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Hannover Schüsse aus MP waren Bedienfehler
Nachrichten Hannover Schüsse aus MP waren Bedienfehler
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17:51 20.12.2017
Zwei Polizeibeamte bewachen den Eingang zum Weihnachtsmarkt am Alten Rathaus. Quelle: Dröse
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Hannover

 Die beiden Schüsse, die sich bei Weihnachtsmarkteinsätzen aus Maschinenpistolen der Polizei gelöst hatten, wurden durch Handhabungsfehler der Beamten verursacht. Nach einer Untersuchung der Waffen könne ein technischer Defekt ausgeschlossen werden, teilte die Zentrale Polizeidirektion Niedersachsen am Mittwoch mit. „Auf Grundlage der mir nun vorliegenden Untersuchungsergebnisse gehe ich in beiden Fällen von Handhabungsfehlern aus, die nicht passieren dürfen“, sagte Polizeipräsidentin Christiana BergDamit bestätigte sie einen entsprechenden HAZ-Bericht vom Wochenende. 

Der erste Schuss hatte sich am Montag vergangener Woche am Rande des Weihnachtsmarktes in der Altstadt gelöst. Am Mittwoch gab es nach dem Weihnachtsmarkteinsatz einen zweiten Zwischenfall auf dem Gelände der Zentralen Polizeidirektion (ZPD) Niedersachsen an der Tannenbergallee. Verletzt wurde niemand. Nach Angaben der Polizei löste sich der erste Schuss beim Übergeben der Waffe von einem Kollegen zum nächsten. Der zweite Vorfall ereignete sich nach dem Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt beim Entladen und Sichern der MP5. In beiden Fällen spricht die Polizei von einer „unbeabsichtigten Schussabgabe“.

„Obwohl die Einsatzkräfte der ZPD nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungslage in Deutschland bereits über ein hohes Maß an Handlungssicherheit im Umgang mit der MP 5 verfügen, werden wir unsere Standards jetzt noch weiter erhöhen“, sagte Berg. Solche Vorfälle dürften sich nicht wiederholen. Schusswaffentrainer würden bereits an einer Anpassung der Aus- und Fortbildungskonzepte arbeiten. 

Polizeigewerkschaften fordern unterdessen eine Ausweitung des Waffentrainings für die Kollegen. „Handhabungsfehler sind menschlich, müssen aber minimiert werden“, sagt Matthias Karsch, Niedersachsens Landeschef des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BdK). Es sei das erste Mal seit 1997, dass die Kollegen in Hannover wieder mit Maschinenpistolen ausgestattet ihren Dienst versehen würden. Vor 20 Jahren hatte der damalige Polizeipräsident Hans-Dieter Klosa die Bewaffnung angeordnet. Damit reagierte der Behördenleiter auf die tödlichen Schüsse in einem Café im Steintor – dem traurigen Höhepunkt einer lange anhaltenden Auseinandersetzung zwischen kurdischen und albanischen Banden im Rotlichtviertel. „Da in Anbetracht der Weltlage abzusehen ist, dass der Einsatz der Kollegen mit den MP5 weiter aufrecht erhalten werden muss, sollten sie regelmäßiger als bislang mit den Waffen üben“, sagt Karsch. Das betreffe auch die Ermittlungsbereiche und die Kripo.

Die MP5 müssen als sogenannte Interventionswaffe schnell einsatzbereit sein. Deswegen werden sie geladen getragen. Sie müssen am Einsatzort gesichert übergeben werden.  „Das Ganze findet aus Sicherheitsgründen abseits der Publikumsströme statt", sagt Karsten Wolff, der Sprecher der Zentralen Polizeidirektion. Auch das Entladen der geladenen Waffe finde unter besonderen Sicherheitsbedingungen statt, damit niemand durch Querschläger verletzt werde. "Das hat zumindest gegriffen", sagt Wolff. Unmittelbar nach den Vorfall seien alle Beamten erneut im Umgang mit der Maschinenpistole sensibilisiert worden, außerdem fanden auf dem Gelände der ZPD entsprechende Übungen statt. Den beiden Polizisten, die die Schüsse abgegeben hatten, drohen aber keine Konsequenzen. "Es gab zwar mahnende Gespräche", sagt Wolff, "aber wir unterstellen ihnen nicht, absichtlich geschossen zu haben."

 Als Resultat aus den Untersuchungen soll nun zudem das Waffentraining überarbeitet werden. "Es wird deutliche Änderungen geben", sagt der ZPD-Sprecher. Dies soll landesweit erfolgen. Gerade die Übergabe der MP5 an Kontrollstellen werde weiter intensiviert. "Möglicherweise geschah das nicht in der nötigen Ausprägung", so Wolff. Dazu gehöre, dass das Training in voller Montur wie beim Weihnachtsmarkt oder Schützenfest noch dezidierter erfolgen soll - also unter anderem mit angelegter Schutzweste, Funkgerät und Pistole. Das Waffentraining an sich stehe aber nicht auf dem Prüfstand. Die Beamten üben in Zweier- und Viererteams das gemeinsame Vorgehen bis hin zum Schießen. "Das erfolgt auch richtig auf Schießbahnen mit echter Munition, um die Handhabung zu lernen", sagt Wolff. Kritik, es gebe nicht ausreichend Schießtrainings, weist der ZPD-Sprecher zurück

Die Beamten mit Maschinenpistolen stehen nach Polizeiangaben zur Sicherheit an verschiedenen neuralgischen Punkten rund um die Weihnachtsmärkte, sie patrouillieren aber nicht unmittelbar auf dem Weihnachtsmarkt zwischen den Besuchermengen. Auf den Weihnachtsmärkten vieler Städte in Deutschland waren die Sicherheitsvorkehrungen nochmals verschärft worden, nachdem es vor einem Jahr zu dem Terroranschlag am Berliner Breitscheidplatz gekommen war. 

Von Tobias Morchner und Peer Hellerling

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