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Hannover Mieten und Kaufpreise in Hannover steigen weiter an
Nachrichten Hannover Mieten und Kaufpreise in Hannover steigen weiter an
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00:20 26.08.2018
Wohnen ist auch in Hannover teurer geworden –aber im Großstädtevergleich nicht ungewöhnlich teuer. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Ein Drittel der hannoverschen Haushalte kann sich keinen Umzug mehr leisten, weil die Mieten zu stark steigen – das hat im Juli eine Studie der Stadtverwaltung ergeben. Der am Donnerstag vorgelegte Jahresbericht des Immobilienverbands IVD stützt diese traurige These. Demnach haben die Kaufpreise im ersten Halbjahr 2018 bei Häusern um etwa 6 Prozent zugelegt, bei Eigentumswohnungen um etwa acht Prozent, die Mieten erneut um gut fünf Prozent. In einigen Segmenten gebe es zwar „Beruhigungstendenzen“, sagt Maria del Carmen Weber vom hannoverschen IVD-Vorstand. Trotzdem seien Wohnungen in begehrten Stadtteilen „nach wie vor ein knappes Gut“.

1106 Wohnungen sind im vergangenen Jahr in Hannover neu gebaut worden – ein Kraftakt von Baubranche und Stadtverwaltung, der allerdings den Mangel auf dem Wohnungsmarkt aktuell kaum spürbar lindert. Nach Berechnungen des hannoverschen Pestel-Instituts fehlen in der Stadt etwa 11 000 bis 12 000 Wohnungen, um die Nachfrage zu befrieden. Besonders groß ist der Mangel an preiswerten Wohnungen. Die Stadt plant deshalb wie berichtet, das Förderprogramm noch einmal aufzustocken. Zudem sollen mit großen Baugebieten wie in der Wasserstadt Limmer, Kronsberg-Süd oder auf dem Gelände des ehemaligen Oststadtkrankenhauses neue Wohnflächen in großem Stil geschaffen werden, allein in diesem Jahr will Hannover Baurechte für 4385 neue Wohnungen schaffen.

Garbsen als „Beverly Hills“?

Beim IVD registriert man, dass Hannovers Speckgürtel wieder interessanter wird, weil Familien in der Stadt oft Probleme haben, große und preiswerte Wohnungen zu finden. Langenhagen und Laatzen sind schon lange als Ausweichorte attraktiv, inzwischen entwickele sich neben Hemmingen aber besonders auch Garbsen zum gefragten Standort. „Garbsen wird ein bisschen das neue Beverly Hills von Hannover“, sagt del Carmen Weber plakativ. Der gute Stadtbahnanschluss und die Ansiedlung der Uni-Institute führe zu einer erhöhten Nachfrage, die inzwischen vergleichbar mit hannoverschen Stadtteilen wie Kleefeld sei.

Auch wenn vielfach über steigende Preise geschimpft werde, liege „Hannover im Städtevergleich ganz gut“, sagt Peter Wagner vom Landesverband IVD-Nord, der auch Hamburg und Bremen umfasst. Es gebe „natürlich keine Garantie, in den schönen Stadtteilen eine preiswerte Wohnung zu finden“. Mit Durchschnittsmieten deutlich unter 10 Euro aber seien in Hannover und Niedersachsen „keinerlei Tendenzen für eine Blase zu erkennen“.

Trotz der gestiegenen Kaufpreise lohne weiterhin die Anschaffung von Immobilien, wenn man über ausreichend Eigenkapital verfüge, sagt del Carmen Weber. Vor allem wenn aus Erspartem, aus Erbschaften oder durch Leihgaben von Verwandten Geld zur Verfügung stehe, sei die Immobilie weiterhin eine stabile und sinnvolle Anlageform.

Andererseits gebe es „definitiv einen Markt die neugebauten Etagen-Mietwohnungen“, die oft zu Kaltmieten von 12 bis 14,50 Euro vermietet werden. „Wer gerne smartes Wohnen möchte mit Aufzug, Tiefgarage, Türsprechanlage mit Blickkontakt und moderner Einbauküche, der ist auch bereit, dafür eine entsprechende Miete zu zahlen.“ Das gelte insbesondere für Paare und Familien, die damit rechneten, in einigen Jahren umzuziehen und sich deshalb nicht in einer Stadt an Immobilienbesitz zu binden. IVD-Mann Wagner erhofft sich einen „Sickereffekt“, wenn Mieter in teure Neubauwohnungen umziehen und damit preiswertere Wohnungen frei machen.

„Überhöhte Vorstellungen“

Allerdings nimmt Maklerin Weber in Gesprächen mit privaten Vermietern neuerdings wahr, dass die öffentliche Debatte über steigende Mieten tatsächlich zu überhöhten Vorstellungen führt. „Viele möchten bei Neuvermietungen normaler Wohnungen gerne pauschal 10 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter durchsetzen.“ Das sei bei durchschnittlich ausgestatteten Wohnungen in normalen Lagen laut Mietspiegel nicht angemessen, „wir raten davon ab“.

Der IVD-Erhebung zufolge kostet Bauland in Hannover je nach Wohnlage zwischen 300 und 570 Euro pro Quadratmeter, im Umland durchschnittlich zwischen 100 und 200 Euro. Bei Einfamilienhäusern wurde für Hannover 320 000 Euro bei mittlerer Wohnlage und durchschnittlicher Ausstattung und Größe ermittelt, ein Wachstum um 6,7 Prozent innerhalb eines Jahres. Bei besseren Lagen und Ausstattung beträgt der Durchschnittspreis 475 000 Euro.

Eigentumswohnungen kosten bei normaler Lage und Ausstattung rund 1650 Euro pro Quadratmeter, bei sehr guten Lagen sind es aber mittlerweile auch 3800 Euro im Schnitt. Vor zehn Jahren waren es für gute Lagen noch 1900 Euro.

Die Mieten bewegen sich bei Neuvermietungen je nach Wohnlage und -ausstattung zwischen 8,40 und 10,45 Euro, in sehr guten Lagen auch 12,80 Euro.

Mietspiegel dürfte steigen

Das ist deutlich über dem Mietspiegel, der auch Bestandsmieten aus Vorjahren erfasst. Maklerin del Carmen Weber rechnet damit, dass dessen Werte in den nächsten Jahre steigen werden. Insgesamt habe Hannover aber „einen funktionierenden Wohnungsmarkt, der eine staatlich verordnete Mietpreisbegrenzung wie die Mietpreisbremse nicht benötigt“, sagt sie.

Von Conrad von Meding

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