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Hannover VW-Tochter Moia darf Fahrdienst ausweiten
Nachrichten Hannover VW-Tochter Moia darf Fahrdienst ausweiten
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00:30 27.05.2018
Die brauen Fahrzeuge von Moia gehören inwischen schon zum Stadtbild. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Der Fahrdienst Moia wird eine Genehmigung für seine Ausweitung der Aktivitäten in Hannover erhalten. Das hat ein Sprecher der Stadtverwaltung auf Anfrage mitgeteilt. Der Bescheid sei noch nicht erteilt, weil es derzeit noch Gespräche über Detailfragen gebe. Der Genehmigungsbescheid werde in den nächsten Tagen verschickt, teilte der zuständige Ordnungsdezernent von Hannover, Axel von der Ohe, vor wenigen Tagen bei einer Versammlung von Taxiunternehmern mit.

So funktioniert Moia

Der Fahrdienst Moia versteht sich selbst als Bindeglied zwischen Taxiservice und öffentlichem Nahverkehr. Beschreiben kann man ihn als ein computergesteuertes System von Sammeltaxis.

Um Moia zu nutzen, muss man sich über ein Programm auf dem Smartphone, einer so genannten App, anmelden. Über die App kann man dem Moia-System mitteilen, wohin man gefahren werden möchte. Das System rechnet dann aus, welches der Fahrzeuge in der Stadt die Fuhre am besten übernehmen kann und wo man zusteigt. Der Computer berechnet zudem die günstigste Route für das Fahrzeug, damit möglichst viele Fahrgäste mit möglichst wenigen Umwegen eingesammelt und abgesetzt werden können.

Die Kosten des Transports werden automatisch von der Kreditkarte des Kunden abbucht. Derzeit ist Moia im Testbetrieb und mit 6 Cent pro Kilometer sehr günstig. Der Preis soll im Sommer angehoben werden, aber unter dem Niveau von Taxipreisen liegen.

Begonnen hat Moia mit 20 Transportern, die rasch auf 35 Autos aufgestockt wurden.

Nach Informationen der HAZ wird der Betrieb von Moia mit Auflagen genehmigt. Beispielweise soll das Unternehmen die Zahl der Fahrzeuge vorerst auf unter 200 beschränken, der Fahrdienst hatte den Betrieb mit bis 250 Autos vom Typ VW T6 beantragt Das Unternehmen soll seine virtuellen Haltestellen bekanntgeben und dürfe diese nicht immer wieder verlegen. Zudem ist eine Reihe weiterer Auflagen geplant. Die Stadt will nach zwei Jahren überprüfen, wie sich der Betrieb von Moia auf das Taxigewerbe auswirkt.

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Moia plant in Hannover die Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet, möglicherweise in einem weiteren Schritt auch auf das Umland. Derzeit sind in einer Testphase 35 benzinbetriebene T6 in einem eingeschränktem Gebiet unterwegs. Der Kilometer in den Fahrzeugen, die tagsüber immer unterwegs sind, kostet derzeit 6 Cent pro Person.

Laut Genehmigungsantrag will Moia einen deutlich umfassenderen Service anbieten, als bisher., Beispielsweise sucht die VW-Tochter Kooperationspartner. Zum Beispiel sollen Unternehmen ihre Mitarbeiter von Moia zur Arbeit bringen lassen. Auch Restaurants, Theater oder Geschäfte sollen sich an den Fahrkosten für den Dienst beteiligen können. Moia will seine Flotte nach und nach auf elektrobetriebene Fahrzeuge umstellen, wie sie in Hamburg bereits unterwegs sind.

Die VW-Tochter Moia wollte sich gestern nicht zur Genehmigung äußern. Wir haben noch keinen Bescheid und können deshalb noch auch nichts kommentieren, sagte Sprecher Christoph Ziegenmeyer.

Der Geschäftsführer des hannoverschen Taxiverbunds Hallo Taxi, Wolfgang Pettau, reagierte mit Enttäuschung. „Das ist bedauerlich für Hannover“, sagte er. Pettau bekräftigte seine Ankündigung, die Genehmigung gerichtlich überprüfen zu lassen. Zudem werde Hallo Taxi sehr genau prüfen, ob sich der Fahrdienst an die von der Stadt erteilten Auflagen hält. Seine Befürchtung ist, dass die VW-Tochter die mittelständischen Taxiunternehmer „platt macht“. Und nach vier Jahren sei das Unternehmen dann möglicherweise wieder aus Hannover verschwunden, meint Pettau. „Für uns Taxiunternehmer ist Moia existenzbedrohend“, betont er.

Von Mathias Klein