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Hannover Bei den Jusos knallt es
Nachrichten Hannover Bei den Jusos knallt es
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00:18 18.02.2019
Die hannoverschen Jusos Katharina Andres (von links), Lisa van der Zanden und Adis Ahmetovic im Bundestagswahlkampf 2017. Quelle: Christian Behrens
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Hannover

Direkt vor der Delegiertenversammlung der Jusos befindet sich der SPD-Nachwuchs im Unterbezirk in heftigen Turbulenzen. Die Rede ist von „falschen Gerüchten, Lästereien Ausgrenzung und menschlich miserablem Umgang“. Die Mobbing-Vorwürfe sind keine guten Voraussetzung für die an diesem Sonnabend in Burgdorf geplante Vorstandswahl. Dabei läuft es inhaltlich eigentlich gut für die Jusos. Die von ihnen vorgeschlagene Jugendnetzkarte für die Region ist ein voller Erfolg und wird inzwischen auch von politischen Gegnern gelobt.

Absprachen sollten Wiederwahl verhindern

Bei der Delegiertenversammlung wollte sich eigentlich die bisherige Juso-Unterbezirksvorsitzende Lisa van der Zanden zur Wiederwahl stellen. Aber vor rund zwei Wochen trat sie, für einige Juso-Mitglieder völlig überraschend, von ihrem Vorstandsposten zurück. Für andere kam dieser Rücktritt nicht überraschend: In ihrer Rücktrittsmail an die lieben „Genoss*innen“ beklagt van der Zanden, dass es „Absprachen gibt, die meine Wiederwahl verhindern möchten“.

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Van der Zanden Pistole auf die Brust gesetzt

Die ehemalige Juso-Vorsitzende möchte darüber mit der HAZ nicht reden. Aber bei den Jusos ist es ein offenes Geheimnis, dass ihr der Rücktritt nahe gelegt wurde. Ihr sei gesagt worden, dass sie eine Niederlage kassieren werde, sollte sie noch einmal antreten, heißt es. „Ihr wurde die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt einer, der viele der Beteiligten kennt. „Das macht man einfach nicht.“ In den vergangenen Monaten sei systematisch Stimmung gegen van der Zanden gemacht worden, heißt es innerhalb der Jugendorganisation. Erfolge seien klein geredet und Unwahrheiten verbreitet worden.

Neue Bewerber für Juso-Vorsitz meldeten sich schnell

Erstaunt sind viele Jusos auch, dass nur kurze Zeit nach dem Rücktritt der bisherigen Vorsitzenden zwei Mitglieder mit einer auf vier Druckseiten gut vorbereiteten Bewerbung ihre Kandidatur für eine Doppelspitze ankündigten: Ronda Thieves und Fabian Schrum, beide aus Hannover. „Das kann doch kein Zufall sein, die hatten das doch in der Schublade liegen“, sagt jemand, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Bürgermeister „politischen Tod“ angedroht

Antreten will auch Philipp Neessen aus Altwarmbüchen. Der 23-Jährige, er ist jüngster Bürgermeister Niedersachsens, muss wie die ehemalige Vorsitzende van der Zanden mit starken Anfeindungen kämpfen. Offenbar ist von einigen Mitgliedern der Jugendorganisation seine Kandidatur nicht erwünscht, ihm wurde in einem Gespräch offen sein „politischer Tod“ angedroht. Neessen wollte sich dazu nicht äußern. Es gelte jetzt, den Blick nach vorne zu richten, betonte er. „Mit Sachlichkeit, Respekt und Solidarität“ müsse es einen Neustart bei den Jusos geben.

Andres kennt Mobbing-Vorwürfe nicht

Die stellvertretende Juso-Bundesvorsitzende Katharina Andres aus Hannover, sie gilt als einflussreiche Frau beim Parteinachwuchs in der Landeshauptstadt, sagt, es sei ein normaler demokratischer Prozess, wenn man Kandidaten vor einer Abstimmungsniederlage bewahren wolle. Dass einzelne Juso-Mitglieder gemobbt würden, davon habe sie nichts gehört, sagt Andres. „Ich kann mir das nicht erklären.

Von Mathias Klein