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Hannover „Als Torwart war er einzigartig“
Nachrichten Hannover „Als Torwart war er einzigartig“
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00:23 14.11.2014
Von Heiko Rehberg
Mit Jupp Heynckes, Marco Villa und Biograph Ronald Reng (von oben im Uhrzeigersinn) erinnern drei einstige Weggefährten über ihre gemeinsame Zeit mit Robert Enke. Quelle: Montage
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Hannover

Darf man bei einer Diskussionsrunde, bei der es um Robert Enke geht, auch lustige Anekdoten erzählen? Natürlich darf man das, man sollte es sogar, nicht nur weil Lachen immer helfen kann, auch beim Erinnern an den früheren Kapitän von Hannover 96, der sich vor fünf Jahren das Leben genommen hat.

Robert Enke. Unser Freund und Torwart.“ Unter diesem Motto stand die Veranstaltung im Landesmuseum, bei der der ehemalige Bayern-Trainer Jupp Heynckes, der frühere Fußballprofi Marco Villa und der Buchautor Ronald Reng über Enke sprachen. Nachdenklich, berührend – und zwischendurch immer mal wieder mit Geschichten, die die 200 Besucher, unter ihnen 96-Klubchef Martin Kind, die Trainer Mirko Slomka und Andreas Bergmann sowie Enkes ehemaliger Mitspieler Steven Cherundolo, zum Lachen brachten. Reng hatte dabei die Richtung für den Abend vorgegeben, als er gleich zu Beginn erzählte, wie er Enke in Erinnerung habe. „Ich habe Robert lächelnd in Erinnerung“, sagte er.

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Reng, Heynckes und Villa schafften in den knapp zwei Stunden eine kleine Meisterleistung. Sie erzählten nicht nur mit bewegenden Worten von Enkes viel zu kurzem Leben, sie gaben auch einen interessanten Einblick in den Profifußball früher und heute und vermittelten mit viel Gefühl ein Bild von der Krankheit Depression. Dabei verklärten sie nichts, auch nicht Enke, der für Heynckes „ein Mensch war, der sich nicht in die Seele hat schauen lassen“.

Heynckes hatte als Trainer den jungen Torwart Enke nach dem Abstieg von Borussia Mönchengladbach zu Benfica Lissabon geholt, „eine wunderbare Zeit“, wie der 69-Jährige fand. „Robert war in Lissabon glücklich als Spieler und auch privat“, sagte Heynckes und geriet über dessen Torwartspiel ins Schwärmen: „Er hat in sich geruht als Torhüter, auch wenn sich das grotesk anhört, wenn man heute von seiner Krankheit weiß.“

Der tragische Tod von Enke hat Heynckes verändert, das war zu spüren, als er davon erzählte, wie er als Trainer erst habe lernen müssen, hinter den Spielern auch die Menschen zu sehen. „Im zwischenmenschlichen Bereich eine Vertrauensbasis aufzubauen, das ist Traineraufgabe“, sagte Heynckes und spannte den Bogen noch weiter: „Wir müssen versuchen, unser Leben zu entschleunigen, weil überall viel Druck aufgebaut wird.“ Druck, der bei Enke nach seinen Misserfolgen in Barcelona und Istanbul Selbstzweifel ausgelöst und seine Erkrankung verstärkt hatte.

Besonders still wurde es, als die Sprache auf die Zeit von Enke bei Hannover 96 kam. „Hannover war ein Glücksgriff für Robert“, sagte Villa, Reng bezeichnete Hannover als Enkes „Hafen“.

Auch Teresa Enke, die in der ersten Reihe die Veranstaltung verfolgt hatte, musste lachen, als Reng von Enkes spezieller Torwarthaltung mit „dem nach innen abknickenden Knie“ erzählte. Das Schlusswort gehörte dann Heynckes: „Als Torwart war er einzigartig.“

 

Andreas Schinkel 14.11.2014
Mathias Klein 14.11.2014
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