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Hannover Hannover und seine wetterfesten Klassik-Fans
Nachrichten Hannover Hannover und seine wetterfesten Klassik-Fans
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09:41 12.07.2019
Am heißt es wieder: Still ruht der See. Der Regen ist zum versöhnlichen Abschluss des Opern-Abends am Neuen Rathaus zumindest vorübergehend fortgezogen. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

„Der Bajazzo“ und die „Cavalleria rusticana“ locken Hannovers Klassik-Fans in den Maschpark – wegen des Wetters sind aber weniger gekommen als in den Jahren zuvor. Während der Berich vor der Bühne für 2000 Gäste mit gekauften Tickets praktisch restlos gefüllt ist, trotzen rund um den See nur die hartgesottenen Opern-Fans unter Planen, Capes und Regenschirmen dem Wetter – die Veranstalter schätzen, dass es 6500 sind. So war die Aufführung am Donnerstag.

+++ Applaus vor der Bühne, stille Zustimmung im Park +++

Ein Highlight: Das prachtvoll angestrahlte Neue Rathaus mit der Bühne davor. Quelle: Katrin Kutter

Wie soll man klatschen im Park? Man muss Schirme, Zelte und sonstigen Regenschutz halten. Ein kräftiger Schauer hat nach der Pause in der Mitte von „Cavalleria rusticana“ doch noch für ungemütliche Atmosphäre gesorgt. Doch während vor der Bühne einige Zuschauer das Vertrauen in die ausgeteilten Regencapes aus dünner Plastikfolie nachließ, und sie die Vorstellung vor Ende verließen, blieb man im Park beisammen.

„Es waren ja alle gut ausgerüstet“, sagt eine Besucherin im Maschpark. Zum Klatschen seien zwar nur wenige Hände frei gewesen – „aber die Stimmung war gut, es hat uns sehr gefallen“.

Auf den kostenpflichtigen Plätzen der Bühne war die gute Stimmung auch deutlich zu hören: Die zahlreichen verbliebenden Zuschauern spendeten nach dem letzten dramatischen Akkord noch ausgiebigen Applaus. Schließlich geht es aber doch nach Hause: nass, aber begeistert.

+++ Das Orchester: Souverän und glutvoll +++

Unter dem Dirigat von Keri-Lynn Wilson klingt die Radiophilharmonie ganz besonders italienisch. Quelle: Rainer Dröse

Die Musiker der Radiophilharmonie, die noch mit Schirmen und in Kästen vepackten Instrumenten auf die Bühne getreten sind, spielen so souverän glutvoll, als würden sie immer italienische Opern aufführen.

+++ Bariton Claudio Sgura glänzt zum Auftakt +++

Claudio Sgura beginnt kraftvoll-elegant. Quelle: Rainer Dröse

Vielversprechender Auftakt: Claudio Sgura verspricht schon mit seiner kraftvoll-eleganten Auftritt einen großen, sehr italienischen Opernabend. Das Publikum ist von Beginn an entschlossen, dem Wetter zu trotzen: Es spendet bei jeder Gelegenheit Zwischenapplaus.

+++ Regenradar macht Hoffnung +++

Wir machen jetzt mal gute Laune im schlechten Wetter. Ja, es gibt immer wieder mal Regenschauer beim Opern-Spektakel im Maschpark. Und kühl ist es auch. Aber der Blick auf den Vorschaufilm des aktuellen Regenradars von Wetter Online sagt: Der ganz große Platzregen, womöglich sogar mit Gewitter, der da zwischen Bielefeld und Kassel sein Unwesen treibt, der zieht wahrscheinlich knapp südlich von Hannover über Hildesheim vorbei. Leider ist diese Angabe wie die Lottozahlen: ohne Gewähr.

+++ Die Opern-Stars fahren im Oldtimer-Bulli vor +++

„Der Bajazzo“ ist gestartet –und die Opern-Stars fahren zu Beginn des Spektakels im historischen VW-Bulli vor, bevor sie ihre Arien anstimmen. Das Publikum applaudiert begeistert – auch weil der Regen ihm eine Pause gönnt.

+++ Es geht los – und der Regen macht erst mal Pause +++

Der Bereich vor der Bühne für Gäste mit Tickets füllt sich – viele haben die angebotenen Regencapes gekauft. Quelle: Stefan Arndt

Ist das ein Beleg dafür, dass der Himmel dem hannoverschen Opern-Geschehen hold ist? Der Besucherbereich für die Gäste mit den gekauften Tickets hat sich gefüllt – und eben als es losgehen soll, macht der Regen erst mal eine kleine Kunstpause. Opern-Organisatorin Marlis Fertmann ruft den Besuchern zu: „Vielen Dank an alle, die trotz des Wetters gekommen sind. Sie sind ein Beweis, dass Hannover alles kann – auch Kulturhauptstadt.“ Dann erschallen die Arien – und viele Besucher zücken ihre Handys zum Filmen.

+++ Alle Wetter – Oper und Regen können kommen +++

Keine Angst vor dem Regen: Elke Schneider und Angelika Krahl. Quelle: Alina Stillahn

„Wir gehen auch immer hier an diese Stelle, und ich habe das Gefühl, der Tenor singt mich an“, sagt Elke Schneider. Zusammen mit Angelika Krahl hat sie sich gegen den Regen dick vor der Leinwand eingemummelt. Bereits zum dritten Mal sind sie hier – und selbstverständlich früh da. Die Besucher hier flanieren zu sehen sei schließlich kurzweilig.

+++ Regen fällt, die Kerzen leuchten +++

Open air Oper 2019 Quelle: Katrin Kutter

Diese Besuchergruppe lässt sich nicht so einfach den Opern-Spaß vermiesen. Sie trotzen dem Regen in Capes und unterm Schirm und genießen ihr Picknick. Dabei brennen sogar die Kerzen im fünfarmigen Leuchter auf der improvisierten Festtafel.

+++ Schirme auf! Der Regen ist da +++

Open air Oper 2019 Quelle: Juliane Kaune

Gegen 19.30 fängt es immer intensiver an zu regnen. Nach und nach werden die mitgebrachten Schirme aufgespannt oder die Regencapes übergestreift. Gut unter einen großen Schirm passen Friedrich Galle aus Porta Westfalica und Helena K. aus Großburgwedel. Dabei haben sie sich gerade erst kennengelernt. Sie war auf dem Weg zum Maschpark, er suchte den Weg. Da sind sie einfach gemeinsam weitergegangen. „Ich habe gesehen, dass er einen Schirm dabei hat, das war der Grund“, sagt Helena K. lachend.

+++ Die Klassik-und-Pop-Fans +++

Alex Gottwald und Frank Stepper sind musikalische Generalisten: Heute die Oper, kürzlich waren sie bei Elton John. Quelle: Juliane Kaune

Sie sehen eher so aus, als würden sie Rockkonzerte bevorzugen. Axel Gottwald und sein Freund Frank Stepper waren in der Tat neulich erst bei Elton John. „Aber Opern mögen wir auch“, sagt Gottwald. Musikalisch sind die beiden Südstädter breit aufgestellt: Percussionist Martin Grubinger gehört ebenfalls zu ihren Favoriten. Und schon bevor die Arien im Freien losgehen, sind die beiden sicher: „Wir kommen Sonnabend wieder.“

+++ Picknick im Elektro-Bollerwagen +++

Heiner Halberstadt, Pilot aus Bothfeld, verpflegt seine Begleiter aus dem Elektro-Bollerwagen. Quelle: Juliane Kaune

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal hat das Picknicklager von Heiner Halberstadt. Der Pilot aus Bothfeld hat einen Bollerwagen der Extraklasse gebaut - samt Elektromotor, Kühlbox und Sonnenschirmständer. „Der ist schon beim Kleinen Fest zum Einsatz gekommen, jetzt ist das Klassik Open Air dran“, sagt er. Gesellschaft leisten ihm Peter und Anja Schunke aus Isrrnhagen-Süd, die kein Freiluftfestival auslassen:. „Man trifft immer wieder Bekannte.“

+++ Mit allem Wichtigen eingedeckt +++

Sylvia Nimami hat Regenschirme bereit und eine warme Decke über den Beinen. Quelle: Alina Stillahn

Sylvia Nimami ist aus Empelde mit dem Fahrrad zum Open-Air gekommen. Zusammen mit ihrem Mann besucht sie den Maschpark. „Das hat uns immer wieder angezogen“, sagt sie. Für den Fall des Regenfalls ist vorgesorgt –die großen Schirme liegen bereit. Aber erst mal gibt es Kartoffelsalat und Wein.

+++ Herzlichen Glückwunsch +++

Friederike (l.) und Mutter Barbara Ziebig feiern im Maschpark Geburtstag. Quelle: Katrin Kutter

Wohl bekomm’s! Friederike Ziebig stößt im Maschpark mit Mutter Barbara auf dessen Geburtstag an. Der gemeinsame Besuch beim Opern-Highlight ist das Geschenk der Tochter. Die Taschen sind gepackt, das Bier schmeckt durchaus auch zur feinen Klassik – und der Schirm ist groß. Kann also nichts schiefgehen.

Regenradar Quelle: Wetter Online de

+++ Regenschirme mitnehmen! +++

Wahrscheinlich müssen wir Ihnen das gar nicht mehr als Tipp mit auf den Weg geben: Sie haben sicher an Regenschirme und einigermaßen wasserfeste Kleidung gedacht. Gut so. denn tatsächlich sieht das Regenradar von Wetter Online nicht besonders freundlich aus. Aus den Schauerwolken, die zurzeit (19.30) gerade über Hannover angezeigt werden, tröpfelt es höchstens hier und da. Aber das dunkelblaue Wolkenband mit roten Einsprängseln weiter im Westen zwischen Münsterland und Bielefeld ist leider auf dem Weg zu uns. Lassen Sie sich den Opern-Spaß bitte davon nicht verderben.

+++ Sind Sie Opern-Experte? +++

Können Sie „Bajazzo“? Und wie steht es mit der „Cavalleria rusticana“ – kennen Sie sich da aus? Testen Sie doch Ihr Wissen in unserem Quiz. Oder testen Sie Ihre Nachbarn im Maschpark. Es ist ja noch etwas Zeit, bis auf der Bühne die ersten Arien erklingen. Hier finden Sie unser Quiz. Sie dürfen natürlich auch ein bisschen weiter herunterscrollen. Dort fasst HAZ-Opern-Experte Stefan Arndt beide Werke für Sie zusammen. Aber nicht erst lesen, und dann beim Quiz glänzen –ist doch Ehrensache.

+++ Die besten Plätze für die frühen Gäste +++

Herausgeputzt: Die Stammgäste: Frida und Herbert Müller. Quelle: Katrin Kutter

Helmut und Frida Müller zelebrieren das Opern-Festival. Bereits zum fünften Mal sind sie dabei - und sitzen auch in diesem Jahr wieder an einem festlich gedeckten Tisch, inklusive Obst-Etagere und Kerzenleuchter. „Wir lieben einfach diese Atmosphäre“, schwärmen die beiden Hemminger, die schon seit Jahrzehnten Opernfans sind. Und für alle Fälle haben sie einen Regenschirm in XXL-Größe mitgebracht.

Picknick und Regenschirm: Familie Faak im Maschpark. Quelle: Katrin Kutter

Gut mit Regenutensilien ausgestattet ist auch Familie Faak aus Lehrte. Gleich drei Generationen wollen den Klassikklängen lauschen. „Wir sind zum ersten Mal hier, sonst hat es leider immer nicht geklappt“, sagt Meike Faak, die mit ihrer Mutter Christiane und ihrer Tochter Christina gekommen ist. Auch Cousin Thorsten Matzner (nicht im Bild) hat sich davon überzeugen lassen, mal in eine Oper hineinzuhören.

Darum geht es bei den Opern im Maschpark

Trügerisches Idyll: Alfio (links) beißt Turiddu in einer Illustration zu „Cavalleria rusticana“ von 1891 ins Ohr, um ihn zum Duell zu fordern. Dort wird er ihn töten. Quelle: Archiv

„Der Bajazzo“ und „Cavalleria rusticana“ gehören zu den bekanntesten Opern. Doch wovon handeln die Stücke eigentlich, die Donnerstag und Sonnabend beim Open Air im Maschpark in Hannover aufgeführt werden? Wir erzählen die Geschichten – und stellen fest: Es geht nicht um hohe Kunst, sondern um Sex & Crime.

Anfangszeiten, Wetter, Anfahrt: Das müssen Sie zu den Opern im Maschpark wissen

Gute Aussichten: Das Rathaus beim NDR Klassik Open Air im vergangenen Jahr vom Maschpark aus gesehen. Quelle: Michael Uphoff/NDR

Gibt es noch Karten? Wo sind die besten Plätze? Wie wird das Wetter? Lesen Sie hier Antworten auf die wichtigsten Fragen.

So kommt die Maschpark-Oper ins Fernsehen

Der Aufwand ist gewaltig: Beim NDR Klassik Open Air entsteht auch in diesem Jahr wieder hinter dem Rathaus ein temporäres Opernhaus. Insgesamt arbeiten rund 100 Mitarbeiter hinter den Kulissen daran, dass auf der Bühne und bei der Fernsehübertragung alles funktioniert.Regisseur Michael Valentin erklärt, wie die Oper ins Fernsehen und in den Maschpark kommt.

Diese Opernstars singen im Maschpark

Sänger und Dirigentin vor der Open-Air-Bühne: Liudmyla Monastyrska (von links), Dirigentin Keri- Lynn Wilson, Marco Berti, Aleksandra Kurzak, Tichina Vaughn und Claudio Sgura. Quelle: Samantha Franson

Der italienische Tenor Marco Berti führt beim NDR Klassik Open Air im Maschpark in Hannover ein Sängerensemble aus internationalen Opernstars an – und spielt dabei eine besonders schwierige Doppelrolle. Erfahren Sie hier mehr über die Stars auf der Bühne.

Dirigentin Keri-Lynn Wilson: „Ich möchte, dass 20.000 Leute weinen“

„Die Energie des Publikums gibt den Aufführungen einen magischen Aspekt“: Keri-Lynn Wilson. Quelle: Susanne Diesner

Die kanadische Dirigentin Keri-Lynn Wilson leitet die Opernaufführungen beim NDR Klassik Open Air im Maschpark. Im Interview erklärt sie, was Freilichtaufführungen mit Baseball zu tun haben – und warum sie beim Wetter nur eines fürchtet.

Von red

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