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Hannover Grüner OB-Kandidat Onay will Verkehrswende für Hannover
Nachrichten Hannover Grüner OB-Kandidat Onay will Verkehrswende für Hannover
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00:19 10.06.2019
Belit Onay soll für die Grünen Oberbürgermeister von Hannover werden. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Der grüne Hoffnungsträger kommt bescheiden und akkurat daher. Eng geschnittene Stoffhose, hellbraune Lederschuhe, blaues Jackett, offenes Lächeln. Belit Onay spricht ruhig, bestimmt und nicht frei von Floskeln. Sein Lieblingssatz lautet: „Diese Diskussion müssen wir führen.“ Der Satz passt zu allen Themen, die Onay anschneidet – Klimaschutz, Verkehrswende, Wohnungsbau, kulturelle Vielfalt und Rathausaffäre. „Ich will Oberbürgermeister von Hannover werden“, sagt der 38-jährige Landtagsabgeordnete und blickt fest in die Kameras der Journalisten.

Warum schicken die Grünen keine Frau ins Rennen?

Die Grünen präsentieren ihren Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am Freitag in ihrer Parteizentrale nahe der Osterstraße. Bereits einen Tag zuvor sickerte durch, dass Onay für die Öko-Partei ins Rennen geht. Die Überraschung hielt sich in Grenzen, schließlich war der ehemalige Ratspolitiker schon seit Wochen im Gespräch. Hat sich die Parteispitze der Grünen keine Mühe gegeben, auch andere Bewerber in Erwägung zu ziehen? Zum Beispiel eine Frau? Oder zumindest jemanden, der bereits große Organisationen geleitet hat? Onay beteuert, dass er einige Jahre als Mitglied des niedersächsischen Regierungsbündnisses „eng mit den Kommunen vor Ort“ zusammengearbeitet habe, etwa um die Flüchtlingskrise zu meistern. Als Verwaltungs- und Führungserfahrung lässt sich das kaum verkaufen.

Leicht gemacht haben sich die Grünen ihre Kandidatensuche nicht. Alle Mitglieder sollten in den vergangenen Wochen ihre Vorschläge einreichen. Rund 50 Bewerber standen am Ende auf der Liste. Darunter seien auch viele fähige Frauen gewesen, betont Ratsfraktionschefin Freya Markowis. Sogar die derzeitige Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, sei genannt worden. „Die ganz hochkarätigen Frauen waren aber nicht bereit anzutreten“, sagt Markowis.

So tragen auch die Grünen dazu bei, dass Hannovers neuer Oberbürgermeister aller Voraussicht nach männlich ist. „Es geht um politische Inhalte, nicht um das Geschlecht“, betont Markowis und bittet Onay, ein paar Takte dazu zu sagen. Der nutzt die Gelegenheit und grenzt sich deutlich von seinem SPD-Kontrahenten Marc Hansmann ab. Das Gendersternchen, das die Stadtverwaltung in ihren Schriften verwendet, sei keinesfalls befremdlich, meint Onay. Hansmann hatte sich im HAZ-Interview von der gendergerechten Schreibweise distanziert.

Onay teilt gegen seine Mitbewerber aus

Wenn es um seine Mitbewerber geht, wird der Grünen-Landtagsabgeordnete kämpferisch. „Alle reden vom Klimaschutz, nur die CDU nicht“, sagt er. Mit dem ehemaligen Volkswagen-Manager Eckhard Scholz, OB-Kandidat der CDU, werde eine umweltschonende Mobilitätswende für Hannover kaum möglich sein. „Ich würde Herrn Scholz gerne zu einem Stadionbesuch in die Nordkurve einladen. Wir sind dort sehr inklusiv in Sachen Braunschweig-Fans“, sagt Onay und spielt darauf an, dass Scholz noch vor Kurzem als möglicher Präsident von Eintracht Braunschweig gehandelt wurde.

Auch Hansmann wird nicht verschont. Er glaube nicht, sagt Onay, dass die Rathausaffäre nur darauf basiere, dass sich „drei Männer ineinander verkeilten“ – der ehemalige OB Stefan Schostok, der suspendierte Kulturdezernent Harald Härke und der ehemalige OB-Büroleiter Frank Herbert. Damit nimmt Onay eine Formulierung von Hansmann auf. Im Rathaus dürfe es nach der Affäre um illegale Gehaltszulagen kein „Weiter so“ geben, sagt Onay, vielmehr müsse ein Kontrollsystem installiert werden. Das sei mit den Stadtmitarbeitern zu diskutieren.

Am Mittwoch stellt sich Belit Onay Quelle: Tim Schaarschmidt

Die Themen der Grünen: Verkehr, Klimaschutz, Wohnen

Diskutieren will Onay auch über eine Verkehrswende („mehr Radverkehr“), Klimaschutz („mehr Fotovoltaik“), Bildung („Kitaplatzsuche erleichtern“) und Wohnungsbau („Zahl der Sozialwohnungen erhöhen“). „Dialog ist kein Selbstzweck“, setzt der Jurist hinzu, es müsse am Ende auch eine Entscheidung fallen. Damit will er sich vom ehemaligen OB Schostok absetzen, der für seine Entscheidungsschwäche bekannt war.

Die Themen, die Onay setzt, unterscheiden sich kaum von denen seiner Konkurrenten, insbesondere des sozialdemokratischen Mitbewerbers. „Wie auch?“, meint SPD-Parteichef Alptekin Kirci, die Grünen hätten schließlich 30 Jahre mitregiert. „Jetzt sollten sie nicht so tun, als hätte es zuvor keinen Umweltschutz in Hannover gegeben“, sagt er. Auch den erhobenen Zeigefinger in Sachen Rathausaffäre hält Kirci für bedenklich. „Härke war sehr eng mit den Grünen verbunden.“ Dennoch: Als SPD-Chef freue er sich auf einen fairen Wahlkampf.

Was stimmt die Parteibasis ab?

Die Chance war nie größer, dass es die Grünen bis zur Spitze des Rathauses schaffen. Stärkste politische Kraft sind sie in Hannover bei den Europawahlen geworden. Der Rückenwind ist spürbar, darin sind sich die Parteistrategen einig. Wie viel Rückhalt die Partei Onay wirklich gibt, wird sich am Mittwoch bei der Mitgliederversammlung im Freizeitheim Linden zeigen. Dann stimmt die Parteibasis über den Kandidatenvorschlag ihrer Führung ab. „Es wird Diskussionen geben“, glaubt Parteichef Ludwig Hecke. Ausgeschlossen ist nicht, dass jemand die Hand hebt und als Gegenkandidat antritt. Oder als Kandidatin.

Lesen Sie mehr:

Kommentar zu Hannovers OB-Kandidaten: Wo bleiben die Frauen?

SPD: Im zweiten Anlauf zum Oberbürgermeister von Hannover: Wer ist Marc Hansmann?

CDU: Scholz will OB werden: Ehemaliger VWN-Chef tritt an

Parteilos: Diese Frau will Oberbürgermeisterin von Hannover werden

Von Andreas Schinkel und Karl Doeleke

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