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Hannover „Ich habe das zu flapsig formuliert“: Wie die Grünen wiederholt die Schützen verärgern
Nachrichten Hannover „Ich habe das zu flapsig formuliert“: Wie die Grünen wiederholt die Schützen verärgern
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00:17 01.07.2019
Volksfest oder Militarismus? Von den Grünen gab es wiederholt Kritik am Schützenfest. Quelle: Peter Steffen/dpa
Hannover

Ist das Schützenwesen ein Ort der Rechten? Mit seinen Äußerungen einen Tag vor der Eröffnung des Schützenfests in Hannover hat Grünen-Ratsherr Daniel Gardemin eine heftige Debatte in der Politik und unter den Schützen ausgelöst – und war in seiner Partei ins Abseits geraten. Gardemin hatte auf Facebook geschrieben, dass er dem Schützenausmarsch fernbleibe, unter anderem wegen der Vorführung von Waffen. Er hatte die Schützen zudem in die Nähe von Rechtsextremisten gerückt.

Freitagmittag hat Gardemin dann seine Äußerungen teilweise zurückgenommen. Es tue ihm leid, dass er zu sehr verallgemeinert habe, sagte der Grünen-Politiker der HAZ. „Ich habe das zu flapsig formuliert. Ich wollte nicht verallgemeinern, und ich wollte niemanden verletzen“, sagte er. Die Äußerungen seien in einer Auseinandersetzung auf Facebook entstanden, die eskaliert sei.

„Zu flapsig formuliert“: Daniel Gardemin. Quelle: Tim Schaarschmidt

Gardemin will das Angebot eines Schützenvereins annehmen, der ihn eingeladen hat, sich selbst ein Bild von dem Vereinsbetrieb zu machen. „Das ist sehr nett, ich werde mir selbst ein Bild machen und mit den Schützen ins Gespräch kommen“, erläuterte er. Das Schützenfest will er nicht besuchen. „Ich will nicht weiter provozieren“, sagte Gardemin.

Grüne Kritik gab es schon 2012

Es ist nicht das erste Mal, dass aus der Partei heftige Kritik an den Schützen laut geworden ist. Bereits vor sieben Jahren hatten die Grüne Jugend Niedersachsen die Schützenvereine attackiert: Damals warf die Nachwuchsorganisation der Partei den Vereinen ebenfalls kurz vor dem Start des Schützenfestes in Hannover vor, sie seien sexistisch, militaristisch und erzeugten „teilweise Gruppenzwang zum massiven Alkoholmissbrauch“.

Auch 2012 war die Empörung groß. Der damalige Oberbürgermeister Stephan Weil hatte sich eindeutig hinter die Schützen gestellt. „Seit Napoleon ist es niemandem mehr gelungen, die Schützen zu entwaffnen“, hatte er gesagt. Der Streit wurde dann aber während des Schützenfestes beigelegt. Mitglieder der Grünen Jugend waren auf Einladung der hannoverschen Ratsfraktion der Grünen zu einem Bummel auf den Schützenplatz gekommen und hatten dabei auch mit Schützen geredet.

Nach ihrer Kritik besuchten im Jahr 2012 Mitglieder der Grünen Jugend das Schützenfest. Carolin Jaekel und Florian Thielenbürger redeten vor dem Festzelt Marris mit Schützen. Quelle: Michael Joos

Gardemin redet dummes Zeug“

Im aktuellen Fall hat sich die Aufregung auch am Tag danach noch nicht gelegt. Der Grünen-Politiker Michael Dette, der stellvertretender Regionspräsident ist, bezeichnete die Äußerungen seines Parteifreundes am Freitag als „dummes Zeug“. Dette sagte: „Derartige pauschale Diffamierungen kommen eigentlich sonst aus der rechten Ecke, die er kritisiert.“

Gardemin hatte sich darüber beklagt, bei den Schützen und beim Schützenfest würden Waffen vorgeführt und dem Schießsport gehuldigt. Er hatte zudem gefordert, dass ein Umdenken stattfinden müsse. Denn das Schützenwesen scheine „ein Ort der Rechten“ zu sein, wie der Mord an dem CDU-Politiker Walter Lübcke zeige. Der mutmaßliche Täter war Sportschütze. Gardemin sagte am Freitag, er sei zufrieden, dass es auf dem Schützenfest eine Gedenkminute für Lübcke gebe.

Dette berichtete, dass er häufig auf Schützenfeste spreche. Die Schützenvereine hätten eine wichtige Funktion, sie kümmerten sich um das Gemeinwesen und den Zusammenhalt. Viele Menschen wüssten auch nicht, dass der Schießsport zum Beispiel für hyperaktive Kinder eine gute Therapie sei, sie lernten dabei, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Grüne distanzieren sich vom Grünen

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Freya Markowis im Rat hatte sich von den Äußerungen ihres Stellvertreters umgehend distanziert. Führende Politiker von SPD, CDU und FDP reagierten entsetzt. „Das Schützenfest Hannover in einem Atemzug mit einem rechtsterroristischen Mord zu nennen, zeugt nur davon, dass da jemand aus dem eigenen Elfenbeinturm in Linden kommentiert“, sagte SPD-Fraktionsvize Lars Kelich.

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