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Hannover Nachbarn feiern auf dem Weidendamm
Nachrichten Hannover Nachbarn feiern auf dem Weidendamm
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12:24 08.08.2019
Sie wollen den Weidendamm erobern: Paula Baumgarten (von links), Magdalena Jackstadt und Tim Beck. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Viel Asphalt, viele Gewerbebetriebe, Autos brausen vorbei. Eine Flaniermeile ist der Weidendamm nun wirklich nicht. Das wird sich am 8. September ändern. Dann soll die viel befahrene Straße zum Treffpunkt werden. Ganz ohne Autos. Dafür mit dem wohl längsten Büfett der Stadt, das alle Anwohner und ansässigen Unternehmen mit Leckereien bestücken. Obendrein gibt es Musik, Kleinkunst und Kreatives – und jeder kann mit Kreide seine Wünsche für einen lebenswerten Stadtteil auf den Asphalt schreiben.

So planen es Tim Beck, Magdalena Jackstadt und Paula Baumgarten. Sie gehören zum Team der Veranstaltungsreihe Kiez statt Kirmes und wollen, dass Nachbarn sich besser kennenlernen und ihr Quartier mitgestalten. Auch an vier weiteren Standorten soll es Kiezfeste geben. Dazu zählen das Sprengelgelände (31. August), das Peter-Fechter-Ufer am Ihme-Zentrum (15. September), das Viertel um Königsworther Straße, Grotefend- und Gerberstraße in der Calenberger Neustadt (22. September) sowie der Kötnerholzweg in Linden-Nord (29. September). „Wir wollen möglichst viele Menschen einladen mitzumachen, alle Ideen sind willkommen“, sagt Baumgarten.

Jeder kann mitmachen

Es muss also nicht sein, dass die Musik nur von gebuchten Bands kommt. Jeder kann selbst zur Gitarre greifen. Wer etwas gut kann, soll das anderen zeigen. „Bei uns haben sich Geschwister gemeldet, die kleine Geschenke basteln – sie wollen auf dem Weidendamm einen Workshop anbieten“, sagt Tim Beck. Die Nordstadt-braut-Genossenschaft wiederum lädt zum Fassbrause-Workshop ein, die Skatehalle Gleis D baut eine Rampe auf, das Musikzentrum fährt mit dem Truck vor. Die Angebote von Firmen, Anwohnern und anderen Anliegern sollen sich verzahnen. Die Stadt hat bereits signalisiert, dass die Genehmigung für die Straßensperrung wohl erteilt wird.

Bei Kiez statt Kirmes geht es nicht nur ums Feiern. Die Reihe ist Teil eines Programms des Bundesinnenministeriums, dessen Ziel es ist, neue und nachhaltige Quartierskonzepte zu fördern. Bundesweit gibt es vier Modellstandorte, Hannover ist einer davon. Es hat sich ein Trägerverein gegründet, dem gut 130 Mitglieder angehören, darunter das Kulturzentrum Faust, der Hafven, das Bürgerbüro Stadtentwicklung oder der Verein Ökostadt. Sie arbeiten unter dem etwas sperrigen Namen Gesellschaft für außerordentliche Zusammenarbeit an innovativen Ideen rund um das Thema Nachbarschaft.

Bestehende Kontakte nutzen

Mit dem Kiez-Projekt soll diese Zusammenarbeit sichtbar werden. Das Team hat in den vergangenen Wochen bereits aktive Nachbarschaftsarbeit betrieben. „Wir haben geschaut, welche Kontakte es gibt, und wo neue entstehen könnten“, sagt Beck. So sei mit dem Nachbarschaftsladen in der Calenberger Neustadt eine Grundlage gelegt. Auch rund um den Schmuckplatz am Kötnerholzweg gebe es schon Kooperationen zwischen Geschäftsleuten und Anwohnern. Überraschend war der Besuch auf dem Sprengelgelände: Dort haben die Kinder des Hortes Spunk die Planungen übernommen.

Vor jedem Kiez-Fest ist eine Woche Vorlauf eingeplant, in der die Nachbarn die Feier gemeinsam vorbereiten können. „Das können auch ganz einfache Dinge sein wie Wimpel basteln, die von Haus zu Haus aufgehängt werden“ sagt Jackstadt. Für komplexe Basteleleien stellt das Team den Raumwagen zur Verfügung – eine mobile Werkstatt, die auch als Bühne genutzt werden kann und bald noch eine Küche erhalten soll. Gebaut haben ihn Architekturstudenten der Leibniz-Uni. Der Wagen soll auch künftig von Interessierten ausleihbar sein. Das ist einer der Beiträge zur Nachhaltigkeit des Projekts.

So sieht der Raumwagen des Projekts Kiez statt Kirmes aus. Quelle: Julian Martitz

Ideen mit nachhaltiger Wirkung

Es gibt viele weitere Ideen, die dauerhaft bleiben sollen. Eine digitale Plattform, über die Nachbarschaftsinitiativen Räume buchen können, gehört dazu. Oder ein Netzwerk, über das jeder seine Talente und Fähigkeiten oder auch einfach nur Dinge wie Werkzeug zum Tausch anbieten kann. Bis Ende 2021 hat das Projektteam Zeit, die Ideen zu verwirklichen – dann läuft das mit 600.000 Euro vom Bund geförderte Modellprogramm aus.

Wer sich bei Kiez statt Kirmes beteiligen möchte, erfährt hier mehr über das Projekt.

Von Juliane Kaune

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