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Hannover Post vom Weihnachtsmann aus Pattensen
Nachrichten Hannover Post vom Weihnachtsmann aus Pattensen
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00:18 21.12.2017
Sie haben Post: Ulf Hanebuth (rechts) und seine Kollegen beantworten im Weihnachtspostamt im Briefzentrum Pattensen Briefe von Kindern aus Deutschland und der ganzen Welt.  Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Pattensen

  Die Helfer des Himmels haben gut zu tun in diesen Tagen. Still und hochkonzentriert werkeln sie vor sich hin. Nicht in den Wolken oder wo auch immer der Weihnachtsmann so wohnen mag, sondern in einem schmucklosen Zweckbau im Pattenser Gewerbegebiet mit Linoleumfußboden und Neonlicht. Ein Halbdutzend Mitarbeiter sitzt hier im Briefzentrum an langen Tischen. 

Mit Christbaum und Weihnachtsdeko haben sie sich hier ganz gemütlich eingerichtet. Post türmt sich stapelweise auf ihren Tischen. Wie am Fließband öffnen sie Umschläge. Viele sind von Kinderhand beschriftet. „Ich wünsche mir, dass meine Freundin und ich immer befreundet bleiben“, schreibt die sechsjährige Annalena. „Ein schöner Wunsch“, sagt Jens Osterwald.

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Der Postbetriebsdirektor ist gewissermaßen der Oberwichtel in dem Weihnachtspostamt, das in diesem Jahr erstmals in Pattensen seinen Betrieb aufgenommen hat. Seit Jahrzehnten schreiben Kinder ihre Wünsche im Advent an das Postamt im Hildesheimer Stadtteil Himmelsthür, das älteste von sieben Weihnachtspostämtern in Deutschland. Dort kümmerte sich viele Jahre lang der frühere Postbeamte Karlheinz Dünker um die Zuschriften. Im vergangenen Jahr ist er gestorben. „Aber wir haben entschieden, dass die Aktion weitergehen muss“, sagt Osterwald. Am neuen Standort, aber unter alter Anschrift.

Schon mehr als 18 000 Briefe

„Bis zum dritten Advent haben wir 18 507 Briefe bekommen“, sagt der Postler. Davon  stammen mehr als 14 000 aus Deutschland. Doch auch aus Andorra und Brasilien sind Schreiben dabei, allein aus Macau sind in diesem Jahr sechs Briefe gekommen, ein paar auch aus Uganda. „Eigentlich fehlt uns nur noch die Antarktis“, sagt Osterwald. Mehr als 2000 Briefe an Christkind oder Weihnachtsmann sind allein aus Taiwan in Pattensen eingetrudelt: „Das deutsche Weihnachtsfest ist in Asien sehr beliebt“, sagt Ulf Hanebuth, der im Weihnachtspostteam für die internationalen Schreiben zuständig ist. So gesehen ist die Aktion der Post auch ein Stück Imagewerbung für Deutschland.

Die Kinderbriefe sind teils bunt bemalt, mit Wattebäuschchen verziert oder mit asiatischen Schriftzeichen versehen. Auf einigen kleben Kinderfotos oder Bilder von Spielzeug, die aus einem Katalog ausgeschnitten sind – und manchmal stehen daneben auch gleich Preisangaben oder Tipps ans Christkind, wo es die Spielsachen im Sondernagebot bekommt. „Aus dem Ausland kommen eher ideelle Wünsche“, sagt Osterwald. Nach Frieden, Gesundheit, Glück. Solchen Sachen. Für deutsche Kinder hingegen haben materielle Werte einen vergleichsweise hohen Stellenwert.

Einige besonders schöne Schreiben sind auf eine Pinwand geheftet. Eine Sammelstelle der Sehnsüchte. Markus aus Süddeutschland hat seine ganz persönliche Wunschliste zusammengestellt: „Gesundheit, Frieden, Anerkennung, Gleichberechtigung, neues Handy“, heißt es da. Ein Junge wünscht sich Frieden für die Welt und ein Star-Wars-Laserschwert für sich selbst. Und ein anderes Kind hat noch hat einen guten Rat für den Weihnachtsmann: „Komm nicht durch den Kamin, komm liber durch die Tür.“ 

Briefe zum Lachen und zum Weinen

Die Mitarbeiter können von Kindern berichten, die von der Trennung ihrer Eltern schrieben („Mach, dass Mama und Papa sich wieder vertragen“) oder sich wünschen, dass das Christkind den kranken Großvater wieder gesund macht. Aus der Ukraine kommen manchmal Schreiben von Kindern, die um ein Leben ohne Krieg bitten. Auch Erwachsene schreiben an den Weihnachtsmann: Ältere Leute vertrauen ihm an, dass sie sich an den Festtagen besonders einsam fühlen. Und im nächsten Umschlag steckt dann wieder eine Portion Rentierfutter oder Schokolade für den Weihnachtsmann oder der unbescheidene Wunsch eines Grundschülers: „Schick mir einfach alles, was du hast!“ 

„Es vergeht hier kein Tag, an dem wir nicht herzlich lachen – und kein Tag, an dem wir nicht heulen könnten“, sagt Osterwald. Jeder Brief erzählt seine eigene Geschichte, die sich um kleine Wünsche und große Sorgen drehen kann, um Hoffnungen, Träume oder verlorenes Glück.

Manche Schreiben kommen auch von Briefmarkensammlern, denn jeder Absender bekommt auch eine Rückmeldung, mit Sonderbriefmarke und Sonderstempel. Außerdem schickt der Weihnachtsmann eine kleine Geschichte und ein Postkartenset zurück. Jedenfalls, wenn der Absender komplett ist. „Manche verlassen sich darauf, dass der Weihnachtsmann den sicherlich kennt“, sagt Osterwald, „aber da stößt er leider an seine Grenzen.“

Endspurt im Weihnachtspostamt

Das Weihnachtspostamt Himmelsthür ist noch bis zum 22. Dezember besetzt – der Endspurt dort hat also begonnen. „Wir versuchen, jeden Brief zu beantworten, der bis Dienstag, 19. Dezember, abgeschickt wird“, sagt Postbetriebsinspektor Jens Osterwald. Dieser kann an Christkind, Weihnachtsmann oder Wichtel-Team adressiert sein – Hauptsache, die Adresse stimmt: Weihnachtspostamt Himmelsthür, 31137 Hildesheim.

Von Simon Benne