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Hannover Rathausaffäre: Was macht eigentlich Ex-Büroleiter Frank Herbert?
Nachrichten Hannover Rathausaffäre: Was macht eigentlich Ex-Büroleiter Frank Herbert?
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12:10 26.08.2019
Kunstfreund und -sammler: Frank Herbert in seinem Büro im Rathaus. Quelle: Martin Steiner (Archiv)
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Hannover

Frank Herbert hat nie in der Öffentlichkeit gestanden. Er war immer der Mann im Hintergrund, der für den damaligen Oberbürgermeister Stefan Schostok die Zügel im Rathaus in der Hand hielt. Seitdem die Staatsanwaltschaft gegen den Spitzenbeamten ermittelt, ist der 49-Jährige gänzlich abgetaucht – zuletzt hat die „Neue Presse“ im August 2018 notiert, habe er „paffend“ auf der Limmerstraße gestanden. Mit den Worten zitierte die Zeitung einen Ratsherrn.

Frank Herbert ist bis heute nicht im Dienst

Kurz zuvor war der einstige Chefjurist des Rathauses und Leiter des Oberbürgermeisterbüros in den Fachbereich Jugend und Familie im Ihmezentrum umgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte im Juni 2018 ihre Ermittlungen in der Rathausaffäre auf Frank Herbert und den damaligen OB Stefan Schostok ausgeweitet. Kurz nach der Umsetzung wurde Herbert bei vollen Dienstbezügen von knapp 7400 Euro brutto – das ist bei Beamten so – krankgeschrieben. Nicht im Dienst ist er bis heute, soweit man das sagen kann. Die Stadt äußert sich mit Hinweis auf den Datenschutz nicht.

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Die Umsetzung in den Betonklotz in Linden muss für den ehrgeizigen und statusbewussten Beamten ein Schlag gewesen sein. Noch mehr dürfte ihn getroffen haben, dass Schostok zuvor jeden Kontakt zu Herbert abgebrochen und sich zudem von seinem einst engsten Mitarbeiter öffentlich distanziert hat. Es heißt, das Verhalten Schostoks habe Herbert tief enttäuscht.

So etwas wie Feierabend hat es für Frank Herbert nicht gegeben

Das mag auch daran liegen, dass sich der Büroleiter für seinen Chef geradezu aufgeopfert haben soll. Es gebe keinen Feierabend, kein Wochenende und nicht mal Urlaub ohne Arbeit, hat Herbert einmal an Schostok geschrieben. Das ist im Rathaus nicht verborgen geblieben. Herbert habe dem OB im Grunde jederzeit zur Verfügung stehen müssen. So etwas wie einen Feierabend oder ein freies Wochenende habe es für Herbert nicht gegeben.

Frank Herbert, damals 42, als der damalige OB Stephan Weil ihn 2012 zu seinem Büroleiter gemacht hatte. Quelle: Archiv

Das könnte erklären, warum Herbert einmal gesagt hat, er benötige die Zulage, die ihm am Ende eine Anklage wegen schwerer Untreue eingebracht hat, für sein „Selbstwertgefühl“. Er hatte Verantwortung und Arbeitspensum eines Dezernenten, ohne die Vergütung zu erreichen. Die von ihm schon 2014 begehrte Zulage sollte wenigstens die Bezahlung um mehrere Tausend Euro auf das Niveau eines Dezernenten anheben. Der reguläre Weg in das Wahlamt war wegen fehlender Mehrheiten im Rat versperrt.

Herbert wehrt sich gegen Vorwurf der Untreue

Mit seinem hohen Arbeitspensum argumentiert Herbert auch juristisch. Er habe jedes Jahr mehr als 1000 Überstunden geleistet. Damit wehrt er sich vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt, die von ihm die Zulagen zurückfordert. Es geht um knapp 50.000 Euro. Mit dem Argument wehrt er sich auch gegen den strafrechtlichen Vorwurf der Untreue. Bei so viel Arbeit sei der Stadt gar kein wirtschaftlicher Schaden entstanden. Damit sei der Tatbestand der Untreue nicht erfüllt. Herbert hat die Einstellung des Strafverfahrens beantragt.

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