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Hannover Kaufhaus König auf der Lister Meile schließt Mitte Juli
Nachrichten Hannover Kaufhaus König auf der Lister Meile schließt Mitte Juli
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00:16 01.07.2019
Wolfgang Grieger vermietet im Kaufhaus König regalweise Verkaufsfläche – doch am 13. Juli ist Schluss. Quelle: Tim Schaarschmidt
Oststadt

Das Konzept war kreativ, aber offensichtlich ohne dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg: Nach rund viereinhalb Jahren schließt mit dem Kaufhaus König Hannovers erster Regalflohmarkt zum 13. Juli. In einer alten Halle im Hinterhof der Lister Meile 35a hatte Wolfgang Grieger 2015 sein Einkaufsparadies für Stöberer und Schatzsucher eingerichtet. Die Kunden konnten wochenweise Regale mieten und gut erhaltenen Hausrat oder Kleidung dort zum Verkauf anbieten.

Umsätze waren rückläufig

„Das hat ziemlich lange auch ziemlich gut funktioniert“, sagt Grieger, der zuvor den Musikladen 25 Music geführt hatte. Die Umsätze seien allerdings nicht besonders hoch gewesen. „Schließlich geht hier alles zu kleinen Preisen über den Tisch.“ Zudem müssten seine zuverlässigen Angestellten auch anständig bezahlt werden. Leicht macht es sich der Kaufhausbetreiber nicht, sein Geschäft zu schließen. „Wenn mir die Halle nicht gehören würde, hätte ich vermutlich schon vor zwei Jahren aufgehört.“ Die Umsätze hätten einen Fortbestand einfach nicht mehr hergegeben, sagt Grieger. „Ich habe mir das stärker vorgestellt.“ Er trauert jedoch nicht nur dem eigentlichen Flohmarktbetrieb hinterher – im Hinterhaus wurde auch regelmäßig der sogenannte Kiez-Talk abgehalten, außerdem spielten dort Bands und Musiker. „Für diese Programmpunkte bin ich schon auf der Suche nach einer neuen Bleibe im Stadtteil“, sagt Grieger.

Der Flohmarktcharme im Hinterhof ist bald Vergangenheit. Quelle: Tim Schaarschmidt

Mietinteressent steht bereit

Erleichtert hat ihm seine Entscheidung, dass es einen Mietinteressenten für die 600 Quadratmeter große Halle gibt. „Was hier genau passieren soll, ist aber noch nicht spruchreif.“ Es sei allerdings eher ein Projekt als ein klassisches Einzelhandelsgeschäft. Grieger sagt, dass er im vergangenen Jahr auch zu viel in seinem Kaufhaus gearbeitet habe. Hinzu seien neben wirtschaftlichen auch noch interne Probleme gekommen. Viele Kunden seien wie er zwar sehr traurig über die Schließung, „aber das Publikum ist zum Teil mit der Zeit auch schwieriger geworden“, meint er. Grieger berichtet von halbvollen Kaffeebechern, die in den Regalen umgefallen sind und von Besuchern aus der Trinkerszene am Weißekreuzplatz. „Das ist im Einzelnen alles nicht weiter schlimm, aber es summiert sich halt.“

Dass es nun gewissermaßen ein Ende mit Schrecken wird – also alles ziemlich schnell geht –, begründet Grieger vor allem mit dem bevorstehenden Sommerloch. „In den Ferien waren die Regale in der Regel nur halb voll, ich möchte nicht zumachen, wenn im Herbst Kunden und Käufer wieder in Scharen vor der Tür stehen.“

Ausverkauf läuft bis zum 13. Juli

Also ist Schluss am 13. Juli. Bis dahin müssen die Regale ausgeräumt werdem, außerdem steht der Ausverkauf von Interieur, Tresen, Kleiderstangen und Schaufensterpuppen bevor. Grieger selbst wird mit dem Schlussstrich im Hinterhaus allerdings noch lange nicht zum Frührentner. „Ich werde nicht auf meinem Hintern sitzen bleiben, betont er. Es gebe bereits Ideen, konkret sei jedoch noch nichts. Nur eines ist Fakt: Was der Kaufhaus-König-Chef künftig auch anfasst, es wird sich wieder im selben Stadtteil abspielen.

Kommentar: Nicht nur gucken – auch kaufen

Es hat zwar nur gute vier Jahre im Hinterhaus residiert, aber das Kaufhaus König gehört trotzdem zum Lister- Meilen-Kiez. Jetzt werden die Tore geschlossen, das Geschäft lohnt sich nicht. Sehr schade für Chef, Mitarbeiter und vor allem Kunden, die hier gern ge- oder verkauft haben. Familienunternehmen haben es nicht leicht auf der Meile mit ihren stattlichen Mietpreisen. Pralinen sind gekommen, haben geschmeckt und sind wieder verschwunden, ein Wäschegeschäft in dritter Generation musste sich im vergangenen Jahr verabschieden, ein Spielwarenladen zieht sich zurück, und zum Herbst werden nun auch bei Kühne keine Kräuter mehr verkauft. Nach 50 Jahren. Dafür Handyshops, Friseure, Nagelstudios, Drogeriemärkte, Dekohallen, Gastro und Reiseanbieter. Für inhabergeführte Läden scheint es keinen Platz mehr zu geben. Die Cafés beleben zwar die Meile, der Rest aber wird immer beliebiger. Kleine Einzelhändler können sich die Mieten schlichtweg nicht mehr leisten. Große Läden werden leicht weiter an ebenso große Ketten vermietet. Die Räume der früheren Deutsche-Bank-Filiale indes stehen seit Langem leer – zu klein für die Großen, zu teuer für die Kleinen, bedauerlich für alle Beteiligten. Vielleicht sollten alle, die die Lister Meile und die persönlichen Geschäfte lieben, auch dort einkaufen, statt nur zu gucken. Und das ganz regelmäßig. Das würde helfen, eine attraktive Mischung zu erhalten.

Von Susanna Bauch

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