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Hannover So läuft der Orgelneubau in der Calenberger Neustadt
Nachrichten Hannover So läuft der Orgelneubau in der Calenberger Neustadt
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00:20 13.04.2019
Werkstatt Kirche: Auf der Empore wird die Barockorgel zusammengebaut. Quelle: Uwe Janssen
Hannover

Vorne ist fast alles wie immer. Altar, Blumengestecke, biblische Steinfiguren, ein Jesusbild an der Wand. Davor akkurate Stuhlreihen. Die Neustädter Hof- und Stadtkirche kurz vor Ostern. Einzig die monströsen Metallpfeifen, die an der Brüstung der Empore lehnen, stören ein wenig das aufgeräumte Bild. Und das hat seinen Grund. Denn weiter hinten ist alles anders. Ein großer fahrbarer Baukran steht da im hinteren Teil des Kirchenschiffs. Reingefahren durch den Haupteingang, es soll sehr knapp gewesen sein.

Die neuen Pfeifen stehen schon bereit: Orgelbau Neustädter Hof- und Stadtkirche.     Quelle: Uwe Janssen

Diesmal also maßgeschneidert. Die weiß vorlackierte Holzeinfassung des Prospekts, also der Vorderseite des monströsen Instruments, steht schon und gibt die barocktypische symmetrische Form vor, der Spieltisch mit seinen drei Manualen hat auch seine endgültige Parkposition erreicht. Die 2700 Pfeifen sind noch nicht montiert. Sie liegen und stehen verteilt in der Kirche, an Wänden, auf Bänken, es ist ein großes Puzzle – mit wie vielen Teilen? „Ach, tausende“, sagt Mathieu Wagener, „auf jeden Fall viel zu viele“. Das breite Lachen des jungen Mannes im Kapuzensweatshirt zeigt: Er weiß, wie man das Puzzle zusammensetzt. Der Orgelbauer kommt von der renommierten Manufaktur Dominique Thomas im belgischen Stavelot unweit der deutschen Grenze. Ein Jahr hat die Fertigung der Teile gedauert, dann wurde die Orgel aufgebaut, geprüft, demontiert und schließlich nach Hannover gebracht.

Nur ein elektronisches Bauteil

Präzisionsarbeit: Orgelbau Neustädter Hof- und Stadtkirche.     Quelle: Uwe Janssen

Das Innere des Baus ist wie ein Holzhaus mit drei Stockwerken. Ein symmetrisches, barocktypisch. Wageners Mitarbeiter gelangen über Leitern auf die höheren Etagen, um den Einbau der Pfeifen vorzubereiten. Es riecht nach frischem Holz, die Tischler verbauen Kiefern-, Fichten- und Eichenteile. Das Holz wird gehobelt, damit es so glatt wie möglich ist und Staub keine Chance hat, sich in kleine Schmirgelfurchen zu setzen. "Auf den Millimeter" sei hier alles gearbeitet, versichert der gelernte Tischler Wagener. Früher war er im Hausbau, dann suchte er eine neue Herausforderung, präziser –und auch künstlerischer. „Wenn es schnell gehen soll, ist man hier falsch."

Keine Fingerabdrücke hinterlassen

Denn auch Optik spielt eine wichtige Rolle, vor allem bei den Metallpfeifen, einem Zink-Blei-Gemisch. Alle sind in Plastik gewickelt. „Durch Fingerabdrücke bilden sich später Flecken, das wollen wir vermeiden“, sagt Wagener, „wir nehmen die Plastikhülle erst ganz am Schluss mit Handschuhen ab.“ Bei der Tastatur wird traditionell Ebenholz verwendet, die Farbigkeit ist hier umgekehrt wie beim Klavier, die Spielfläche der „schwarzen“ Tasten, die hier hell sind, wird statt wie früher aus Elfenbein nun aus Rinderknochen gefertigt.

Festwoche zur Einweihung

Vom 26. Oktober an wird die neue Barockorgel mit einer ganzen Festwoche eingeweiht. Bis dahin ist viel Arbeit. „Allzu viel vorher werden wir nicht fertig sein“, sagt Pastorin Martina Trauschke. Das Intonieren sei aufwendig, zudem müsse um die Orgel herum ein Podest für Chor und weitere Musiker gebaut werden. Wer neugierig sei und mal schauen wolle, könne es in den kommenden Monaten außer montags in der Mittagszeit zwischen 12 und 14 Uhr versuchen, am Wochenende auch etwas länger, dann sei die Kirche offen –es sei denn, es werde für die Intonation gerade absolute Ruhe gebraucht.

Einen Tag später ist der Baukran weg, die meisten Bauteile sind auf der Empore, am Sonnabend gibt es unten ein Konzert. Wenn im Mai die Orgel steht, ist die Arbeit der Tischler fürs Erste zuende. Dann kommt der Chef, Dominique Thomas, und intoniert die Pfeifen, was viele weitere Wochen dauern wird. Wie oft er dann zur Wartung nach Hannover zurückkehren werde, weiß Wagener noch nicht. Holz arbeite eben, „oder wie wir sagen: Die Orgel sucht sich ihren Platz.“

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Von Uwe Janssen

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