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Hannover Jeder Ton muss stimmen: Neue Orgel in der Calenberger Neustadt ist fast fertig
Nachrichten Hannover Jeder Ton muss stimmen: Neue Orgel in der Calenberger Neustadt ist fast fertig
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20:21 09.09.2019
Musikhochschulprofessor Emmanuel Le Divellec ist von der neuen Barockorgel begeistert. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Martina Trauschke ist begeistert. Die Pastorin der Neustädter Hof- und Stadtkirche steht inmitten von Werkzeugen, Holzspänen und Arbeitstischen auf der Empore der Kirche. Zum ersten Mal hört sie die neue Barockorgel der Neustädter Hof- und Stadtkirche in der Kirche selbst. „Das ist ein großartiger Klang“, sagt Trauschke.

Klang der Barockorgel begeistert

Bisher hatte sie die Töne eher aus der Ferne gehört. Ihre Wohnung ist gegenüber der Kirche. „Die Orgelbauer sind dabei, die Orgelpfeifen zu intonieren, und da konnte ich immer wieder etwas hören“, erzählt sie. Jetzt steht sie auf der Empore und ist verblüfft, wie komplett anders die neue Orgel klingt, im Vergleich zur Vorgängerin. Trauschke beschreibt den Klang als „weich und voll zugleich“.

Heikle Phase beim Orgelbau

Die neue Orgel ist der Nachbau einer Barockorgel, wie sie im 18. Jahrhundert in Mitteldeutschland gebaut wurden. Die Orgel wird für Gottesdienste und Konzerte genutzt werden, aber sie gehört der Hochschule für Musik und Theater Hannover. Hier sollen junge Kirchenmusiker lernen und üben. Und sie können hier ein Gefühl bekommen, wie die Orgeln zu Zeiten von Johann Sebastian Bach geklungen haben, sagt Professor Emmanuel Le Divellec.

Le Divellec lehrt Orgel an der Hochschule und sitzt jetzt in der Neustädter Hof- und Stadtkirche am Spieltisch der Orgel. „Wir sind in einer heiklen Phase beim Bau der Orgel“, sagt er. Denn jetzt müsse jede der rund 2700 Orgelpfeifen an den Raum angepasst werden. Da käme es auch darauf an, dass die einzelnen Pfeifen weder zu laut noch zu leise sein dürfen, erläutert der Orgelprofessor.

Orgel mit großer Klangvielfalt

„Von dieser Phase hängt ab, wie die Orgel im Raum klingen wird“, sagt Le Divellec. Beispielsweise dürften die Bässe nicht zu laut im Vergleich mit den hohen Tönen sein. Und der Orgelexperte ist angetan von der Arbeit der Orgelbaufirma aus Belgien. „Sie singt sehr schön, eine homogene Orgel“, sagt er. Und er lobt die „große Klangvielfalt“. Von solch einer Orgel, wie sie gerade in Hannover entstehe, habe Bach immer nur träumen können, meint Le Divellec.

„Geschenk und Verpflichtung zugleich“

Für Pastorin Trauschke bedeutet die neue Orgel „ein wunderbares Geschenk aber auch Verpflichtung“. Dadurch bekomme die Kirche jetzt auch einen musikalischen Schwerpunkt. „Wir denken bereits darüber nach, künftig für die Mitarbeiter aus den umliegenden Ministerien und Ämtern eine kleine musikalische Mittagspause anzubieten“, erzählt sie. Wie sich eine entsprechende Abstimmung bei einer möglichen Nutzung der Kirche durch den Knabenchor darstellen könnte, die jetzt im Gespräch ist, wird sich zeigen müssen.

Marktkirchengemeinde feiert am Wochenende die Orgel

Mit einem dreitägigen Orgelfest feiert die Marktkirchengemeinde seit Donnerstag das zehnjährige Bestehen ihrer Hauptorgel. Dazu sind noch bis Sonntag mehrere Konzerte, Vorträge, ein Orgelbauprojekt für Kinder, ein Orgelspaziergang und vieles mehr geplant. „Das Besondere an der Goll-Orgel ist die Klangvielfalt und die Möglichkeit, verschiedene Stilrichtungen wie Renaissance-, Barock-, romantische und moderne Musik abbilden zu können und zeitgleich Raum für Improvisation zu haben“, erklärt Marktkirchenorganist Ulfert Smidt.

Simon Hebeisen, Geschäftsführer von Orgelbau Goll referiert am Sonnabend, 7. September, um 11 Uhr zu Orgelbau und Architektur – gerade in der Marktkirche ein zentrales Thema. Die Schweizer Firma Goll hatte das Gehäuse der Goll-Orgel aus dem Jahr 1954 restauriert und in etwa 20.000 Arbeitsstunden in ein komplett neues Orgelwerk hineingebaut. Ab 12 Uhr gibt es eine Orgelführung mit Smidt und nachmittags ab 15 Uhr eine Exkursion zu zwei spannenden neuen Orgeln – der Englischen Orgel in der Nazarethkirche und der schon fast vollendeten Barock-Orgel in der Neustädter Hof- und Stadtkirche.

Im Bödekersaal haben Kinder ab sechs Jahren am Sonnabend um 16 Uhr die Gelegenheit, in einem Workshop ihre eigene Orgelpfeife zu bauen. So soll die Begeisterung für die Musik und Tradition auch bei den Jüngsten geweckt werden (Teilnahmegebühr: 5 Euro, Anmeldung: knoll@musikland-niedersachsen.de). Anschließend gibt es um 17.45 Uhr eine öffentliche Klangvorführung in der Marktkirche. Um 18 Uhr erklingt dann ein Orgelkonzert mit Daniel Roth und Werken von Mendelssohn, Saint-Saëns, Widor und Roth.

Am Sonntag, 8. September, wird um 10 Uhr ein musikalischer Festgottesdienst mit besonderer Ausgestaltung, der Messe Solenelle für Chor und zwei Orgeln von Louis Vierne gefeiert. Den Abschluss bildet die Orgelmatinee um 12 Uhr mit Ulfert Smidt.

Im Frühjahr war begonnen worden, die Orgel in der Kirche zu montieren. Das Kulturministerium trägt mit 1,2 Millionen Euro den Hauptteil der Kosten. Die Kirchengemeinde gibt 150.000 Euro, die Landeskirche, die nur ein paar Meter entfernt ihren Sitz hat, steuert 76.000 Euro bei.

Festwoche zur Orgeleinweihung

Die Orgel wird Ende Oktober mit einer festlichen Woche zur Orgeleinweihung in Betrieb genommen. Beim ersten Konzert am Sonnabend, 26. Oktober, spielt Prof. Le Divellec. Landessuperintendentin Petra Bahr weiht die Orgel dann am Sonntag, 27. Oktober, in einem Gottesdienst ein. Beginn ist um 11 Uhr. Anschließend gibt es eine Orgelführung mit Orgelbauer Dominique Thomas. An den darauffolgenden Tagen gibt es mehrere Orgelkonzerte und Orgelführungen.

Von Mathias Klein

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