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Hannover Massive Kritik an möglichem S-Bahn-Betreiber
Nachrichten Hannover Massive Kritik an möglichem S-Bahn-Betreiber
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00:29 06.05.2018
Im Bereich Hildesheim und Hameln lief es mit der Nord-West-Bahn in den vergangenen Monaten nicht so gut. 
Im Bereich Hildesheim und Hameln lief es mit der Nord-West-Bahn in den vergangenen Monaten nicht so gut.  Quelle: Archiv
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Hannover

Der derzeitige Favorit für den künftigen Betrieb der S-Bahn in und um Hannover hat in den vergangenen Monaten bei Fahrgästen in den Landkreisen Hildesheim und Hameln-Pyrmont erhebliche Verärgerung ausgelöst. Dort betreibt das Unternehmen Nord-West-Bahn die Lammetalbahn zwischen Bodenburg und Hildesheim und von dort weiter nach Hameln und Bünde. Ein halbes Jahr lang ist es zu massiven Zugausfällen gekommen. Zudem hatte der Ersatzverkehr oftmals nicht funktioniert, und Fahrgäste fühlten sich gar nicht oder unzureichend über die massiven Probleme informiert. 

Die Nord-West-Bahn soll nach Informationen der HAZ ab Jahresende 2021 den Betrieb der S-Bahn in Hannover von der DB Regio übernehmen. Das will der Regionsausschuss am kommenden Dienstag entscheiden. In der Ausschreibung hatte das Osnabrücker Unternehmen mit einem besseren und günstigerem Angebot die anderen Bewerber ausgestochen.

Zahlreiche Zugausfälle

In der vor einem Monat vorgelegten Jahresbilanz lobt die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) fast alle Bahnunternehmen für ihre hohe Pünktlichkeit. Ausnahmen listet sie in ihrer Mitteilung allerdings für Reisende des Metronom und der Nord-West-Bahn auf. So hatten sich im vergangenen Jahr auf der Strecke zwischen Bodenburg und Bünde die Zugausfälle wegen Lokführermangels gegen den landesweiten Trend auf 4733 Zug-Kilometer summiert. 2017 fielen auf dieser Strecke 118 Züge wegen fehlender Mitarbeiter abschnittsweise oder ganz aus. Damit hat sich die Zahl der Ausfälle fast verdoppelt, im Jahr 2016 waren es 66 Züge. Im gesamten Bereich der Nord-West-Bahn kam es im Vorjahr sogar zu Zugausfällen von insgesamt knapp 23 000 Zug-Kilometern. 

Kritik an der Nord-West-Bahn kommt nicht nur von der LNVG, sondern auch vom Fahrgastverband Pro Bahn. Dessen Landesvorsitzender Björn Gryschka wohnt in Bad Salzdetfurth und nutzt die Nord-West-Bahn nahezu täglich. „Eine monatelange Unzuverlässigkeit, wie wir sie hier hatten, möchte ich nicht noch einmal miterleben“, berichtet Gryschka. Betroffen gewesen seien nicht nur Pendler sondern auch zahlreiche Schüler, berichtet der Pro-Bahn-Chef: „Der Fahrgast hat Anspruch darauf, dass der Transport nicht zu einer Lotterie wird.“ Es könne nicht sein, dass erst der Zug ausfalle, dann der als Ersatz gedachte Bus nicht komme und der Fahrgast vom Betreiberunternehmen nicht informiert werde. Gryschka lobt aber zugleich auch das private Bahnunternehmen. Der S-Bahn-Verkehr im Bereich Bremen, den die Nord-West-Bahn betreibt, scheine relativ frei von Störungen zu sein, sagt er. 

Der Sprecher der Nord-West-Bahn wollte sich am Donnerstag nicht äußern. Zunächst müsse eine Entscheidung über die S-Bahn in der Region Hannover abgewartet werden, sagt Steffen Högemann. Bis es diese gebe, wolle sich das Unternehmen nicht äußern.

Von Mathias Klein