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Hannover Der linke Baumeister
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00:15 18.03.2019
Peter Hansen (rechts) beim Stadtspaziergang im Roderbruch-Viertel mit HAZ-Redakteur Gunnar Menkens. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

Im Cafė Carreé ist alles vorbereitet für den Gast. Auf einem Tisch stehen Kaffeekanne, weiße Tassen und ein Keksteller, das Cafė hat extra geöffnet an diesem Morgen. Jeden Moment wird Peter Hansen erwartet. Ein akademisches Viertel später ist er da. Groß, kräftig, grauer Bart, Hände wie Bauarbeiter. Er setzt sich, guckt links und rechts im Raum, berührt sacht den Arm seines Gesprächspartners und Hansen, gebürtiger Hamburger, sagt mit norddeutschen Dialektresten charmant: „Das hier ist ein von mir sehr geliebter Ort.“ Freundlich klingt das, einnehmend, und die Warterei ist schon vergessen.

An diesem Sonnabend wird Peter Hansen 80 Jahre alt. Drei Jahrzehnte lang war er Geschäftsführer des Wohnungsunternehmens Gundlach, das zu Hannover gehört wie die SPD. Das passte örtlich wie politisch. „Ich war ein linker Sozialdemokrat“, sagt Hansen beim Kaffee. Ende der 1960er-Jahre bewegte ihn die Aufbruchstimmung in der Partei, bald trat er selbst ein. Es blieb Peter Hansen nie verborgen, dass diese Haltung der Branche und gewissen gesellschaftlichen Kreisen suspekt war, „viele fanden das ja komisch“.

Auszeichnung von der UNO

Sein Schwiegervater Fritz Otto zum Beispiel, in dessen konservative Familie der junge Mann einheiratete. Er wurde trotzdem sein Nachfolger. Von 1972 an hatte Gundlach 30 Jahre lang einen politisch linken Geschäftsführer an der Spitze. Natürlich wollte Hansen mit sozialem Wohnungsbau auch Geld verdienen, aber er war keiner, der die Leute vergaß, hatten sie erst den Mietvertrag unterschrieben. Weil er sich auch für Kultur interessierte, nannte ihn die „Süddeutsche Zeitung“ einmal einen „roten Bohemien“.

In seiner Zeit entstanden ungewöhnliche Bauprojekte. Für die Europasiedlung in Langenhagen erfand Peter Hansen eine wirkungsvolle Kostenbremse: Architekten verdienten mehr, wenn sie billiger bauten als geplant. Dafür bekam Gundlach den „Corporate Best Practices Award“ der UNO verliehen, Hansen fuhr zur Ehrung nach New York. Baukosten müssen runter, das stimmt immer noch, meint Hansen, fragt man ihn nach Lösungen für aktuelle Wohnungsnot und Mietexplosionen.

In Misburg sorgte die Regenbogensiedlung mit Gründächern, Blockheizkraftwerk und ungewöhnlichen Wohnungsschnitten für Aufsehen. Hansen zog selbst für ein paar Jahre ein, um zu sehen, wie es sich in Sozialwohnungen lebt. Zur Expo baute Gundlach am Kronsberg das Habitat-Projekt für ein Zusammenleben von Deutschen und Migranten. Zehn Prozent der Wohnungen darin entsprechen muslimischen Lebensweisen, Wohnküchen und Wohnzimmer sind wegen der Geschlechtertrennung gleich groß, und Toiletten zeigen nicht Richtung Mekka.

Schröder bot Ministerjob an

Peter Hansen also fiel auf, über die Grenzen der Stadt Hannover hinaus. „Ich war ja auch mal so ein Verbandsfuzzi“, sagt Hansen, weil er in etlichen kommunalen wie überregionalen Verbänden, Bünden und Kommissionen mitwirkte. Gerhard Schröder wollte diesen Mann, der mit Hinz und Kunz bekannt war und eine Haltung zu den Dingen besaß, sogar zum Wirtschaftsminister in Niedersachsen machen. Hansen lehnte ab. Warum? Er muss nicht grübeln. „Weil ich das nicht konnte. Als Politiker ist man sehr gefangen, viele reden mit. Und so ein Bauunternehmen, bei dem ich der Boss bin, da kann ich tun, was ich will.“

Diese Freiheit nutzte der soziale Unternehmer Peter Hansen für die Stadt. Er unterstützte Amnesty International mit einem Raum. Prostituierten, „die so ein schwieriges und ungeschütztes Leben führen“ stellte er eine Wohnung zum Rückzug zur Verfügung. Gundlach unterstützte das erste autonome Frauenhaus und stellte Wohnungen für Bürgerkriegsflüchtlinge bereit. Künstler förderte Hansen mit Ateliers und dem Stipendium „Villa Minimo“. Die Feier zum 750. Stadtjubiläum plante er gemeinsam im Freundeskreis Hannover mit dem damaligen Messe-Chef Klaus Goehrmann, einem gestandenen Konservativen und insgesamt eher ein Gegenentwurf zu dem nahbaren Bauunternehmer. Phantastisch fand Peter Hansen diese Zeit, gerade die gegensätzlichen Charaktere der Akteure, „das war ja das Spannende“.

„Der begeistertste Hannoveraner“

Zurück ins Cafė Carreé im Roderbruch. Gundlach baute es für die Bewohner des Viertels, das damals auf die grüne Wiese gestellt wurde. Garagen wurden zum Kulturtreff umgebaut. Hansen hält höchstens acht Stockwerke für verträglich beim Bau. Wenig ist schon das nicht. Umso wichtiger sind ihm Orte, an dem sich Bewohner treffen und reden können. Ob man noch mal eben rüber wollte zu den Arkaden, fragt Hansen? Also ja. Angekommen zeigt er auf Spielplatz, Grünanlage und Begegnungsorte. Wie leicht es sein kann, Probleme zu lösen, sagt Hansen, wenn man nur mal nachdenkt. Er bleibt vor einer Toilette stehen. Gundlach hat sie gebaut, weil Fahrstühle der Häuser öfters vollgepinkelt waren. Die Kinder hatten kein Klo, man musste das nur erkennen.

Jetzt begegnet ihm das Alter stets aufs Neue. „Nee, das ist nicht wirklich lustig.“ Das Gehen fällt schwerer, die Ohren brauchen Hilfe und nicht jedes Wort fällt ihm im Gespräch gleich ein, eigentlich will er nicht darüber reden. Aber Peter Hansen macht den Eindruck eines Mannes, der weiß, dass er viel vorzuweisen hat im Leben, der seine Stärken kennt, und auch seine Schwächen. Er weiß, dass das Leben es gut mit ihm meinte. Was am Ende des Tages bleibt, ist das Glück über seinen Sohn Lorenz, der das Unternehmen weiter führt und, auch das ist Peter Hansen wichtig, die Verbundenheit von Gundlach mit der Stadt. Er dachte nie daran, nach Hamburg an die Elbe zurückzukehren, obwohl er das Segeln liebte, aber der verbreitete Hochmut dort stieß ihn auch ab. Er sei ja nun, sagt Hansen, „der begeistertste Hannoveraner überhaupt“.

Von Gunnar Menkens

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