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Hannover Hunderte protestieren für NSU-Aufklärung
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19:42 11.07.2018
Grund für die „Kein Schlussstrich“-Demonstration in der Innenstadt von Hannover war das Urteil im seit fünf Jahren andauernden NSU-Prozess in München. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

In der Innenstadt von Hannover haben rund 400 Demonstranten für die weitere Aufklärung des Komplexes rund um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) gefordert. Anlass ist das Urteil im fünfjährigen NSU-Prozess in München am Vormittag. Unter anderem Beate Zschäpe wurde wegen zehnfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt, ihr Mitangeklagter Holger G. aus Lauenau (Schaumburg) zu drei Jahren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. „Damit versucht der Staat, einen Schlussstrich unter die NSU-Ermittlungen zu ziehen“, so die Antifa bei der Demo in Hannover.

„Niemand glaubt die Legende des rassistischen Einzelfalls“, heißt es seitens des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbandes (SDS). Holger G. habe sich als „gutgläubiger Mitläufer“ inszeniert, obwohl er regelmäßigen Kontakt zu den drei Haupttätern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gepflegt habe. „Während des Prozesses hat niemand seine Rolle hinterfragt“, so die Demo-Redner. Allein 500 Adressen möglicher Anschlagsziele in Niedersachsen seien beim NSU gefunden worden. „Die Behörden sind mutmaßlich an der Verschleierung beteiligt.“ Doch auch die Antifa selbst habe geschlafen und die Strukturen nicht rechtzeitig erkannt.

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Während ihres Zugs vom Hauptbahnhof über das Steintor und am Landtag vorbei zurück zum Ernst-August-Platz forderten die Demonstranten zudem ein Ende des „institutionellen Rassismus“. Etwa Racial Profiling, bei dem die Polizei Menschen unter anderem aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliere, müsse ein Ende haben. Auch nach fünf Jahren NSU-Prozess werde die linke Szene nicht aufhören, gegen den Faschismus zu kämpfen. „Das jetzige Urteil wird nicht das Ende der Auseinandersetzung sein.“

Von Peer Hellerling

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