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Hannover Sind das SS-Runen am alten Hanomag-Bau?
Nachrichten Hannover Sind das SS-Runen am alten Hanomag-Bau?
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13:36 12.07.2019
Martialische Ästhetik: die vermeintlichen SS-Runen am Gebäude in der Göttinger Straße. Quelle: Michael Thomas
Hannover

Oft nimmt man das am wenigsten wahr, was man ständig vor Augen hat. Das Alltägliche wird praktisch unsichtbar. Das gilt auch im Fall des früheren Hanomag-Gebäudes an der Göttinger Straße. Rund 190 Beschäftigte der Deutschen Telekom arbeiten hier seit 2013. An der Fassade des Baus sind große Ornamente zu sehen, die verdächtig an SS-Runen der Nazizeit erinnern. „Doch die Darstellung neben dem Eingang des Gebäudes haben wir erst vor einigen Monaten entdeckt“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Walter Brinkmann. „Der Gedanke, dass wir es mit SS-Runen zu tun haben, hat uns erschüttert.“

Umfangreiche Recherchen

Brinkmann stellte umfangreiche Recherchen an, er beriet sich mit Historikern und Denkmalpflegern. Aus der Backsteinfassade ragen mehrere Plastiken mit martialischen Mythenmotiven heraus. Die vermeintlichen SS-Runen sind nur eines von mehreren Motiven. Am Ende seiner Forschungen sei er zur sicheren Erkenntnis gekommen, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um eine originäre SS-Rune handele, sagt Brinkmann. Und doch bleibt ein bitterer Beigeschmack. Denn als der damals bekannte Architekt Emil Mewes das Gebäude 1939/40 errichtete, sei es wohl beabsichtigt gewesen, dass der Fassadenschmuck der SS-Rune ähneln sollte.

Ästhetik der NS-Zeit

Das ganz in der Ästhetik der NS-Zeit gestaltete Gebäude war für den Rüstungsbetrieb Hanomag bestimmt, der auch Zwangsarbeiter beschäftigte. In einem Brief an Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette hat der Betriebsratsvorsitzende jetzt gefordert, die Stadt solle an dem Gebäude Tafeln anbringen, die über die Vergangenheit des Areals informieren. Diese könnten auch darauf hinweisen, dass Sozialdemokraten um Kurt Schumacher hier in der Hanomag-Kantine 1946 die SPD neu begründeten. Bei einem „Reichsparteitag“, wie es damals noch hieß.

Von Simon Benne

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