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Hannover Marstall wird zur neuen Problemzone in der City
Nachrichten Hannover Marstall wird zur neuen Problemzone in der City
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06:00 03.06.2019
Trotz Neugestaltung des Marstalls klagen Anwohner über Lärm und die Drogenszene. Stadt und Polizei sehen das Areal weiter als Einsatzschwerpunkt an. Quelle: Moritz Frankenberg
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Hannover

Drogendealer gehen ihren Geschäften nach, Lärm bringt Anwohner um den Schlaf, der Ordnungsdienst registriert Tausende Parkverstöße – der Marstall am Rande des Rotlichtviertels wird zur Problemzone. Dabei ist der Platz mit seinem schmucken Pflaster und dem farbigen Wasserspiel erst kürzlich für mehr als 4 Millionen Euro umgebaut worden. Allein der Brunnen hat rund 400.000 Euro verschlungen. „Wir wollten dem Viertel einen positiven Anstrich geben. Das ist leider nicht gelungen“, sagt Bezirksbürgermeisterin Cornelia Kupsch.

Zwei Neubauten sind auf dem länglichen Areal entstanden, im Gebäude nahe der Schmiedestraße residiert ein gehobenes Burger-Restaurant mit Außenterrasse. Die stadtplanerische Idee war, durch einen neuen, verschönerten Platz dem Rotlichtviertel Einhalt zu gebieten und die Anwohner im Quartier rund um die Kreuzkirche vor dem ausufernden Nachtleben zu schützen. „Der Ort ist nicht zu dem geworden, was sich Stadtplaner und Politik gewünscht hatten“, sagt Kupsch.

Treffpunkt für Drogendealer

Inzwischen ist der Platz offenbar zu einem Treffpunkt für Drogendealer geworden. Wer dort länger auf einer Bank verweile, könne beobachten, wie Päckchen und Geldscheine die Besitzer wechselten, sagt Bezirksbürgermeisterin Kupsch. Die Klientel scheine sich auf dem Marstall sehr sicher zu fühlen. „Das darf nicht so bleiben“, findet Kupsch.

Die Zahlen der Polizei bestätigen den Eindruck: Die Drogendelikte rund ums Steintor stiegen im Vorjahr um 75 auf 454 Taten. Allein auf den Marstall entfielen dabei 102 Delikte – das Doppelte von 2017. „Der Steintorbereich mit den anliegenden Straßen ist seit vielen Jahren ein Kriminalitätsschwerpunkt“, sagt Polizeisprecher Philipp Hasse. Die Umgestaltung scheint daran nichts geändert zu haben. Am häufigsten registrierten die Ermittler Rohheitsdelikte, vor allem Körperverletzungen. 2018 waren es 782 Taten (plus 130), 81 davon am Marstall (plus 33). Auf diese Steigerungen reagiere die Polizei insbesondere in Wochenendnächten gezielt „mit erhöhter Präsenz beziehungsweise besonderen Schwerpunkteinsätzen“, sagt Hasse. Unter anderem finden regelmäßig Drogenrazzien in Clubs und Wettbüros statt.

Gaststätte droht Schließung wegen Lärms

Zudem reißen die Klagen von Anwohnern über nächtlichen Lärm aus Etablissements auf der anderen, dem Rotlichtviertel zugewandten Seite des Platzes nicht ab. Inzwischen scheint sich auch die für Lärmschutz zuständige Regionsbehörde für die Vorfälle zu interessieren. Sie habe „ordnungspolitische Maßnahmen auf Grundlage des Immissionsschutzrechts gegenüber einer Gaststätte ergriffen“, heißt es in der Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der CDU im Bezirksrat Mitte. Das heißt konkret: Der Gaststätte droht die Schließung. Offenbar handelt es sich dabei um ein Lokal an der Ecke Am Marstall/Burgstraße. Dort musste auch die Polizei bereits mehrfach Überprüfungen durchführen, weil es Beschwerden über Lärm gab.

Der Marstall bildet inzwischen einen Einsatzschwerpunkt für den städtischen Ordnungsdienst. Jeden Tag patrouillieren die Ordnungshüter über den Platz, an Wochenenden ist die Einsatzzeit bis Mitternacht ausgedehnt worden. Die Streifen achten nicht nur auf laute Musik, die aus Gaststätten schallt. Rund 4500 Parkverstöße innerhalb von neun Monaten haben die Ordnungshüter rund um den Platz registriert. „Die Stadt wird auch weiterhin eine besondere Präsenz des Ordnungsdienstes in diesem Bereich gewährleisten“, verspricht die Verwaltung. Auch die Polizei werde sich dem Marstall weiter annehmen. Hasse: „Die Inspektion Mitte befindet sich in einem ständigen Austausch mit dem Fachbereich Öffentliche Ordnung.“ So unterstützen die Beamten den Ordnungsdienst unter anderem seit September an den Wochenenden zwischen 22 und 24 Uhr bei seinen Patrouillen.

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