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Hannover Weltstadt-Flair in Hannover: Das sind die neuen Postkarten
Nachrichten Hannover Weltstadt-Flair in Hannover: Das sind die neuen Postkarten
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00:15 15.04.2019
Gezielte Irreführung mit Aha-Effekt: Der Fotograf Uwe Stelter mit seinen ungewöhnlichen Hannover-Postkarten. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Ab Montag gibt es sieben neue Postkartenmotive im Eine-Stadt-Projekt des hannoverschen Fotografen Uwe Stelter, ab Sommer auch ein neues Sammelplakat. Ein Gespräch über Irritationen, die Vielfalt Hannovers und Fotografie.

Pfui, Herr Stelter. Alle Welt redet über die umstrittenen Fake-News von Donald Trump, und sie bringen schon wieder Postkarten auf den Markt, auf denen Text und Inhalt frei erfunden sind. Schämen Sie sich wenigstens?

Nein. Das sind keine Fake-News, ich bin ja kein Journalist. Es sind Darstellungen aus dem Bereich der Fotografie, gestaltet als besonderes Kunstwerk. Sie geben dem Betrachter die Chance, dass er seine eigene Umgebung anders wahrnimmt. Die Frage, ob man so etwas darf, die begleitet mich seit Anbeginn des Eine-Stadt-Projekts. Für mich ist es Anreiz, weiterzumachen, weil es auch eine Frage der visuellen Bildung ist. Der Betrachter erkennt irgendwann, dass der Stadtname gar nicht zum abgebildeten Ort passt, aber seine Fantasie lässt im Kopf einen ganz anderen Ort entstehen.

Die Leute lieben Ihre lokalpatriotischen Postkarten. Lässt man sich vielleicht einfach gerne hinters Licht führen?

Wir alle wollen glauben, was wir gedruckt sehen. Das geistige Auge sucht nach Übereinstimmung. Umso größer ist dann die Überraschung, wenn man erkennt, dass eigentlich gar nicht zusammenpasst, was da zusammengestellt wurde. Und es hat zugleich auch etwas Dokumentarisches, denn einiges von den fotografierten Gebäuden ist schon abgerissen wie das Ärztehaus oder der Messeeingang Süd, oder es ist umgebaut wie die Drei Warmen Brüder – und man denkt dann: Huch, das Lindener Heizkraftwerk hatte ja mal drei gleichschlanke Schornsteine.

Der Telemaxx als Shanghai, das Landesmuseum als Madrid, das Maritim Grandhotel als Sofia – wie kommen Sie bloß auf diese schrägen Ideen? Waren Sie an all diesen Orten?

Nein, natürlich war ich nicht in all diesen über die Welt verteilten Städten. Aber wie jeder andere habe auch ich typische Bilder zu bestimmten Stadtnamen im Kopf. Zuerst ist bei mir immer das Foto von einem hannoverschen Gebäude da, schließlich bin ich Fotograf. Dann überlege ich: Zu welchem Klischee einer internationalen Stadt könnte das passen? Und so schält sich die Idee für die Kombination des Motivs mit einem Stadtnamen heraus. Insgeheim habe ich immer gehofft, dass die Stadt Hannover mir mal eine Reise spendiert, zum Beispiel nach Hiroshima oder San José, um dort umgekehrt Fotos zu machen von Häusern, die in Hannover stehen könnten (lacht). Dazu ist es aber noch nicht gekommen.

Die Postkarten zeigen ja, wie vielfältig Hannover ist. Mögen Sie die Stadt?

Unbedingt. Ich bin sicher: Hannover ist die Stadt mit den meisten Metropolen weltweit. Andere Städte wie Frankfurt, Essen, Leipzig weisen weitaus nicht diese Bandbreite an Architektur auf. Aber wir fremdeln mit unserer Stadt. Ich glaube, in Vielen steckt noch dieser Phantomschmerz der Kriegszerstörung und dem modernen Wiederaufbau. Deshalb tun wir uns schwer mit ungewöhnlichen Architekturen, von denen Hannover so viele hat. Denken Sie zum Beispiel an die Toblerone-Häuser in Linden an der Fortunastraße. Die sind doch toll.Oder den Gehry-Tower am Steintor, der ist völlig unterbewertet.

Die Serie Eine Stadt ist jetzt dem Thema Kulturhauptstadt gewidmet. Warum?

Die neuen Motive Liverpool und Rotterdam sind ehemalige Kulturhauptstädte, sie zeigen den Media-Markt in Wülfel und die geschwungene Glasarchitektur der LBS am Kronsberg. Plovdiv, dargestellt durch die Neues-Haus-Arkaden am Emmichplatz, ist aktuell Kulturhauptstadt. Und Ljubljana wird 2025 die zweite Kulturhauptstadt sein, hoffentlich zusammen mit Hannover. In meinem Motiv repräsentiert Ljubljana der Sämann-Brunnen am Leibnizufer. Aber auch ältere Karten von mir hatten schon direkten Bezug zu ehemaligen Kulturhauptstädten, etwa Athen, Firenze, Berlin, Paris, Dublin oder Kopenhagen. Mit meinem Projekt Eine Stadt unterstütze ich das Abenteuer Kulturhauptstadt, seit Hannover im Europäischen Haus zu Berlin im Oktober seinen Hut in den Ring geworfen hat.

Das ist Uwe Stelter

Uwe Stelter (59) betreibt seit 1980 Architektur- und Porträtfotografie und realisiert Kunstprojekte. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Workshops Click & Walk seit 2007. 2008 erhielt er den Kulturpreis Pro Visio der Stiftung Kulturregion Hannover. Sein Studio für Kunst und Fotografie befindet sich in Linden, außerdem arbeitet er in der Ateliergemeinschaft Landwe(h)rk in Döhren.

Von Conrad von Meding

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