung – und zwar eine nachvollziehbare. Erstens kann sie nicht auf Einnahmen verzichten, zweitens Messebesucher nicht besser stellen als die anderen Fahrgäste.

Weil beide öffentlichen Unternehmen in der Sache nicht nachgeben wollen, müssen künftig die bisher ans Kombiticket gewöhnten Messegäste im Vorfeld besser informiert werden. Das ist Sache der Messe AG – und die hat sich bei der Domotex dabei kein Ruhmesblatt erworben. Es liegt in ihrem eigenen Interesse, es bei den kommenden Großmesen besser zu machen – und auch im Interesse der Stadt. Deren Image nimmt nämlich Schaden, wenn auswärtige Besucher in eine Knöllchenfalle beim Nahverkehr tappen.     

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