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Hannover Das schätzen hannoversche Musiker an Gibson-Gitarren
Nachrichten Hannover Das schätzen hannoversche Musiker an Gibson-Gitarren
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00:29 23.03.2018
Spielt mit einer Gibson: Rudolf Schenker von den Scorpions. Quelle: dpa
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Hannover

 Es war der 20. Mai 1969, es war im hannoverschen Kuppelsaal, und es war für den jungen Mann im Publikum ein herausragender Moment – seines ganzes Lebens, wie sich noch herausstellen sollte. Denn was Heiner Lürig da auf der Bühne, in Händen des Gitarristen Mick Taylor sah, der mit John Mayall und den Bluesbreakers aufspielte, haute ihn um. Am nächsten Tag stand er bei der Musikalienhändlerin Emma Böhmecke im Laden und wollte genau so eine Gitarre. Und mit Hilfe von Papas Bürgschaft wurde der hannoversche Nachwuchsmusiker stolzer Besitzer einer Gibson SG - einem Modell, das später vor allem unter den Fingern von AC/DC-Wildschrat Angus Young berühmt wurde. „Ein SG“, sagt Lürig, langjähriger Kompagnon von Heinz Rudolf Kunze, heute, „ist leichter als eine Les Paul, das Griffbrett fühlt sich einfach gut an und lässt sich wunderbar spielen.“ 

So reden Gitarristen nun mal, und wenn es um die elektrischen Exemplare des amerikanischen Herstellers Gibson geht, kommen sie zumeist ins Schwärmen. Es fragt sich, wie lange noch. Dass die renommierten Marke mit dem schrägen Schriftzug in Schieflage geraten ist, hat sich schnell herumgesprochen. Eine halbe Milliarde Schulden hat Gibson angehäuft, die bis zum Sommer bezahlt werden müssen. Ausgang: ungewiss. 

Die Gründe? Der Bedeutungsverlust der Gitarre in der modernen Musik, das vom sexy Vorbild zum Klischee verkommende Bild des langmähnigen Gitarristen bei einem elegischen, breitbeinig gespielten Solo gehören dazu. Und das, obwohl einer der wichtigsten Gibson-Spieler ein echter Gitarrenheld ist – aus Hannover: Für Scorpions-Gründer Rudolf Schenker ist das zackige Modell Flying V zum Markenzeichen geworden. Schenker ist – wie sein Bruder Michael - bekennender Gibson-Fan, ein Signature-Modell ist nach ihm benannt, und überdies hat er eine der größten Flying-V-Sammlungen überhaupt. Es begann ähnlich wie bei Lürig, nur, dass Schenker Blueslegende Johnny Winter mit einer Flying V sah: „Da habe ich zu meinem Bruder gesagt: diese Gitarre muss ich spielen.“ 

Es gibt kaum einen Rockgitarristen mit halbwegs ernsthaften Ambitionen, der nicht auf Gibson-Modelle und die des großen Konkurrenten Fender zurückgreift. Auch Ossy Pfeiffer ist Gibson-Fan. Aber für den hannoverschen Classic-Rocker hat das verlässliche Image der Marke Kratzer bekommen – aus Qualitätsgründen: „Die bauen mittlerweile Gitarren, da sind No-Name-Klampfen für 300 Euro besser.“ Für E-Gitarren von Gibson legt der Käufer heute mittlere vierstellige Euro-Beträge auf den Tisch, je nach Baureihe und Ausführung auch schon mal mehr. Da ist der Käufer auch bei kleinen Fehlern sehr empfindlich. 

Das merkt auch das Musikhaus PPC am Alten Flughafen – und hat schon 2015 Konsequenzen gezogen. „Wir haben Gibson aus dem Programm genommen“, sagt der Chef der Gitarrenabteilung, Sascha Grabert. Die Betreuung der deutschen Händler habe Gibson damals schon zurückgefahren, und auch hier habe sich ein Qualitätsproblem bei den einzelnen Gitarren bemerkbar gemacht. Wenn es nicht zu gewährleisten sei, den Kunden für den Preis ein verlässliches Instrument zu verkaufen, müsse man die Konsequenzen ziehen. „Man tut sich natürlich schwer, so ein renommiertes Produkt aus dem Programm zu nehmen, aber im Nachhinein war es die richtige Entscheidung.“

Pfeiffer hat noch ein anderes Problem ausgemacht – die Verwässerung der Marke Gibson zum Lifestyle-Produkt. „Uhren von Gibson braucht kein Mensch“, sagt er, „die sollen Gitarren bauen.“ Pfeiffer selbst hat eine Gibson mit einem eingebrannten Herstellerlogo einst seiner Frau Anca Graterol geschenkt – die das gute, seltene Stück nach wie vor auf die Bühne trägt. Lürig hat seine alte Gitarre irgendwann verkauft, um sich einen Verstärker leisten zu können. Dafür hat er später, als er mit Kunze eine imposante Deutschrockkarriere hinlegte, sich einen anderen Schatz geleistet: Eine Les Paul Junior, Baujahr 1956. „Die werde ich niemals verkaufen.“ 

Von Uwe Janssen

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