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Hannover Professor predigt über Smartphones
Nachrichten Hannover Professor predigt über Smartphones
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00:15 28.06.2017
Von Simon Benne
Pastorin Karoline Läger-Reinbold und Prof. Christoph Klimmt in der Kreuzkirche. Quelle: Benne
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Hannover

Klick. Da hat der Prediger erst mal ein Foto gemacht. Ein Bild seiner Gemeinde. Von der Kanzel herab. Als wollte er es gleich bei Facebook posten. Christoph Klimmt ist Professor am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien, und in der Kreuzkirche redet er über "ein Thema, das uns allen täglich sehr nah ist", wie Pastorin Karoline Läger-Reinbold sagt. Als Gastprediger spricht er im Hochschulgottesdienst über Smartphones.

Für Klimmt sind Kirchen vertrautes Terrain. Der 41-Jährige ist der Sohn eines evangelischen Pastors aus Einbeck, der mitsamt seiner Familie konvertierte, um katholischer Priester zu werden. Als Medienpsychologe untersucht Klimmt, was Menschen mit Medien machen und Medien mit Menschen. Dafür, dass Smartphones binnen weniger Jahre unseren Alltag erobert haben, hat er eine Erklärung, die auch ins Religiöse spielt.

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Smartphones suggerieren ständige Allverbundenheit mit der eigenen Herde, sie sind bei uns alle Tage. Sie stillen so scheinbar das Grundbedürfnis nach existenzieller Sicherheit, nach dem Gefühl, aufgehoben zu sein: "Der Bedarf danach ist in unserer Epoche besonders groß", sagt Klimmt mit Blick auf Globalisierung, Turbokapitalismus und Terror: "Da kommt das Smartphone gerade recht."

Doch wie viel existenzielle Sicherheit bietet das virtuelle Kommunikationsnetz wirklich? "Für kleine Dellen im Wohlbefinden sind Smartphones gute Werkzeuge", sagt Klimmt. Schließlich können kurze Nachrichten von Freunden die Laune heben. Allerdings birgt die Kommunikation mittels Textschnippseln im Telegrammstil auch die Gefahr, große Fragen immer wieder aufzuschieben. Der einzelne stehe auch unter dem Druck, sich seiner Netzgemeinde nie zu entziehen. Und abhängig machen könne die permanente Verbundenheit auch, sagt Klimmt. Sein nüchternes Fazit: "Konventionelle Spender von Seelenheil sind deutlich robuster."