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Hannover Detonation wirft Erdgas-Fahrer nicht aus der Bahn
Nachrichten Hannover Detonation wirft Erdgas-Fahrer nicht aus der Bahn
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00:15 30.01.2019
Der CNG-Club trifft sich zum Meinungsaustausch in der Lister "Speisekammer" - und lässt beim Thema Erdgasautos nichts anbrennen. Quelle: Michael Zgoll
Hannover

CNG, LPG, Wasserstoffgas – was ist was?

Gasauto ist nicht gleich Gasauto –und nicht jedes Gasauto kann jede Gasart nutzen. In der Praxis ist der Unterschied wichtig.

LPG: Das klassische Autogas ein Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG), ältere Autofahrer kennen es vor allem aus Frankreich, wo es jahrzehntelang sehr populär war. Es handelt es sich um ein Propan- und Butan-Gemisch, das im Tank flüssig ist. Es ist an fast jeder Autobahnraststätte erhältlich, aktuell gibt es in Deutschland 6387 LPG-Tankstellen.

CNG: Das Erdgas ist ein komprimiertes Gas (Compressed Natural Gas, CNG), es besteht überwiegend aus gasförmigem Methan. Erdgas wird vor allem in besiedelten Gebieten zum Heizen von Häusern verwendet wird, deshalb ist die Infrastruktur mit Leitungen im Boden meist gut ausgebaut. Autobahntankstellen aber liegen meist fernab bewohnter Gebiete, deshalb ist das CNG-Erdgas dort oft nicht verfügbar. Insgesamt gibt es in Deutschland 857 CNG-Tankstellen. Auch in einigen europäischen Nachbarländern ist das Angebot an CNG-Tankstellen mäßig. Wer sich für solch ein Auto entscheidet, sollte das berücksichtigen.

Der Preisunterschied: LPG-Autogas ist pro Liter deutlich billiger, hat aber weniger Energieausbeute als das komprimierte CNG-Erdgas, das zudem in Kilogramm angeboten wird. Berechnungen haben ergeben, dass man mit 10 Euro mit CNG 196 Kilometer fahren kann, mit LPG 195, mit Diesel 178 Kilometer, mit Super 107 Kilometer. Testwagen war ein Opel Zafira.

Wasserstoff: Auch wer mit Wasserstoff fährt, tankt letztlich Gas. Das H2 wird aber nicht direkt im Antrieb verbrannt, sondern in einem Generator, der Strom für einen E-Antrieb erzeugt –meist eine Brennstoffzelle. Bisher gibt es etwa 60 öffentlich nutzbare Wasserstoff-Tankstellen, das Netz soll in diesem Jahr auf 100 ausgebaut werden. In Hannover gibt es zwei Tankstellen: eine bei Linde in Brink-Hafen und die Shell-Tankstelle an der Messe in Laatzen. Beide sind noch im Probebetrieb.

„Natürlich waren wir zuerst geplättet, als wir von der Detonation gehört haben“, erzählt Harald Kirch. Er ist ein Fan von Autos, die mit Erdgas fahren, und dass Heiligabend 2018 an einer Tankstelle im badischen Achern der Kunststoff-Karbon-Behälter eines Audi A3 g-tron barst und der Fahrer schwer verletzt wurde, löste bei ihm wenig weihnachtliche Gefühle aus. Doch an diesem Wochenende, in der Runde des CNG-Clubs Hannover, haben sich die Gemüter der 20 Teilnehmer schon wieder beruhigt. Auch wenn noch kein offizielles Statement von Gutachter und Staatsanwaltschaft vorliegt, hat es den Anschein, dass ein drei Monate zurückliegender Unfall mit Heckschaden – Reparaturkosten 3000 Euro – den Gasdruckbehälter oder anliegende Komponenten beschädigt haben könnte. CNG: Das steht für Compressed Natural Gas, und dazu zählen Erdgas, Biomethan (erzeugt aus landwirtschaftlichen Reststoffen) und synthetisches Methan (gewonnen aus regenerativ erzeugtem Strom). Umweltschutz wird großgeschrieben bei den Clubmitgliedern, und darum stehen Biomethan-Tankstellen bei ihnen besonders hoch im Kurs.

In Hannover gibt es fünf CNG-Tankstellen - hier die Zapfsäulen am Messeschnellweg. Quelle: Michael Zgoll

2017 habe sich der gemeinnützige CNG-Club in München gegründet, erzählt Diplomingenieur Jens Voshage. Im September 2018 wurde die erste Regionalgruppe aus der Taufe gehoben, in Hannover, und neuerdings ist auch Stuttgart am Start. Die rund 20 Mitglieder aus dem Raum Hannover zahlen einen Jahresbeitrag von 29 Euro und treffen sich einmal pro Monat zu einem Meinungsaustausch. Das Ziel: Werbung für den in ihren Augen konkurrenzlos umweltfreundlichen und kostengünstigen Energieträger zu machen und möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich als nächstes ein von Erdgas oder Methan befeuertes Fahrzeug zu kaufen. Die meisten aus der Runde, die sich dieses Wochenende in der Lister Vereinsgaststätte „Speisekammer“ treffen, wohnen in Hannover und im näheren Umland, doch auch ein CNG-Sympathisant aus Kiel nimmt am gemeinsamen Frühstück teil.

Unterschiedlich dichtes Netz

Von schlechten Erfahrungen mit Erdgas kann hier keiner berichten. Vereinssprecher Voshage hat mit seinem Caddy in 13 Jahren 130.000 Kilometer zurückgelegt, „ohne ein einziges Mal die Benzinreserve zu benötigen“. Matthias Müller hat mit seinem VW up (68 PS) seit 2015 sogar schon 236.000 Kilometer abgespult. „Ich war in den Niederlanden, Belgien, Österreich, Tschechien und der Schweiz unterwegs, auch da ist es überhaupt kein Problem, eine Erdgastankstelle zu finden“, berichtet er. Allerdings gibt es Länder wie Frankreich, Dänemark oder Norwegen, wo das Netz noch arg löchrig ist. Zum Leidwesen des CNG-Clubs ist die Zahl der Erdgastankstellen in Deutschland derzeit wieder unter 900 gefallen, auch, weil sich etliche kommunale Stadtwerke den Betrieb der relativ teuren Erdgastankstellen nicht mehr leisten wollten und die Umsatzzahlen nicht in erhofftem Maße stiegen. So werden auch die fünf hannoverschen CNG-Zapfstellen seit November 2018 vom holländischen Unternehmen Orangegas betrieben, neben Gazprom und E.on einer der wichtigsten privaten Tankstellenbetreiber in Deutschland.

„Die Routenplanung mit unseren Autos ist etwas anspruchsvoller als bei Benzinern oder Dieselautos, aber es gibt tolle Apps, wo man alle Erdgastankstellen angezeigt bekommt“, sagt Andreas Niepel. Auch in der Region Hannover oder Nachbarstädten wie Hildesheim oder Celle, erzählen die Clubmitglieder, finde man genügend CNG-Zapfsäulen. Allerdings gebe es immer noch Ecken in Deutschland, wo der Weg zur nächsten Erdgastankstelle schon mal 50 Kilometer lang sein könne, etwa rund um Uelzen.

Der große Stutzen führt zum Benzin-Reservetank, auf den kleinen wird die Erdgas-Pistole aufgesetzt. Quelle: Michael Zgoll

Ein möglichst umweltfreundliches Auto fahren – das hat für die CNG-Fans höchste Priorität. Gerne verweisen sie auf Statistiken, nach denen Erdgas-Fahrzeuge deutlich weniger CO2 ausstoßen als Diesel und Benziner und auch keine Rußpartikel sowie kaum Stickoxide in die Luft blasen. Hinzu kommt, dass dieser Treibstoff günstiger ist als andere fossile Energieträger; je mehr man unterwegs ist, desto schneller hat man die erhöhten Anschaffungskosten für ein Erdgasauto wieder eingespielt. Und dass die Bundesregierung die steuerlichen Vergünstigungen bis 2026 fortgeschrieben hat, hilft natürlich auch.

Trotzdem üben die Clubmitglieder Kritik an Politik und Autoindustrie: In ihren Augen wird die Erdgastechnologie nur halbherzig gefördert. „Warum entwickelt man so ein tolles Produkt und verkauft es dann nicht vernünftig?“, fragt Jens Voshage. Nur Fiat, Opel sowie VW, Audi, Seat und Skoda verkaufen derzeit Erdgasautos ab Werk, und so fahren denn auch die hannoverschen CNG-Club-Mitglieder weit überwiegend Fahrzeuge aus dem VW-Konzern.

Gasleitungen sind schon da

Den gewaltigen Schwenk in Richtung Elektromobilität können die meisten in der Frühstücksrunde nicht nachvollziehen. Ob er zum Stromtanken ein Verlängerungskabel aus dem vierten Stock seiner Wohnung herunterlassen soll, fragt ein Südstädter. Und ein anderer merkt an, dass ein Anzapfen von Straßenlaternen für das Laden von Kfz-Akkus technisch gar nicht möglich sei. Doris Schellig stört, dass zum Abbau von Kobalt für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien viele Kinder unter katastrophalen Bedingungen arbeiten müssen, und Claus Kern rechnet vor, dass Kosten und Schadstoffausstoß von E-Autos – wenn man die Batterieproduktion und die Stromerzeugung mittels Kohle- oder Atomenergie einbezieht – viel höher sind als bei Erdgasfahrzeugen. „Und während die Gasleitungen schon vorhanden sind“, ergänzt er, „muss man für Millionen von E-Autos noch eine gigantische Infrastruktur schaffen.“

CNG, LPG, Wasserstoffgas – was ist was?

Gasauto ist nicht gleich Gasauto –und nicht jedes Gasauto kann jede Gasart nutzen. In der Praxis ist der Unterschied wichtig.

LPG: Das klassische Autogas ein Flüssiggas (Liquefied Petroleum Gas, LPG), ältere Autofahrer kennen es vor allem aus Frankreich, wo es jahrzehntelang sehr populär war. Es handelt es sich um ein Propan- und Butan-Gemisch, das im Tank flüssig ist. Es ist an fast jeder Autobahnraststätte erhältlich, aktuell gibt es in Deutschland 6387 LPG-Tankstellen.

CNG: Das Erdgas ist ein komprimiertes Gas (Compressed Natural Gas, CNG), es besteht überwiegend aus gasförmigem Methan. Erdgas wird vor allem in besiedelten Gebieten zum Heizen von Häusern verwendet wird, deshalb ist die Infrastruktur mit Leitungen im Boden meist gut ausgebaut. Autobahntankstellen aber liegen meist fernab bewohnter Gebiete, deshalb ist das CNG-Erdgas dort oft nicht verfügbar. Insgesamt gibt es in Deutschland 857 CNG-Tankstellen. Auch in einigen europäischen Nachbarländern ist das Angebot an CNG-Tankstellen mäßig. Wer sich für solch ein Auto entscheidet, sollte das berücksichtigen.

Der Preisunterschied: LPG-Autogas ist pro Liter deutlich billiger, hat aber weniger Energieausbeute als das komprimierte CNG-Erdgas, das zudem in Kilogramm angeboten wird. Berechnungen haben ergeben, dass man mit 10 Euro mit CNG 196 Kilometer fahren kann, mit LPG 195, mit Diesel 178 Kilometer, mit Super 107 Kilometer. Testwagen war ein Opel Zafira.

Wasserstoff: Auch wer mit Wasserstoff fährt, tankt letztlich Gas. Das H2 wird aber nicht direkt im Antrieb verbrannt, sondern in einem Generator, der Strom für einen E-Antrieb erzeugt –meist eine Brennstoffzelle. Bisher gibt es etwa 60 öffentlich nutzbare Wasserstoff-Tankstellen, das Netz soll in diesem Jahr auf 100 ausgebaut werden. In Hannover gibt es zwei Tankstellen: eine bei Linde in Brink-Hafen und die Shell-Tankstelle an der Messe in Laatzen. Beide sind noch im Probebetrieb.

Erdgasautos in der Nische

Auf den ersten Blick liest sich die Zahl atemberaubend. 2018 hat die Zahl erdgasbetriebener Pkw, die in Deutschland neu zugelassen wurden, um 190,2 Prozent zugenommen, das ist die höchste Steigerungsrate aller Antriebsarten. Doch bei Licht betrachtet wird deutlich, dass mit Compressed Natural Gas (CNG) betriebene Fahrzeuge immer noch ein Nischenprodukt sind, denn 10.804 Wagen machen insgesamt nur einen Anteil von 0,3 Prozent aller Neuzulassungen aus. Flüssiggasbetriebene Pkw (4663) liegen sogar nur bei einem Anteil von 0,1 Prozent, haben zudem keine nennenswerten Steigerungsraten aufzuweisen.

Mit weitem Abstand führend bei den Neuzulassungen sind inzwischen benzinbetriebene Pkw, ihr Anteil liegt bei stolzen 62,4 Prozent (gegenüber dem Vorjahresniveau von 57,7 Prozent). Der Anteil von Dieselfahrzeugen sank von 38,8 Prozent (2017) auf 32,3 Prozent (2018). Die Zahl neu zugelassener Fahrzeuge mit Hybridtechnik stieg hingegen auf 130.258, diese erzielten damit einen Marktanteil von 3,8 Prozent. Dass bei Elektroautos noch ganz viel Luft nach oben ist, beweist die Neuzulassungszahl von 36.062 – ihr Marktanteil beträgt somit nur rund 1 Prozent.

Von Michael Zgoll

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