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Hannover Circus Roncalli: Wie funktioniert das eigentlich mit den Hologrammen, Herr Strobl?
Nachrichten Hannover Circus Roncalli: Wie funktioniert das eigentlich mit den Hologrammen, Herr Strobl?
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19:23 28.08.2019
Elefanten in der Roncalli-Manege – allerdings nur aus Bildpunkten Quelle: Circus-Theater Roncalli
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Hannover

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Herr Strobl, wie kommt Roncalli zu holografischen Projektionen in der Manege?

Circus Roncalli hat 2017 mit Holografien für ein Kreuzfahrtschiff der Mein-Schiff-Flotte angefangen. Dann hat Direktor Bernhard Paul überlegt: Kann man das auch im Zirkus machen – in einer runden Manege mit Masten? Die Lösung war eine Gaze, ein dünner Nylonstoff, die auf einer Seite metallisch bedampft ist, um den Kontrast zu stärken und auf der Rückseite, also der Innenseite, das Licht absorbiert.

Warum projizieren Sie Tiere?

Das Programm heißt „Storyteller: Gestern – Heute – Morgen“. Wir wollten erzählen, wie Zirkus früher war, wie er heute ist und morgen sein wird. Zudem feierte der klassische Zirkus 2018 250-jähriges Jubiläum. Auch das wollten wir zeigen. Und weil das alles neu war, wir waren ja Pioniere, wussten wir nicht, wie schnell der Auf- und Abbau ist, ob wir etwas überbrücken müssen. Deshalb haben wir die Hologramme an den Anfang gesetzt, vor die eigentliche Roncalli-Show. Der klassische Zirkus entstand durch die Arbeit mit Pferden. Auch im neuen „Storyteller“- Programm sind Pferde. Allerdings sind diese Pferde roncallisiert, sie sind aus Sternenstaub, eine Million Goldpartikel, die animiert und von unseren Prozessoren gerechnet werden mussten.

 

Wie funktioniert das technisch?

Wir haben in elf Galerielogen Videobeamer versteckt, die über ein Netzwerk verbunden sind. Es gibt einen Hauptrechner und eine Cloud mit 3016 Prozessoren. Diese künstliche Intelligenz steuert die Beamer. Die dünne Gaze wird aus den Manegenkästen hochgezogen wie früher ein Raubtiernetz.  

Haben Sie echte Tiere gefilmt?

Nein. Wir haben mit 3-D-Künstlern zusammengearbeitet und zusätzlich in einem Greenbox-Studio gefilmt. Die Tiere oder ein Heißluftballon sind also zunächst gezeichnete und dann gestaltete 3-D-Objekte. Die Filmaufnahmen, beispielsweise von unserem Direktor Bernhard Paul, wurden in die 3-D-Bilder integriert. Wir hatten viel mehr Material, aber irgendwann ist es zu viel. Wir wollen kein Kino sein.  

Sind 3-D-Projektionen auch ohne Gaze, also frei im Raum, möglich?

Ja. Auf Bühnen geht das. Die Gaze ist nötig, weil man für solche Projektionen einen stabilen Luftdruck braucht. Bei uns wird der Vorhang geöffnet und geschlossen, es ist ein Zelt, kein Gebäude. Die Gaze stabilisiert die Bilder, wir haben im Moment noch keine Lösung, wie man ohne arbeiten kann. Aber wir arbeiten dran. Wir werden auch da innovativ sein.  

Konzertveranstalter arbeiten auch mit diesen Projektionen. Ist ein Konzert mit einem projizierten Michael Jackson bald möglich?

Ja. Wenn die Raumbedingungen überwacht und ständig durch künstliche Intelligenz nachkalibriert werden, um sie stabil zu halten, ist das machbar.  

Wird man die projizierten Figuren dann als Licht wahrnehmen oder als Festkörper?

Das ist eine Frage der Sehgewohnheit. Ich war am Sonnabend bei Hannover 96, da liegen hinter dem Tor die sogenannten Videocarpets, die aussehen, als ob da etwas steht. Ich habe mich so oft mit dem Thema beschäftigt, für mich bleibt das ein Teppich. Wenn sich unsere Augen an 3-D-Projektionen gewöhnt haben, nehmen wir es noch als Licht wahr, aber es stört uns nicht mehr. Die Entwicklung wird schnell gehen. In Deutschland nicht ganz so schnell.  

Warum?

Das Problem ist der digitale Standort Deutschland. Hätten wir an jedem Spielort schnelles und stabiles Internet, könnten wir statt in einem Netzwerk in einer Rechnercloud arbeiten, dann könnten wir viel mehr zaubern. Unser Elefant ist für eine Minute zu sehen, die Rechnerleistung ist immens. Wir könnten das live rechnen, aber um sicherzugehen an manchen Standorten, haben wir es vorproduziert.

Das Thema Tiere im Zirkus ist seit vielen Jahren umstritten. Sie holen auf diesem Wege die Tiere zurück. Gehören sie in den Zirkus?

Man muss differenzieren. Der Circus Krone hat drei Tierärzte. Wissenschaftlich gesehen geht es den Tieren gut. Bernhard Paul sagt: Der Chef ist das Publikum. In einer Umfrage haben wir zehntausend Leute gefragt: Was gehört für euch zum Zirkus? Tiere landeten auf dem letzten Platz. Von Roncalli erwartet man das nicht. Tiere im Zirkus? Wenn es reguliert ist – warum nicht? Aber man muss das Publikum fragen.

Sind Sie für Tierschutzorganisationen jetzt das Paradebeispiel?

Es gibt in der Tat plötzlich Demonstrationen für uns. Aber wir werden auch benutzt, um Kollegenschelte zu betreiben. Das wollen wir nicht.

Finden Sie die Tierschutzdiskussion hysterisch?

Ganz klar: Die Gesellschaft hat sich verändert. Und natürlich gibt es schwarze Schafe unter den Zirkussen, aber man darf das auf keinen Fall verallgemeinern. Es gibt keine wissenschaftliche Studie, die besagt, dass es den Tieren schlecht geht. Es gibt Organisationen, die nennen sich Tierschützer, sind aber eigentlich Tierrechtler. Die vertreten die Rechte der Tiere, ohne dass das Tier davon weiß. Tierschutz und Tierrecht wird sehr oft von Ideologien geleitet, ohne dass es wissenschaftlich belegt ist.

Wird Roncalli jetzt ein Digitalzirkus?

Nein. Es ist ein Element, um unsere poetischen Geschichten zu erzählen. Außerdem sind Neuerungen früher immer in Zirkussen präsentiert worden. Wie Glühbirnen oder Dieselmotoren. Und nun eben diese Form der Holografie. Wenn wir einen reinen Technologiezirkus machen würden, wäre es wie eine Blase. Es wird bei uns immer Konfetti geben, alte Wagen, rote Nasen und Walzertanzen. Das wird bei Roncalli wahrgenommen. Die Leute wollen live unterhalten werden.

 

 

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Von Uwe Janssen

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