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Hannover Nächtliche Drogenrazzia am Steintor
Nachrichten Hannover Nächtliche Drogenrazzia am Steintor
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00:15 06.10.2018
Einsatzleiter Christian Birkholz durchsucht einen Drogenabhängigen auf dem Steintorplatz. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Die Polizei ist in der Nacht vor dem Einheitsfeiertag mit einer gezielten Razzia gegen die Drogenszene am Steintor vorgegangen. 15 Beamte in Uniform und Zivil haben Jagd auf Dealer gemacht, dabei durchsuchten die Ermittler auch ein vollbesetztes Wettbüro. Seit Jahren kontrolliert die Polizei im Steintorviertel an Wochenendnächten und vor Feiertagen den Problemkiez. „Kriminalität kennt keine Feiertage“, sagt Dirk Hallmann, Leiter der Polizeistation am Raschplatz.

Nach Angaben der Ermittler wird auf den Straßen vor allem mit Kokain und Marihuana gedealt. „Das Steintor ist ein neuralgischer Punkt“, sagt Gwendolin von der Osten, Leiterin der Polizeiinspektion Mitte. Mit den sogenannten Schwerpunkteinsätzen wollen die Beamten „durch Präsenz zeigen, dass wir da sind“. Gerade die Innenstadt ziehe viele Menschen am Rande der Gesellschaft an.

Drogen werden heruntergeschluckt

Direkt auf dem Steintorplatz, rund um Massimos Eisdiele, melden zwei Späher in zivil „30 harte Drogenabhängige und dazwischen einige Dealer“. Von zwei Seiten rasen Polizei-Bullis auf den Steintorplatz, die respekteinflößenden Beamten der Verfügungseinheit jagen hinter den Flüchtenden her. An der Goseriede fassen sie einen albanischen Dealer, er hat 500 Euro Bargeld in der Tasche – vermutlich Dealgeld. Drogen: Fehlanzeige. „Die Kügelchen hat er leider schon heruntergeschluckt“, sagt Einsatzleiter Christian Birkholz. Er vermutet Kokain. Brech- oder Abführmittel werden aus Gesundheitsgründen nicht verabreicht – die Päckchen könnten dabei platzen. Der Verdächtige wird vorläufig festgenommen.

Konsumenten dagegen, wie ein Mann mit Crackpfeife in der Jackentasche, bekommen einen Platzverweis. „Wir nehmen nicht alle mit“, sagt Hallmann. Die Ermittler wollen vorrangig an die Drogenhändler, aber nichtsdestotrotz werde jedes Delikt zur Anzeige gebracht. In zwei Rhododendonbüschen des Eiscafés entdecken die Polizisten benutzte Spritzen, während sie nach sogenannten Bunkern suchen. So heißen die Dogenverstecke, in denen Dealer ihre Vorräte lagern.

Jede Bevölkerungsgruppe habe ihre bevorzugte Drogenart, so die Polizei. Albaner dealen mit Kokain, die Afrikaner verkaufen Marihuana – gleichzeitig die beliebtesten Betäubungsmittel auf Hannovers Straßen. Dahinter folgen Crack und ein wenig Crystal Meth. „Heroin wurde in den vergangenen Jahren immer mehr zurückgedrängt“, sagt Hallmann. Für Kokain gebe es laut Birkholz in Hannover inzwischen bundesweit „die besten Preise“. Eine Kugel mit 0,3 Gramm kostet 20 Euro, für 0,5 Gramm werden 40 Euro fällig.

Marihuana in der Unterhose

Weiteres Ziel in der Nacht zu Mittwoch ist ein Wettbüro an der Steintorstraße. Die wenigsten der rund 70 Menschen – überwiegend Afrikaner – sind wegen des Champions-League-Spiels der Bayern gekommen. Es dauert nur wenige Minuten, schon haben die Polizisten die ersten Drogen gefunden. Kleine Portionen Marihuana werden beschlagnahmt, die Verdächtigen hatten sie in ihren Unterhosen versteckt. „Außerdem haben wir Drogen hinter der Heizung, in Zigarettenschachteln und im Mülleimer entdeckt“, sagt Birkholz.

Wettbüros seien laut Hallmann ein beliebter Treffpunkt. Dort warten Dealer auf Anrufe und machen sich dann auf den Weg zum vereinbarten Übergabeort. „Wir haben schon Handys sichergestellt, über die liefen pro Tag bis zu 600 Telefonate“, sagt Hallmann. Während die Polizei im Wettbüro die Personalien der Festgehaltenen aufnimmt, werden die beiden Zivilbeamten auf der anderen Straßenseite von einem ahnungslosen Dealer angesprochen. „Wie geht’s“ ist ein beliebter Spruch. In den Taschen des 23-jährigen Sudanesen finden die Ermittler zwei Päckchen Marihuana.

„Wir kennen die Straftaten, die passieren“, sagt Inspektionsleiterin von der Osten, „aber natürlich können wir nicht alle verhindern.“ Diese Nacht nehmen sich die Polizisten noch Kneipen im Steintorviertel vor, darunter eine Shishabar. Unterwegs treffen sie einen Dealer wieder, den sie bereits aus dem Wettbüro kennen – er wird festgenommen. Bis 7 Uhr sind die Beamten am Steintor im Einsatz. Sie kontrollieren 112 Personen, gegen 14 von ihnen wird wegen Drogenbesitzes ermittelt, drei kommen in Gewahrsam. Die Polizisten finden Marihuana, Crack, Subutex, Ecstasy-Pillen und Amphetamine und ein verbotenes Einhandmesser, Kokain ist dieses Mal nicht dabei. Am Wochenende startet alles von Neuem.

Von Peer Hellerling

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