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Hannover So haben diese früheren Obdachlosen ihr Leben verändert
Nachrichten Hannover So haben diese früheren Obdachlosen ihr Leben verändert
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00:15 28.12.2017
Konni Waldhäuser und Viktors Kumpins in ihrer Wohnung. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

 Als der Besuch kommt, verkriecht sich Resje in einer blaue Ikea-Tasche unter dem Tisch. Der rotbraune Kater ist vorsichtig. Man kann nie wissen. Er hat es schon erlebt, dass, als Herrchen und Frauchen gerade nicht da waren, fremde Leute kamen und das ganze Zuhause abgeräumt und ihn ins Tierheim gebracht haben. 

Herrchen und Frauchen, das sind Viktor und Konni. Sie ist 52 und kommt aus Voralberg in Österreich, er ist 49 und stammt aus Dünaburg in Lettland. Sie haben beide lange auf der Straße gelebt. Aber jetzt haben sie eine Wohnung gefunden, im Anwesen der Johann Jobst Wagnerschen Stiftung an der Glocksee. 

Viktor erzählt: Er hat Dreher gelernt, ist Soldat gewesen. Irgendwann fand er keine Arbeit mehr und machte sich auf nach Deutschland – 1200 Kilometer, zu Fuß, 24 Tage war er unterwegs. Geschlafen hat er unter freiem Himmel, gewaschen hat er sich in Kanälen. Erst war er in Berlin, wollte dort bei Verwandten unterschlüpfen, aber das war nichts auf Dauer. Schließlich kam er 2013 nach Hannover

„Ich liebe Hannover

Warum Hannover? „Ich liebe Hannover“, sagt er. Und wieso das? Weil er als Kind in einem russischen Magazin Bilder der Stadt gesehen habe, erzählt er. Und alles so schön fand. Deswegen. 

Mit der Arbeit hat es hier aber auch nicht so gut geklappt. Viktor hat beim Waterloo-Biergarten Gitarre gespielt für die Passanten, hat leere Flaschen gesammelt und in der U-Bahn-Unterführung am Waterloo-Platz geschlafen. Schließlich fand er doch einen Job, im „DüK“, dem „Dach-überm-Kopf“-Tagestreff für Wohnungslose der Diakonie. Hinterm Tresen. Kaffee ausschenken et cetera. Und dort lernte er Konni kennen. 

Konni erzählt: Sie hat, bevor sie nach Deutschland kam, anderthalb Jahrzehnte auf Fuerteventura zugebracht, an der Seite eines Mannes, der dort ein Haus besaß und sich um sie gekümmert hat. Dann erlitt der Mann einen Schlaganfall und starb, das Haus ging an den Bruder, Konni bekam nichts außer 200 Euro. Das Geld reichte für ein Flugticket bis Hannover. Nach ein paar Umwegen tauchte auch sie im DüK auf. 

Im Gebüsch beim Busch-Museum

Und dann haben die beiden – das DüK hat nur tagsüber geöffnet – im Zelt gewohnt. Jahrelang. Erst am Waterlooplatz, dann im Gebüsch in der Nähe des Wilhelm-Busch-Museums, schließlich am Nordhafen. War das nicht sehr kalt im Winter? „Oh ja“, sagt Konni, „ein Spaß war das nicht.“ Es sei aber gegangen, wirft Viktor ein, mit zwei dicken Decken und aneinandergekuschelt. Und wenn dann noch Resje zwischen die beiden gekrabbelt sei, sei es okay gewesen. Obwohl sie manchmal morgens das Gefühl hatten, ihnen seien die Füße eingefroren. 

Was sie nicht okay fanden: Einmal wurden sie vertrieben, das war beim Busch-Museum. Man hat ihnen einfach das Zelt abgebaut und alles weggeworfen und Resje ins Tierheim gebracht. Es habe viel Mühe gemacht, wenigstens ein paar persönliche Dinge zu retten und den Kater wieder auszulösen. Um am Nordhafen kam zuletzt ein Mann, der dort anscheinend was zu sagen hatte, mit der Polizei an und erklärte ihnen, sie dürften da nicht zelten. Aber wenn sie ihm jeden Monat 20 Euro geben würden, dürften sie das doch. 

So weit kam es nicht. Im Gebäude der Johann Jobst Wagnerschen Stiftung war endlich eine kleine Wohnung für die beiden frei, vor ein paar Wochen war das. Sie sind eingezogen, mit fast nichts. Rudolf Stenner, ein pensionierter Schulrektor, der immer Obst ins DüK bringt und mit Obdachlosen ins Museum geht, kümmert sich ein bisschen um die beiden, hat eine Spüle und anderes besorgt. 

Sie wirken zuversichtlich

Konni und Viktor gehörten nicht zu den Obdachlosen, die auf der Straße leben wollen. Sie haben immer wieder versucht, an eine feste Bleibe und an Hartz IV zu kommen. „Ich hätte früher auch nie gedacht, dass ich mal auf der Straße leben werde“, sagt Konni. Beide sind dankbar, dass das jetzt überwunden ist. 

Man sieht ihnen die Jahre auf der Straße durchaus an, und der Alkohol, der nötig war, um Kälte und Armut auszuhalten und wenigstens zeitweise zu vergessen, hat auch Spuren hinterlassen. Aber sie wirken aufgeräumt und zuversichtlich. Ihre Augen blitzen. Konni nennt Viktor „Schatz“, er nennt sie „Prinzesska“. Konni stellt den Zucker für den Kaffee in einer eigens befüllten kleinen blauen Plastikschale auf den Tisch. Sie hat keine Zuckerdose, aber einfach nur die Packung auf den Tisch zu stellen, das geht doch nicht. Die Wohnung ist penibel sauber. Konni tritt gerade einen Mini-Job an, er arbeitet weiter im DüK und bekommt etwas Sozialhilfe und will sich auch eine richtige Arbeit suchen. 

Viktor holt die Gitarre von nebenan und spielt eine paar Läufe. „Ich liebe klassische Musik“, sagte er. Konni erzählt, er könne auch Klavier spielen. „Und Geige und Saxofon“, schiebt Viktor nach, halb nebenher – als sei das gar nichts, als könne das jeder – und halb stolz.

Irgendwann kommt sogar Resje wieder aus der blauen Ikea-Tasche hervor. Und lässt sich sogar streicheln.

Von Bert Strebe

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