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Hannover Mordversuch vor knapp 35 Jahren – Zeugen erinnern sich an nichts
Nachrichten Hannover Mordversuch vor knapp 35 Jahren – Zeugen erinnern sich an nichts
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00:19 24.02.2019
Jakub S. muss sich für eine Jahrzehnte zurückliegende Tat verantworten. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Sitzt der bärtige alte Mann, der ständig auf den Boden stiert und immer mal wieder monotone Kaubewegungen macht, zu Unrecht auf der Anklagebank im Schwurgerichtssaal? Oder schoss Jakub S. vor gut 34 Jahren tatsächlich einem Polizeibeamten in Zivil aus nächster Nähe in den Rücken, doch man wird ihm das Verbrechen nicht nachweisen können? Dieser Donnerstag war auf jeden Fall ein schlechter Tag für den Staatsanwalt. Beide Zeugen, die Wesentliches zur Verurteilung von S. hätten beisteuern können, konnten sich an nichts mehr erinnern – weder ein damals an dem Einbruch in einen Windsurfladen beteiligter 53-Jähriger noch ein an früheren Vernehmungen beteiligter Polizeibeamter im Alter von 71 Jahren.

Falsches Alter angegeben

Dass in diesem Verfahren mit vor Jahrzehnten fälschlich Verdächtigten und unklaren Identitäten nicht alles rund läuft, zeigte sich auch an anderer Stelle. So fragte Hanni Peiffer, die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer, den Angeklagten nochmals nach seinem Alter. Am ersten Verhandlungstag hatte er den 1. Januar 1957 angegeben, nun benannte er als Geburtstag wieder jenes Datum im Dezember 1957, das auch in der Anklageschrift notiert ist. So ist Jakub S. denn wieder 61 Jahre alt, nicht schon 62. Ansonsten hat der Kosovo-Albaner noch nichts zu seinen persönlichen Verhältnissen gesagt.

Der Einbrecher, der noch am Tattag im Juni 1984 festgenommen wurde und später zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, konnte sich im Schwurgerichtssaal an nichts mehr erinnern: weder an die nächtliche Verfolgungsjagd in der Oeltzenstraße (Calenberger Neustadt) noch an seinen Mittäter. Und hat er Jakub S. jetzt wiedererkannt? Der Zeuge verneint. Bei früheren Vernehmungen soll er den 61-Jährigen zwar belastet haben, aber das hat heute – juristisch betrachtet – keinen Wert mehr. Auch der Kriminalbeamte, der frühere, gegen S. sprechende Zeugenaussagen hätte bestätigen können, war dem Ankläger keine Hilfe. Der 71-Jährige wusste zu erzählen, dass ein anderer Vernehmungsbeamter inzwischen verstorben ist, konnte zur Aufklärung des Mordversuchs an einem jungen Polizisten aber ebenso wenig beisteuern – obwohl er die Akten vor der Verhandlung noch einmal gesichtet hatte.

Reichen die Beweise?

Prozessbeobachter äußerten nach diesem Verhandlungstag Zweifel, ob die dünne Beweislage für eine Verurteilung des Kosovo-Albaners reicht. Es soll Fingerabdrücke geben, die die Polizei 2016 auf die Spur des 61-Jährigen führten, doch davon will Verteidiger Joe Thérond nichts wissen. Es gebe keine DNA-Spuren, die die Täterschaft seines Mandanten beweisen könnten, sagte der Anwalt am Rande der Verhandlung, es würden überhaupt keine objektiven Spuren existieren. Auch das Opfer hatte nur erkannt, dass „der kleinere“ von zwei Einbrechern auf ihn feuerte – doch eine aussagekräftige Personenbeschreibung konnte der Polizeibeamte nie abgeben.

Der 59-Jährige, der am 8. Juni 1984 durch ein Projektil fast den Tod gefunden hätte, saß dieses Mal im Zuschauerraum. Sein Leben wurde durch den heimtückischen Mordversuch erheblich beeinflusst, ist bis heute von den Folgen der Tat geprägt. Doch zeigte der Mann, dem die Kugel nach knapp 35 Jahren immer noch in der Lunge steckt, anders als am ersten Verhandlungstag kaum Emotionen. Ihm würde es aber mit Gewissheit helfen, wenn das Schwurgericht die Schuldfrage in der nächsten Woche eindeutig klären könnte.

Von Michael Zgoll

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