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Hannover Im Bahnhof erschallen Posaunen
Nachrichten Hannover Im Bahnhof erschallen Posaunen
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18:35 21.12.2017
Von 23 Uhr an wird es eng in der Bahnhofshalle. Für Reisende lassen Zuhörer und Musiker Gassen. Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

 Reinhard Fiola weiß schon, welches für ihn der Höhepunkt beim Weihnachtskonzert des Posaunenchors der Stadtmission am Heiligabend im Hauptbahnhof sein wird. „Das Stück ‚Highland-Cathedral’ beginnt ganz behutsam und steigert sich, bis am Ende die gesamte Halle erfüllt ist. Das entfaltet eine unglaubliche Macht“, sagt der Leiter der Stadtmission. Er kann das beurteilen, denn er bläst selbst mit.

„Musik und Worte zur Heiligen Nacht“, wie die Veranstaltung offiziell heißt, gehört zu den feinen Geschichten rund um Weihnachten in Hannover. „Es hat mit etwas begonnen, das man heute Flashmob nennen würde“, sagt Fiola. Im Jahr 1950 zogen Bläser der Vahrenwalder Kirchengemeinde nach dem Gottesdienst spontan zum Hauptbahnhof und spielten dort Weihnachtslieder für diejenigen, die kein Zuhause haben, und die Reisenden, die an diesem besonderen Abend in Hannover ankamen. „Sie haben die Halle verzaubert“, sagt Fiola.

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Seitdem wird an jedem Heiligen Abend im Hauptbahnhof Posaune geblasen. Anfang der sechziger Jahre haben die Stadtmission und ihr Posaunenchor unter Leitung von Heinz Baumgardt die Veranstaltung übernommen. Sie galt lange als Geheimtipp, ist aber mittlerweile nicht mehr wirklich einer. Zwischen 1500 und 2000 Menschen aus allen Schichten treffen sich mittlerweile in der Halle. „Es kommen Zuhörer in teuren Mänteln, aber auch der Obdachlose, der jedes Jahr an der gleichen Stelle neben der Treppe steht“, sagt Pastor und Organisator Stephan Lackner.

Bis zu 60 Posaunen bilden den Klangkörper. „Befreundete Chöre unterstützen uns, aber auch Solisten“, sagt Fiola. Am Anfang erklingt „Machet die Tore weit“, dann „Tochter Zion“. Alle Weihnachtklassiker sind im Programm, aber auch Modernes wie das Lied vom Rentier Rudolf. Am Ende kommt „O du fröhliche“.

Es gibt auch das gesprochene Wort, die Weihnachtsgeschichte natürlich und eine Predigt. Geht es nach Fiola, fällt der Verkündigungsteil kurz aus, weil viele ohnehin vorher im Gottesdienst waren und der Zauber im Hauptbahnhof in der Musik liegt. „Alle lassen sich mitreißen und singen mit. Wer Hannover singen hören will, muss dorthin kommen“, sagt Fiola.

Für Lackner ist der Bahnhof der ideale Ort für diesen späten Ausklang des hohen kirchlichen Tages. „Maria und Josef waren auf der Reise, als Jesus geboren wurde. Das geschah in einem Stall, also einem alltäglichen Ort. Der Bahnhof ist auch alltäglich; und es ist ein Ort der Reisenden“, sagt Lackner.

So schließt sich denn der Kreis – an diesem Heiligabend wieder von 23 Uhr an für eine gute Stunde. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Bahnhofsmission wird gebeten

Von Bernd Haase

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