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Hannover Was ist Ihre Idee für Hannover, Herr Hansmann?
Nachrichten Hannover Was ist Ihre Idee für Hannover, Herr Hansmann?
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00:19 09.06.2019
„Ich bin der richtige Kandidat für diese Zeit“: Marc Hansmann tritt für die SPD zur Oberbürgermeisterwahl an. Quelle: Tim Schaarschmidt

Herr Hansmann, bei Ihrer Vorstellung als Oberbürgermeisterkandidat haben Sie gesagt, Hannover habe „in den vergangenen zwei Jahren“ eine Führungskrise gehabt. Sie selbst waren bis vor zwei Jahren Kämmerer. War bis dahin also noch alles in Ordnung?

Meine Aussage bezog sich auf die Rathausaffäre – ich habe nur eine etwas nettere Umschreibung gewählt. Denn das Wort Rathausaffäre deutet ja darauf hin, dass das ganze Rathaus betroffen gewesen wäre. Das war es ja nicht. Es ging um drei Männer, die sich ineinander verhakt haben. Wenn es dabei aber um drei so entscheidende Männer geht, dann kann man schon von einer Führungskrise sprechen.

Das heißt, im Prinzip ist im Rathaus alles in Ordnung, bis auf drei Männer, die auf dem Ego-Trip waren?

Nein. Tatsächlich ist die akute Thematik um rechtswidrige Zulagen zwischen den Dreien entstanden, die Details kenne ich allerdings nicht. Aber: Das Rathaus muss sich schon anders aufstellen, es muss deutlich moderner werden, deutlich ergebnisorientierter und auch deutlich schneller.

„Mit dem Kämmerer wird nicht über Zulagen geredet“

Was heißt, Sie kennen keine Details: Sie waren bis 2017 Stadtkämmerer, also einer der wichtigsten Männer am Trammplatz. Kann es wirklich sein, dass Ihnen die gesamten Verkantungen im Bereich von Zulagen entgangen sind?

Ja, das war so. Bei der Größenordnung von über 500 Millionen Euro Personalkosten wird mit dem Kämmerer nicht über Zulagen geredet

Sie waren als Dezernent zeitweise auch für die Feuerwehr zuständig. Der Chef der Feuerwehr hat bereits seit 2015 rechtswidrige Zulagen erhalten. Das haben Sie auch nicht gewusst?

Nein. Ich habe tatsächlich für Herrn Lange beim Innenministerium nachgefragt, ob seine Stelle von B2 auf B3 angehoben werden kann. Das wurde lange geprüft, dann habe ich das Signal bekommen: nein. Und dann war das Thema vom Tisch. Dass Herr Lange, der ein hervorragender Feuerwehrchef war, dann offenbar als Kompensation eine Zulage erhalten hat, habe ich erst viel später aus der Zeitung erfahren.

Das mit den Zulagen ging dann ja recht schnell – innerhalb weniger Monate hat Herr Härke das organisiert. Darüber haben Sie nie gesprochen?

Wir haben die Personalkosten für den Haushaltsplan und die Anzahl der Stellen abgestimmt – aber eben nicht einzelne Zulagen, auch nicht die für Herrn Lange.

Und Sie hatten auch keinen Kontakt mehr zu Herrn Lange in der Sache?

Nein, nicht in meiner Zeit als Stadtkämmerer. Als in den Zeitungen zum ersten Mal über mein vermeintliches Wissen von der Zulage spekuliert wurde, habe ich zur Sicherheit noch mal Herrn Lange gefragt. Er hat mir noch mal ausdrücklich bestätigt, dass ich nicht daran beteiligt war.

Noch 2016 haben Sie eine SMS an den zuständigen Mitarbeiter im Innenministerium geschrieben, in der es hieß, um Herrn Lange müsse er sich nicht mehr kümmern. Wie kommt das?

Die Frage der Stellenanhebung war noch offen zwischen uns, und ich wollte das klären. Von Zulagen hat auch das Land nichts gewusst, sonst hätte man das von dort aus ja unterbunden.

„Ein Oberbürgermeister muss auch konfliktreiche Themen entscheiden“

Von der Rathausaffäre war also noch nichts zu ahnen, als Sie 2017 gegangen sind. Warum sind Sie gegangen?

Weil ich nach zehn Jahren als Kämmerer etwas Anderes machen musste. Als Kämmerer hat man eine bestimmte Funktion. Wenn einen jemand anspricht, muss man nur bis zehn zählen, und dann geht es um Geld. Deshalb war ich auch gar nicht mehr viel in der Stadtgesellschaft unterwegs: Weil ich immer nur auf das eine reduziert worden bin. Man wird dann immer misstrauischer. Erst bei Enercity habe ich wieder gemerkt, wie gern ich Menschen kennen lerne und wie offen ich eigentlich bin. Das hatte ich zuvor etwas verloren.

Gleichzeitig sagt man Ihnen ein, sagen wir, distanziertes Verhältnis zum damaligen OB Stefan Schostok nach.

Grundsätzlich hatten wir unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie eine Verwaltung geführt werden soll. Weniger inhaltlich.

Sondern?

Ein Oberbürgermeister ist die Verwaltungsspitze und hat auch konfliktreiche Themen am Ende zu entscheiden.

Und das ist Ihrer Ansicht nach nicht passiert.

Nein, nicht immer.

Zur Person

Marc Hansmann, 48, kennt sich im Rathaus bestens aus. 1999 trat er als 29-jähriger Ratsherr bei der parteiinternen Nominierung gegen Amtsinhaber Herbert Schmalstieg an, um OB-Kandidat der SPD zu werden – scheiterte jedoch. Von 2007 bis 2017 war er Stadtkämmerer unter den Oberbürgermeistern Stephan Weil und Stefan Schostok. 2017 schließlich verließ er die Verwaltung, um Vorstand beim örtlichen Energieversorger Enercity zu werden. Der promovierte Volkswirt ist seit 1999 Lehrbeauftragter der Leibniz Uni Hannover. Er ist mit der früheren Grünen-Regionsabgeordneten Meike Schümer verheiratet, die beiden haben eine siebenjährige Tochter.

Sie treffen auf eine bemerkenswerte Situation für Sie persönlich im Verhältnis zur Sozialdemokratie. Nicht jeder in der SPD war so ganz traurig, dass Sie zu Enercity gegangen sind – und nun braucht die Partei Sie plötzlich in einer desaströsen Lage. Wie steht die Partei in Hannover da?

Ich habe in der Partei eine große Erleichterung darüber wahrgenommen, dass ich kandidiere. Ich merke, dass die Ortsvereine vor Ideen sprudeln, viele nehmen Kontakt zu mir auf. Es gibt ein großes Engagement, mehr noch als bei der Europawahl. Da weiß jeder, worum es geht. Und ich glaube, ich bin jetzt auch der richtige Typ dafür. Die Parteifreunde wissen auch, dass ich entscheidungsfreudig bin. Das wird aber begrüßt oder zumindest hingenommen.

Sie sind ja nicht unbedingt ein Freund langer Gremiendiskussionen. Trägt die Partei das mit?

Ja. Ich glaube, ich bin der richtige Kandidat für diese Zeit. Wir haben nur ein halbes Jahr Wahlkampf – wir haben schlicht keine Zeit für so etwas.

Sie haben also, um ein geflügeltes Wort aufzugreifen, genug Beinfreiheit.

Ja, unbedingt. Der Parteivorsitzende Alptekin Kirci unterstützt mich da auch enorm. Ich fühle mich von der Partei wirklich im wahrsten Sinne des Wortes getragen. Ich bekomme auch viel positive Resonanz, nicht nur aus der SPD, sondern auch aus der Stadt.

„Ich spiele am liebsten gegen gute Gegner“

Kann ein SPD-Kandidat in diesen Zeiten überhaupt noch als Favorit in eine Wahl gehen – und wenn es in Hannover ist?

Auf jeden Fall können wir gewinnen – weil es eine Personenwahl ist. Ich weiß, dass die Aufgabe groß ist, aber natürlich haben wir eine Chance. Allerdings vermutlich im zweiten Wahlgang, da mache ich mir keine Illusionen. Es ist eindeutig die schwierigste Ausgangsposition für einen SPD-Kandidaten seit dem Krieg.

Die CDU schickt den früheren Chef von VW Nutzfahrzeuge, Eckhard Scholz, ins Rennen, die Grünen den Landtagsabgeordneten Belit Onay. Starke Konkurrenten?

Unbedingt. Ich bin ja Badmintonspieler, und als solcher galt für mich immer, dass ich am liebsten gegen gute Gegner spiele – und natürlich am liebsten auch gewinne. Beide sind sicher gute Gegner. Da wird es spannend sein, tatsächlich um die besten Konzepte zu ringen.

Kommen wir also zu den Themen, die für den künftigen OB zur Bearbeitung anstehen. Da ist zum Beispiel das Investitionsprogramm über eine halbe Milliarde Euro, das Sie selbst noch mit angeschoben haben und das vor allem Geld für Schulen und Kitas zur Verfügung stellen soll. Jetzt stellt sich heraus, dass zur Umsetzung rund 250 Millionen Euro fehlen. War Ihr Programm eine Luftnummer?

Nein. Wir merken ja auch, dass die Schulen saniert werden.

Bisher eine von 31.

Jedes größere Bauprojekt braucht immer zwei bis drei Jahre Planungsvorlauf, und dann ist das schon schnell. Das hängt zum Beispiel mit den Vergabeverfahren zusammen, zudem sind die Baukapazitäten überall am Markt zurzeit extrem eng. Ich glaube, da wird gerade eine Phantomdebatte geführt. Das Geld ist da, der Haushalt steht recht gut da. Wir müssen nur zusehen, dass wir das Geld nun schnell verbauen können.

Die Grünen sagen, es sei nicht genug Geld da, es sei alles zu knapp geplant. Ist das schon Wahlkampf?

Vielleicht fehlt da etwas Überblick. Am Geld wird das Investitionsprogramm nicht scheitern. Im Moment kommt das Gebäudemanagement mit dem Bauen einfach nicht nach, und auch der Markt nicht.

„Es ist schade, dass wir das Bauamt nicht abreißen können“

Apropos Bauamt: Ausgerechnet das ist baufällig und seit Jahren eingerüstet. Ist das nicht ein schreckliches Symbol für hannoversche Verwaltungstätigkeit?

Kann man so sehen. Wir haben immer gesagt, zuerst werden die Schulen saniert – das finde ich auch im Grundsatz richtig. Es ist schade, dass wir das Bauamt nicht abreißen und neu bauen können, aber da ist der Denkmalschutz sehr starr. Wenn ich OB werde, würde ich gleich prüfen lassen, ob wir nicht an anderer Stelle für die Bauverwaltung neu bauen und dann die alten Gebäude nach und nach sanieren. Bedarf für Büros haben wir genug.

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Zurück zu den Schultoiletten: Geht das nicht doch zu langsam?

Das kann schon sein. Mir leuchtet es zum Beispiel nicht ein, warum man Schultoiletten europaweit ausschreiben muss. Vielleicht ist das auch eine Auswirkung der Rathausaffäre, dass sich jetzt jeder besonders gut absichern will. Aber richtig ist eben auch: Handwerker sind im Moment schwer zu bekommen.

Thema Fahrverbote: Die hängen wie ein Damoklesschwert über der Stadt. Was kann man tun, um die Luft so sauber zu bekommen, wie die EU das fordert?

Ich halte von Fahrverboten gar nichts. Eine Antwort ist Elektromobilität und der flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur. Dann müssen wir das Fahrradfahren fördern. Ich merke selbst, dass ich oft im Zweifelsfall selbst eher Bus oder Bahn fahre, weil viele Radwege in keinem guten Zustand sind. Solange das so ist, müssen wir auch gar nicht so viel über Radschnellwege diskutieren. Und: Wie ist es eigentlich mit der Fußgängerfreundlichkeit? An mancher Fußgängerampel steht man in Hannover viel zu lang.

„Wir müssen früher erkennen, wo Quartiere in Schieflage geraten“

Stichwort soziale Brennpunkte: In Stadtteilen wie dem Mühlenberg mussten Kindergartenerzieherinnen und Schulleiterinnen erst Alarm schlagen, bis die SPD auf Probleme in Brennpunkten aufmerksam wurde. Hat die Partei den Bezug zu denen verloren, für die sie doch eigentlich eintreten will?

Möglicherweise ja. Wir haben zwar in Hannover bisher keine No-Go-Areas – das ist in anderen Städten dieser Größe schon anders. Aber tatsächlich müssen wir früher erkennen, wo Quartiere in Schieflage geraten. Wir haben viele hervorragende Experten in der Verwaltung, doch manchmal hapert es an der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Ämtern.

Wir haben Schulen mit 98 Prozent Ausländeranteil. Wie kann man das lösen – man kann die Menschen ja nicht von heute auf morgen umquartieren?

Wir brauchen mehr Personal für Schulen in sozialen Brennpunkten. Vielleicht sollten wir auch eine Debatte darüber führen, ob man nicht auch umverteilt. An einer Schule, in der ein großer Teil der Schüler kein Deutsch spricht, kann kein vernünftiger Unterricht stattfinden.

Sie sprechen von dem, was in Amerika „Busing“ heißt. Dort werden Schüler aus benachteiligten Gegenden mit dem Bus in andere Schulbezirke gefahren, um eine bessere Durchmischung hinzubekommen.

Genau. Eine solche Debatte würde ich gern führen. Ich weiß nicht, ob das eine Lösung ist, aber diskutieren sollten wir darüber.

Das könnte Ärger geben.

Das mag sein. Denkverbote sind mir aber zuwider.

Nun spiegelt die Zusammensetzung einer Schülerschaft nur die Zusammensetzung eines Stadtteils. Was ist die Idee der SPD, um die Entstehung von Ghettos in Hannover zu verhindern?

Wenn wir Neubaugebiete planen, darf uns das nicht wieder passieren. Da darf es nicht heißen: Hier wohnt jetzt die obere Mittelschicht. Wir brauchen eine soziale Durchmischung mit vielen Belegrechten für Sozialwohnungen.

Dann wird aber die Bauwirtschaft kommen und sagen: Mit so hohen Auflagen können wir nicht günstig bauen. Was sagen Sie der?

Deswegen muss die Stadt selbst mit Zuschüssen arbeiten und dazu Zuschüsse von Land und Bund einsammeln. Ich würde darüber hinaus all diese verschiedenen Zuschüsse bündeln. Und vielleicht können wir die Vorschriften entweder vom Gesetzgeber lockern lassen oder etwas lockerer auslegen.

Was ist mit der Mittelschicht? Auch hier suchen die Menschen verzweifelt nach Wohnungen und Häusern. Anderswo wird über Enteignungen diskutiert. Was sind Ihre grundsätzlichen Ideen?

Enteignungen sind nicht der richtige Weg, das sind Symbollösungen. Wenn das Baugebiet Kronsberg-Süd und die Wasserstadt fertig sind, wird sich der Markt schon etwas entspannen. Wenn wir in der Schwarzen Heide den Naturschutz etwas zurückstellen, werden dort wieder bis zu 2.000 Wohnungen entstehen. Und dann ist da noch das letzte große Gebiet, das ehemalige Deurag-Gelände in Misburg. Dann wären wir flächenmäßig für die nächsten 20 Jahre gut aufgestellt.

„Ich halte es für richtig, das Ihme-Zentrum in Teilen abzureißen“

Platz wäre auch auf dem Gelände des Ihme-Zentrums, das der Stadt große Sorgen macht. Wie würden Sie dieses Problem angehen?

Erstmal müssen wir abwarten, ob der neue Investor liefert. Grundsätzlich halte ich es für richtig, das Ihme-Zentrum in Teilen zurückzubauen, etwa den Turm abzureißen. Allerdings würde allein der Abriss viele Millionen kosten, das ist für private Investoren zu teuer. Hier würde ich versuchen, öffentliche Zuschüsse bei Land und Bund einzuwerben.

Kaufen sollte die Stadt das Ihme-Zentrum nicht?

Nein, die Revitalisierung einer solchen Immobilie ist nicht Kernkompetenz einer Stadtverwaltung. Aber sie kann natürlich an allen Ecken und Enden unterstützen. Dazu braucht es aber ein gutes Gesamtkonzept.

Zurück zum Alltag: Die Bürger erleben die Stadtverwaltung oft nicht als befördernd, sondern als aufhaltend – etwa, wenn sie im Bürgeramt wochenlang auf einen Termin warten müssen. Was kann man tun, um dort besser zu werden?

Derzeit ist es ein Riesenproblem, dass so viele Stellen nicht besetzt sind. Insgesamt sind es 700, davon ein Teil im Ordnungsbereich. Wir müssen also dem Fachkräftemangel begegnen – etwa dadurch, dass wir besser auf Bewerber zugehen und sie umgehend zum Gespräch einladen. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass wir durchgehend digitalisieren. Ich wüsste keine Verwaltungsdienstleistung, die nicht digitalisiert werden könnte. Und wir müssen vom Bürger her denken, nicht von der Verwaltung her, wie es bisher oft noch ist. Das stellt eine große Umstellung dar.

Nun sind die Verwaltung und die Mitarbeitervertretung in Hannover traditionell sehr mächtig – so sitzt etwa ein Vertreter des Gesamtpersonalrats stets in der Leitungsrunde des OB mit den Dezernenten. Ist das noch zeitgemäß – oder ist es vielleicht sogar ein Vorteil?

Sowohl als auch. Diesen Modernisierungsprozess in der Verwaltung umzusetzen wird nur mit den Mitarbeitern gehen. Da hat der Personalrat eine entscheidende Funktion. Durch die Digitalisierung werden zwar Arbeitsplätze entfallen, es wird aber niemand arbeitslos werden angesichts von 700 offenen Stellen.

Der Personalrat hat gerade 1000 neue Stellen gefordert. Ist das nicht eine Gespensterdiskussion?

Ja. Wir finden ohnehin nicht genug Leute. Aus diesen Ritualen würde ich gerne ausbrechen und eine gemeinsame Grundüberzeugung mit dem Personalrat, aber auch mit dem Stadtrat finden. Mit Geld beziehungsweise mehr Personal lässt sich eben nicht mehr alles lösen. Der Arbeitsmarkt hat sich komplett gedreht. Die Digitalisierung ist da eine Riesenchance, um den Fachkräftemangel zu beheben.

„Ich würde das Gendersternchen selbst nicht nutzen“

Kann es sein, dass sich die Verwaltung in den letzten zwei Jahren verklettert hat in Nebenschauplätze wie das Gendersternchen?

Das scheint mir so. Man kann über Gendersternchen diskutieren, ich hätte es eher nicht durchgehen lassen. Es lenkt nur ab.

Heißt das, das Sternchen kommt wieder weg, wenn Sie OB werden?

Ich würde es selbst nicht benutzen.

Es ist aber eine Dienstanweisung.

Ich weiß nicht, ob wir im Jahr 2019 noch mit Dienstanweisungen arbeiten sollten. Wichtig ist: Es sollte immer auch die weibliche Form genannt werden.

Nun ist das Sternchen aber in Tausende Dokumente eingearbeitet.

Die muss man jetzt nicht alle wieder anfassen. Ich will ja sowieso weg von diesen Papierformularen und alles elektronisch machen. Da ist es dann einfach zu ändern. Viel wichtiger ist ein Wandel in den Köpfen: In der Wirtschaft erlebe ich selbst noch Veranstaltungen, bei denen nur die Männer begrüßt werden. Das muss sich schleunigst ändern.

„Die Führung macht den Unterschied“

Zu Ihrer persönlichen Situation: Was ist Ihre Motivation, zurück ins Rathaus zu kommen, das sie erst vor zwei Jahren verlassen haben?

Ein Oberbürgermeister kann gestalten, und er kann den Unterschied machen. Es gibt viele Studien, die analysieren, warum sich manche Städte besser entwickeln als andere, obwohl die Grundvoraussetzungen ähnlich sind. Die Führung macht den Unterschied.

Und wie ist Ihre Idee zu Hause angekommen? Was sagt Ihre Frau zu Ihrer Kandidatur?

Sie ist nicht begeistert, weil sie sich keine Illusionen darüber macht, was das für unser Privatleben bedeutet. Als durch und durch politischer Mensch versteht meine Frau meine Motivation, was mir unglaublich hilft.

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