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Hannover Forum berät: Wie kann der Canarisweg sicherer und sauberer werden?
Nachrichten Hannover Forum berät: Wie kann der Canarisweg sicherer und sauberer werden?
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06:00 02.12.2019
Kein Schönreden der Verhältnisse: Auf dem Mühlenberg liegt einiges im Argen. Quelle: Alexander Körner
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Mühlenberg

Projekte rund um den Mühlenberg gibt es viele: Seit 2014 treibt das Sanierungsprogramm „Soziale Stadt“ sowohl städtebauliche als auch soziale Projekte voran. Hinzu kommt der in der Schwebe befindliche Plan, dass die Stadt Hunderte Wohnungen am Canarisweg kauft. Und rund um das Sicherheitsgefühl im Stadtteil wird derzeit durch Sozialwissenschaftler geforscht. Torben Abel, Kontaktbeamter im Polizeikommissariat Ricklingen, hat jetzt ein Netzwerktreffen organisiert, das erstmals alle wichtigen Akteure im Stadtteil an einen Tisch bringt. „Sicherheit Canarisweg“ heißt das Forum, das jüngst im Stadtteilzentrum Weiße Rose stattfand. Fast 40 Vertreter aus zahlreichen Institutionen kamen.

Viele Initiativen engagieren sich

Ricklingens Polizeichef Hans-Wilhelm Müller war da, die Stadtverwaltung schickte Quartiersmanagement, Stadtbezirksmanagement, Ordnungsdienst sowie Jugendhilfe und seine Mühlenberger Beratungsstelle vorbei. Es kamen Sozialarbeiter, Vereinsvertreter, die Sanierungskommission und das Familienzentrum. Gemeinsam gründeten sie fünf Arbeitsgruppen. Gleich zwei davon gehen das Dauerthema Vermüllung im Stadtteil an: Wilde Sperrmüllhaufen und schlecht organisierte Container-Sammelstellen sollen möglichst bald der Vergangenheit angehören. Der illegale Müll sei ein Problem, sagte Jens Stelzer vom Verein Miteinander für ein schöneres Viertel (MSV). „Am Canarisweg werfen Mieter teilweise auch Müll aus dem Fenster.“ Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen informiert seine Mieter unter anderem in sechs Sprachen über die gängige Praxis rund um die Müllentsorgung. Offenbar, so die einhellige Meinung im Forum, reichen solche Hinweise nicht.

Wie geht es weiter am Canarisweg. Quelle: Samantha Franson

Der Mühlenberger Bernd Stöver, Bürgermitglied der Sanierungskommission, warb für mehr Präsenz durch die Wohnungswirtschaft. „Die Behebung von Schäden dauert oft zu lange“, sagte er. Besser sei es zudem, wenn fest eingesetzte Hausmeister ständig vor Ort seien und sich zügig um Probleme kümmerten. Möglicherweise hat die Stadt bald die Chance, in einem Canarisweg-Wohnblock die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wie berichtet, denkt die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Hanova über den Kauf von 220 Wohnungen nach – mit dem ausdrücklichen Ziel, die Verhältnisse im Viertel zu verbessern. Die Wohneinheiten gehören Vonovia.

Zusammenarbeit auf allen Ebenen ist wichtig

Drei weitere Arbeitsgruppen wird es geben: Die AG Eingangsbereich rückt dem Vandalismus zu Leibe, Kontakte sucht Wege, wie sich die Arbeit der Institutionen besser verknüpfen lässt. Die AG Licht wiederum stöbert dunkle Stellen rund um den Canarisweg auf und sammelt Ideen für eine bessere Beleuchtung. Vor allem in diese Arbeitsgruppe bringt sich die Stadtverwaltung ein. Sie will zudem Sorge dafür tragen, dass wichtige Erkenntnisse des Forums auch anderen Mühlenberger Wohnvierteln zugutekommen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) unterhält am Canarisweg eine Beratungsstelle. Sozialarbeiter wie Nancy Kawina bekommen viel mit vom Leben ihrer Klienten. Gebraucht würde kein „Aufbauschen von Problemen“, aber auch kein Schönreden der Verhältnisse, betonte sie. „Wir haben einen sachlichen Blick auf die Problemlagen.“ Wichtig sei allein eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen. Kawina sieht das neu geschaffene Forum positiv. „Die Akteure hier sind hoch motiviert.“ Das DRK bringt sich in der AG Kontakte ein und will dafür werben, dass soziale Einrichtungen dauerhaft am Ort bleiben – und dass Teilhabemöglichkeiten für Kinder und Jugendliche geschaffen werden.

Schon 2017 hatte die Ricklinger Polizei das Gespräch mit einigen Immobilienunternehmen gesucht. Damals wie heute ist die Lage am Canarisweg, aber auch in anderen Gegenden auf dem Mühlenberg von Müllproblemen, ständig wechselnden Nachbarschaften und sozialem Unfrieden geprägt. 2018 nahm der städtische Ordnungsdienst auch auf dem Mühlenberg seine Arbeit auf; es folgte eine weitere Gesprächsrunde zwischen Polizei und Vertretern einiger Organisationen sowie der Stadt. Mit dem Forum „Sicherheit Canarisweg“ wird diese Arbeit neu ausgerichtet.

Aufbruchstimmung im Stadtteil

Müller, der das Polizeikommissariat im nächsten Jahr Richtung Ruhestand verlässt, sieht angesichts der breiten Teilnehmerschaft so etwas wie eine „Aufbruchstimmung“ im Stadtteil. „Ich frage mich, ob Mühlenberg zu Unrecht stigmatisiert wird“, sagt Müller mit Blick auf das vielfältige Engagement im Stadtteil. Im März 2020 trifft sich das Netzwerk wieder und will dann erste Ergebnisse der Arbeitsgruppen präsentieren. Auch Anwohner werden dazu eingeladen.

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