Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Hannover Eltern kritisieren: „Kultusminister Tonne hält seine Versprechen nicht“
Nachrichten Hannover Eltern kritisieren: „Kultusminister Tonne hält seine Versprechen nicht“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 27.06.2019
„Eine ernüchternde Bilanz“: Ramona Schäfer und Wolf Grütter vom Regionselternrat haben geprüft, welche Versprechen Kultusminister Grant Hendrik Tonne in diesem Schuljahr gehalten hat. Quelle: Katrin Kutter
Anzeige
Hannover

Die Politik von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in diesem Schuljahr kommt bei den Eltern nicht gut weg. In seiner jüngsten Sitzung zog der Regionselternrat eine katastrophale Bilanz: „Von elf Ankündigungen und Versprechen sind zehn nicht umgesetzt oder nicht gehalten worden“, sagte der stellvertretende Regionselternratsvorsitzende Wolf Grütter. Dabei hatte alles so gut angefangen. Nach einem Treffen mit dem Minister Anfang August 2018 habe Aufbruchstimmung geherrscht. Die Elternvertreter seien vom Tatendrang Tonnes positiv überrascht worden. Doch die Überprüfung ein Dreivierteljahr später, was von dem Angekündigtem tatsächlich realisiert worden sei, falle ernüchternd aus, fasst Grütter zusammen: „Wir sind enttäuscht.“

„Es geht nur um Köpfe, nicht um Fächerkombinationen“

Besonders scharf kritisieren die Elternvertreter eine mangelnde Steuerung der Lehrereinstellungen durch Landesschulbehörde und Kultusministerium: „Es muss doch klar sein, an welchen Schulen Lehrer mit welcher Fächerkombination demnächst in den Ruhestand gehen“, sagt Elternvertreter Holger Kettner aus Burgdorf. Und dann müssten rechtzeitig auch entsprechende Nachwuchskräfte ausgebildet werden. „Das ist Zahlenwerk, das man für ein ganz normales Personalcontrolling braucht.“

Tonne habe sich dafür gelobt, dass er in diesem Schuljahr 300 Pädagogen mehr eingestellt habe, als ausgeschieden seien, sagt Grütter: „Es geht immer nur um Köpfe, dabei ist doch auch die Fächerkombination wichtig.“ Die Landesschulbehörde wisse genau über die Altersstruktur der Lehrer Bescheid. „Warum wird die Zahl der zu erwartenden Pensionierungen nicht vorausschauend veröffentlicht?“

„Unterrichtsversorgung sagt nichts über Lage an den Schulen“

Dass die statistische Unterrichtsversorgung gegenüber dem Vorjahr um 0,7 Prozentpunkte auf 99,4 Prozent gestiegen ist, hält Grütter auch nicht für einen Grund zum Jubeln. Der Wert basiere lediglich auf dem Vergleich von Lehrersoll- zu Lehreriststunden, den die Schulen an einem bestimmten Stichtag ermitteln. Über spätere Fehlzeiten durch Krankheit, Schwangerschaften oder Elternzeiten werde dadurch nichts ausgesagt. Tonne habe selbst betont, dass diese rein statistische Kennzahl wenig über die tatsächliche Lage an den Schulen aussage, halte aber dennoch daran fest. Dabei falle gerade in der Mittelstufe (Jahrgang 7 bis 9) spürbar viel Unterricht aus.

Das Land wollte mehr Quereinsteiger einstellen und diese auch besser pädagogisch ausbilden – tatsächlich sind im zweiten Halbjahr 57 Prozent weniger eingestellt worden als im ersten Halbjahr, die „bessere pädagogische Ausbildung der Quereinsteiger“ umfasse tatsächlich genau fünf Tage. Pensionierte Lehrkräfte sollten mehr hinzuverdienen dürfen, ohne dass das auf ihre Pension angerechnet wird – die Hinzuverdienstgrenze wurde tatsächlich angehoben, aber Pädagogen, die weiterarbeiten wollen, finden laut Grütter nur sehr spärlich Informationen, eine gezielte Ansprache von Lehrern, die kurz vor dem Ruhestand stünden, über diese Möglichkeit gebe es auch nicht.

Die Elternvertreter aus der Stadt und dem Umland werfen dem Minister Ankündigungspolitik vor. Quelle: Katrin Kutter

Wo bleibt die Dorflehrerprämie?

Vor allem auf dem Land fehlen Lehrer. Das Kultusministerium biete aber keine Anreize für Nachwuchskräfte, die sich für solche Stellen verpflichten wollten. Von der „Dorflehrerprämie“ sei Niedersachsen weit entfernt. Von der angekündigten landesweiten Imagekampagne, mit dem Tonne für den Lehrerberuf, werben wollte, sei bislang auch noch nichts umgesetzt. Auch die gemeinsame Kommission von Kultus- und Wissenschaftsministerium, die die künftige Lehrerausbildung steuern sollte, habe bislang nichts zustande gebracht. Beim ersten und einzigen Treffen soll es vor allem um Organisatorisches gegangen sein.

Auch die schon vor zwei Jahren geforderte bessere Bezahlung für Lehrer an Grund-, Haupt und Realschulen sitze das Land bislang aus, rügt der Regionselternrat. Dabei sei „A 13 für alle eine legitime Forderung“, betont Matthias Ahäuser, Elternvertreter an der Albert-Liebmann-Sprachförderschule in Hannover.

Immerhin: Weniger Abordnungen an Grundschulen

Nur ein Versprechen habe der Minister gehalten, sagt Grütter: Die Zahl der Abordnungen sei reduziert worden. An den Grundschulen müssten jetzt nur noch 524 Pädagogen von anderen Schulformen aushelfen, das seien 234 weniger als zuvor. Aber: „Das reicht uns nicht“, sagt Regionselternratsvorsitzende Ramona Schäfer.

Von Saskia Döhner

Wegen der Finanzierung einer Traueranzeige für Annelore Stache greift die CDU im Bezirksrat Ricklingen Bezirksbürgermeister Andreas Markurth an – und erntet Empörung bei den Zuhörern. Sie warfen dem Christdemokraten vor, das Ansehen der Ricklinger Festleiterin zu beschmutzen.

27.06.2019

Ein Detektiv hat einen Ladendieb im Hauptbahnhof Hannover dabei erwischt, wie er zwei Flaschen des teuren Parfüms Chanel stehlen wollte. Die Bundespolizei konnte den Mann festnehmen, der Verdächtige ist für sie kein Unbekannter. Außerdem vollstreckten die Beamten am Dienstag einen Haftbefehl.

27.06.2019

Die Kommunikationschefin im Rathaus, Annika Schach, verlässt die Stadtverwaltung nach nur einem Jahr und wechselt am 1. September wieder zur Hochschule Hannover. Der ehemalige Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) hatte Schach eingestellt – die Professorin gilt unter anderem als Expertin für Krisenkommunikation.

29.06.2019