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Hannover Warum explodieren die Kosten für Schulsanierungen?
Nachrichten Hannover Warum explodieren die Kosten für Schulsanierungen?
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19:42 13.09.2019
Die IGS Büssingweg sollte zunächst saniert werden, jetzt wird sie abgerissen und neu errichtet. Quelle: Stadt Hannover
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Hannover

Das Geld für Hannovers Schulen und Kitas reicht hinten und vorne nicht, so viel ist klar. Für das Sanierungsprogramm bis zum Jahr 2023 hatte die Stadtverwaltung ursprünglich 431 Millionen Euro eingeplant, jetzt liegen die Kosten bei 605 Millionen Euro – Tendenz steigend. „Niemand kann heute die Garantie geben, dass die Summe reicht“, sagte der städtische Finanzexperte Frank Heidenbluth am Freitag im Wirtschaftsausschuss.

Stadt muss sich neu verschulden

Die Stadt will versuchen, die immer größer werdende Finanzierungslücke aus eigenen Kräften zu stopfen, etwa durch Haushaltsüberschüsse, Verkauf von Immobilien und Grundstücken sowie der Akquise weiterer Fördermittel. Um eine Kreditaufnahme wird sie aber kaum herumkommen. „Wir wollen die Neuverschuldung so gering wie möglich halten“, sagt Heidenbluth. Das niedersächsische Innenministerium muss die neuen Kredite noch genehmigen. Wie konnte es so weit kommen?

Beispiel IGS Büssingweg: Kostenanstieg von 23 auf 62 Millionen Euro

Am Beispiel der IGS Büssingweg erläutert Stadt im Ausschuss zum ersten Mal, warum Baukosten derart aus den Fugen geraten können. Im Falle der IGS haben sich die Kosten von 23 auf mehr als 62 Millionen Euro nahezu verdreifacht.

Vor vier Jahren begann die Stadt, Pläne für eine Erneuerung der Schule zu entwerfen. Die Gesamtschule in Vahrenwald ist aus einer Fusion der Karl-Jatho-Hauptschule mit der Geschwister-Scholl-Realschule hervorgegangen. Dementsprechend befinden sich mehrere Gebäude auf dem Schulgelände. Zudem steht noch ein Haus auf dem Areal, das von der VHS genutzt wird. Die Vorgabe für die städtischen Planer bestand darin, die Schulgebäude zu verbinden und dabei auch das VHS-Haus einzubeziehen oder gegebenenfalls abzureißen. Lediglich die 2013 erbaute Schulmensa sollte unangetastet bleiben.

Schadstoffe in Gebäuden entdeckt

Eine erste Kostenschätzung ergab, dass 23 Millionen Euro nötig seien. Die Stadt startete eine europaweite Ausschreibung, aus der ein Bremer Architekturbüro als Sieger hervorging. „Danach stellte sich heraus, dass wir mit den Räumen nicht mehr hinkommen“, sagt der städtische Gebäudemanager Jörg Gronemann. Die Schulleitung wollte andere Lernformen ausprobieren, dazu bedurfte es eines anderen Zuschnitts.

Zudem entdeckten Gutachter Schadstoffe in den Gebäuden. „Ein Rückbau bis zur Rohbausubstanz wäre nötig gewesen“, sagt Gronemann. Auch eine Sanierung der maroden Dreifeldsporthalle hätte sich nicht mehr gelohnt. Daraus zog die Stadt den Schluss: Abriss und Neubau der gesamten Schule sind sinnvoller.

Schülerzahl steigt, mehr Räume nötig

Auf diese Weise steigen die Kosten auf bisher 62 Millionen Euro, aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Da die Schülerzahlen aktuell steigen, muss die Stadt noch einmal nachbessern. Statt Räume für vier Züge der Sekundarstufe I muss sie nun Klassenzimmer für fünf Züge einplanen. Statt einer Dreifeldhalle muss sie nun eine Sporthalle mit vier Feldern errichten. „Wir werden dem Rat im Frühjahr 2020 eine neue Kostenrechnung vorlegen“, kündigt Gronemann an.

Rathauschefin: „Wir sind in allerbester Gesellschaft“

Die CDU gibt sich mit den Erklärungen nicht zufrieden. „Das gesamte Investitionsprogramm ist aus den Fugen geraten“, sagt CDU-Ratsherr Maximilian Oppelt. Er wirft der Stadt vor, dass sie sich bereits bei den ersten Planungen besser mit den Schulen hätte abstimmen müssen. Zudem sei das Investitionsprogramm offenbar von Anfang an unterfinanziert.

Das will die Erste Stadträtin und derzeitige Rathauschefin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) nicht auf sich sitzen lassen. „Es lässt sich nicht hundertprozentig vorhersagen, wie sich Schülerzahlen entwickeln“, sagt sie. Der Sanierungsstau in öffentlichen Gebäuden und die explodierenden Kosten betreffe alle Kommunen sowie das Land. „Wir befinden uns in der allerbesten Gesellschaft“, sagt Tegtmeyer-Dette.

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Von Andreas Schinkel

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