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Hannover Anwohner graust es vor meterhoher Wand
Nachrichten Hannover Anwohner graust es vor meterhoher Wand
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23:15 07.11.2018
Die Stadtbahn-Fahrgäste hätten es nicht weit bis zur S-Bahn-Station auf der Brücke. Quelle: Foto: Michael Zgoll
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Waldhausen / Döhren

 Es war ein durchaus beeindruckendes Forum, das sich vergangenen Donnerstag zu einer Info-Veranstaltung über den geplanten S-Bahnhof Waldhausen traf. Elf Experten von Bahn, Region und Stadt Hannover erläuterten im Freizeitheim Döhren das Projekt, das noch in einer sehr frühen Planungsphase steckt, 70 Bürger saßen im Zuschauerraum und 13 Bezirksratsmitglieder auf ihren angestammten Plätzen. Nach knapp zweieinhalb Stunden durchaus sachlichen Meinungsaustauschs war klar: Die Mitglieder des Bürgerforums Bahnhof Waldhausen haben starke Vorbehalte gegen den Bau des Bauwerks. Insbesondere den Anliegern in Riepestraße und Bregenzer Straße graut es vor einer meterhohen Spund- und Lärmschutzwand, die vor ihren Grundstücken in den Himmel ragen soll.

Was ist in Waldhausen geplant?

Am Schnittpunkt der S-Bahn-Linien S 1, 2, 5, 21 und 51 sowie der Stadtbahnlinien 1,2 und 8 an der Hildesheimer Straße soll ein neuer S-Bahnhof entstehen. Der Mittelbahnsteig würde eine Länge von 210 Metern haben, es sind zwei Treppen sowie ein Fahrstuhl (nahe der Bregenzer Straße) geplant. Zur nördlichen Seite hin, also Richtung Riepestraße und Bregenzer Straße, wird die Gleisanlage um zehn Meter aufgeweitet, um Platz für den Bahnsteig und ein verschwenktes Gleis zu schaffen. Von der Aufweitung betroffen ist eine Strecke von 650 Metern; in der Riepestraße endet die Neubaumaßnahme auf Höhe Heuerstraße, in der Bregenzer Straße auf Höhe Wiener Straße.

Warum halten Bahn, Region und Stadt den neuen Bahnhof für sinnvoll?

Die Planer versprechen sich vom Bau des S-Bahnhofs Waldhausen, dass mehr Menschen vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen – was auch der Umwelt nützt. Zudem sollen sich die Reisezeiten verkürzen: von Waldhausen oder Döhren nach Ricklingen/Linden-Süd um neun Minuten oder Richtung Deister um 16 Minuten. Aus Westen kommende Bahnfahrer müssten dann nicht mehr bis zum Hauptbahnhof fahren, um Richtung Südstadt, Laatzen oder Messe-Nord weiterzufahren, sondern könnten in Waldhausen umsteigen; umgekehrt würde dies natürlich ebenso gelten. Die Experten gehen auch generell von einer Zunahme der Pendlerströme in der Region Hannover aus.

Wie ist es um Kosten und Bauzeit bestellt?

Nach derzeitigem Stand rechnen die Fachleute mit Baukosten von 28,5 Millionen Euro. Baubeginn könnte nach Auskunft von Elke van Zadel von der Region 2023 sein, die Bauzeit wird derzeit auf drei Jahre geschätzt.

Ist der neue S-Bahnhof wirtschaftlich?

Auf Basis eines standardisierten Verfahrens haben die Wirtschaftlichkeitsberechnungen einen Quotienten von 1,25 erbracht; unter einem Quotienten von 1 würde ein Förderung vonseiten des Landes Niedersachsen ausbleiben, damit wäre das Projekt tot. Laut Elke van Zadel ist 1,25 ein „sehr guter Wert“; die Stadtbahnstrecke nach Hemmingen hätte beispielsweise nur einen Quotienten von 1,1 aufzuweisen.

Gibt es Erfahrungen mit ähnlichen Knotenpunkten?

Schnittpunkte von Stadtbahn und S-Bahn gibt es in Hannover bislang an vier Stellen: in Leinhausen, in der Nordstadt, an der Karl-Wiechert-Allee sowie am Fischerhof in Linden-Süd. Als Beispiel führte Klaus Geschwinder von der Region den S-Bahnhof Fischerhof an: Dort habe sich die Zahl der Ein- und Aussteiger von 3600 pro Tag (im Jahr 2007) auf 5500 (in 2015) erhöht. In Waldhausen soll die „große Erfolgsgeschichte“ dieser Knotenpunkte noch getoppt werden: Hier erwarten die Experten tagtäglich mehr als 9300 Nahverkehrs-Umsteiger. Messebesucher sind in dieser Zahl noch nicht einmal enthalten.

Werden die angrenzenden Straßen verengt?

Die Planer versicherten in der Infoveranstaltung, dass die Breite von Autofahrbahn sowie Rad- und Fußwegen in Riepestraße und Bregenzer Straße nicht verändert wird, der sogenannte Verkehrsraum also vollständig erhalten bleibt. Die zehn Meter Raumgewinn im Bahnsteigbereich werden erzielt, indem die schräge Böschung aufgeschüttet und mittels einer Spundwand abgeschlossen wird.

Wie groß sind die Eingriffe in die Natur?

Eine Reihe von jahrzehntealten Linden würde dem Ausbau zum Opfer fallen; eine genaue Zahl können die Fachleute in diesem frühen Stadium der Planungen noch nicht nennen. Eine Begrünung der Stützwände sei denkbar, hieß es, neue Bäume könnten aber sicher nicht gepflanzt werden. Im Zuge einer Umweltverträglichkeitsprüfung, so Alfred Camm von der Bahn, werde man auch untersuchen, ob im bisherigen Böschungsbereich Zauneidechsen oder Schmetterlinge wie der Nachtkerzenschwärmer beheimatet sind; auch Baumhöhlen werde man genau unter die Lupe nehmen.

Wird der Lärm durch Zugverkehr zunehmen?

Schon jetzt rollen auf der viergleisigen Ost-West-Strecke viele Züge, besonders laut sind die Güterzüge, die die Güterumgehungsbahn nutzen. Die Planer gehen davon aus, dass sich der Lärm für die Waldhausener Anwohner vielleicht sogar um ein bis zwei Dezibel verringern könnte. Zwar rückt das nördliche Gleis näher an die Häuser heran, dafür wird die bislang drei Meter hohe Lärmschutzwand durch eine vier Meter hohe Barriere ersetzt, die auf die Spundwand montiert wird. Zudem wird für alle Waldhausener Häuser bis zur nördlichen Linie Güntherstraße – Waldhausenstraße eine Lärmkarte erstellt. Auch Anwohner von weiter vom Bahndamm entfernten Grundstücken, deren Wohnungen beispielsweise in höheren Stockwerken liegen, könnten je nach Messung einen Anspruch auf zusätzlichen passiven Lärmschutz – etwa Schallschutzfenster – haben. Die Grenzwerte für reine Wohngebiete, die der Zugverkehr im Mittel nicht überschreiten darf, liegen bei 59 dB (A) am Tag und bei 49 dB (A) bei Nacht. Die Durchschnittswerte sind allerdings nicht vergleichbar mit den – höheren – Lärm-Spitzenwerten.

Welche Beeinträchtigungen kommen auf die Bürger zu?

In erster Linie betroffen von Baulärm, Schmutz und Sperrungen sind die Anwohner von Riepestraße und Bregenzer Straße. „Aber die Anliegerstraße müssen natürlich immer erreichbar bleiben“, sagte Dirk Thäle von der Region. Besonders lärmintensiv wird das Einbringen der Spundwände in das Erdreich sein. Rein theoretisch ist es denkbar, dass Anlieger in besonders lauten Phasen sogar Hotelaufenthalte bezahlt bekommen.

Was ändert sich auf der Hildesheimer Straße?

Die Hildesheimer Straße muss im Übergangsbereich zwischen Stadtbahnhaltestelle Döhrener Turm und Eisenbahnbrücke umgestaltet werden, um Platz für die Verbindungswege zu den S-Bahn-Treppen zu schaffen. Dies soll nach dem Wunsch der Stadt aber nicht zulasten von Rad- und Fußwegen gehen. Die Höhe der Lärmschutzwand über der Hildesheimer Straße soll nur drei, nicht vier Meter betragen – aus optischen Gründen. Die nördlich gelegenen Pylone an der Brücke über die Hildesheimer Straße sind denkmalgeschützt, sie werden während der Bauphase ab-, aber später um ein paar Meter versetzt wieder aufgebaut. Die verbreiterte Eisenbahnbrücke wird eine Stahlkonstruktion sein.

Warum wird der Bahnhof nicht zur Südschnellweg-Seite hin gebaut?

Laut Knut Marscholek-Uecker von der Bahn hätten bei dieser Variante drei Gleise statt nur eines Schienenstrangs verlegt werden müssen. Außerdem hätte man auf der Südseite des Bahndamms Flächen auf etlichen Privatgrundstücken erwerben müssen, was zu einer erheblichen Zeitverzögerung sowie einer Erhöhung der Kosten geführt hätte. Auf der Nordseite gehören die vom Bau betroffenen Geländestreifen der Bahn oder der Stadt.

Wird bei der Planung berücksichtigt, dass auch am Südschnellweg erhebliche Bauarbeiten ins Haus stehen?

Die Experten von Bahn und Region versicherten, dass sie die zu erwartende Riesenbaustelle am Südschnellweg – wo entweder eine neue Brücke über die Hildesheimer Straße oder ein Tunnel gebaut werden soll – im Blick haben und alles daran setzen wollen, übermäßige Störungen des Verkehrs im Bereich Döhren/Waldhausen zu vermeiden. Auch an das verstärkte Verkehrsaufkommen zu Messezeiten wollen sich die Planer in der Bauphase anpassen.

Wäre das Ansteuern des Bismarckbahnhofs nicht eine günstigere Alternative?

Mehrere Mitglieder des Bürgerforums Bahnhof Waldhausen um ihren Sprecher Ronny Casneuf verwiesen darauf, dass man doch den S-Bahnhof Bismarckstraße mittels Bussen – beispielsweise Elektrobussen via Altenbekener Damm – umwelt- und kostengünstig an die Stadtbahnstrecke Hildesheimer Straße anbinden könnte. Doch nach Ansicht der Fachleute von Bahn und Region ist dies keine wirkliche Alternative: Ein Knotenpunkt Schiene-Schiene werde generell stärker genutzt als eine Busanbindung, zudem müssten die Fahrgäste mit dem Bus einmal mehr umsteigen und längere Fahrzeiten in Kauf nehmen. Ihr Fazit: Der Bismarckbahnhof könne in keiner Weise mit einem S-Bahnhof Waldhausen konkurrieren.

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Vorplanungsphase. Auch hier können sich Bürger mit ihren Fragen oder Anregungen schon an die Fachleute wenden; so hat das Bürgerforum bereits einen 25-Punkte-Fragenkatalog formuliert. Es folgen die Entwurfsplanung und das Planfeststellungsverfahren; an dieser Stelle können Anlieger ihre Einwände ganz offiziell einbringen und haben ein Recht auf Antworten vonseiten der Behörden.

Zum Schluss der Veranstaltung bedankte sich Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner sowohl bei den Anliegern, die sich engagiert für ihre Belange einsetzen, wie bei der großen Zahl der Fachleute für ihre Expertise. Sie betrachte den Abend im Freizeitheim als ersten Schritt eines „fortdauernden Dialogs“, der in ihren Augen ermutigend begonnen habe.

Von Michael Zgoll

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