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Hannover Schule singt für Supermarkt – und bekommt Ärger
Nachrichten Hannover Schule singt für Supermarkt – und bekommt Ärger
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00:17 24.12.2017
Nach einem Auftritt von Grundschülern im Rewe-Markt diskutieren Eltern, ob die Jungen und Mädchen für Werbung benutzt worden sind.  Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Hannover

Damit begann der ganze Ärger: Der Lebensmittelkonzern Rewe, Zweigstelle Hannover/Linden-Mitte, bot der Grundschule in der Steinbreite eine Wette an, öffentlich auf einem Plakat annonciert. Wetten,  dass es der Schule nicht gelingt, an einem Mittwoch um 12 Uhr insgesamt 50 kostümierte Weihnachtsmänner in der Filiale ein Weihnachtslied singen zu lassen? In Aussicht stellte der örtliche Händler 500 Euro Preisgeld für den Förderverein, und da wäre es ja gelacht, wenn die Schule diese Wette verlieren würde. Jetzt prüft die Landesschulbehörde, ob alles rechtens verlief bei der Aktion. 

In ausreichender Zahl zogen also Jungen und Mädchen und Eltern in den Markt und sangen nach der Melodie von „Heute Kinder wird’s was geben“ Textvariationen, die der Markt zu den Festtagen im Angebot hatte: „Heute Leute, wird’s was geben, mit Rewe können wir uns freun’. Schöne Wette, schöner Tag, heisa, heut’ im Rewe-Markt. Rewe hat, was jeder mag, Heisa, welch ein Freudentag.“ 

Bald danach ging der Streit los. Eine Mutter sieht in der Aktion unzulässigen Lobbyismus und Indoktrination der Kinder, in den sozialen Medien hat sie mit ihrer Kritik eine Diskussion entfacht. Auch GEW und der Verband LobbyControl haben Bedenken. Die Frage war nun: Ist das erlaubt und bloß ein Spaß für Kinder, überdies belohnt mit nützlichen 500 Euro für den Förderverein? Oder werden unschuldige Grundschüler hinterrücks für Konzerninteressen missbraucht? Sind Spenden noch Spenden, wenn mit ihnen Werbung verbunden ist?

Rewe spendet regelmäßig

Rewe bietet  seit Jahren Weihnachtswetten an, bei denen Vereine, die Freiwillige Feuerwehr oder andere Gruppen sich engagieren und dann 500 Euro für einen guten Zweck gestiftet bekommen. Es sei allein Sache der örtlichen Marktleiter, sagt Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath. Zentral gesteuert würden die Weihnachtswetten nicht. Es gehe um die gezielte Förderung von Vereinen, Kirchengemeinden und Gruppen im Viertel. In diesem Jahr habe es bei Rewe-Märkten in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Teilen von Nordrhein-Westfalen rund 20 Weihnachtswetten gegeben. 

In diesem Jahr stoppte jedoch das hessische Kultusministerium die Rewe-Aktion „Sauberhafte Rallye 2017“. Kitas und Grundschulen hatten sich an einem Imagefilm des Konzern beteiligt. GEW und die Organisation LobbyControl hatten die Aktion kritisiert. 

Schulleiter Rolf Schulz versteht die Aufregung nicht. „Den Vorwurf der Indoktrination weise ich klar zurück“, sagt er. Die Teilnahme am Singen sei völlig freiwillig gewesen. Kinder, die nicht mitgemacht hätten, seien in Parallelklassen unterrichtet worden.  Nahezu alle Eltern hätten positiv darauf reagiert. Sponsoring sei an Schulen normal, gerade um soziale Projekte zu finanzieren, die von Stadt und Land nicht bezahlt werden könnten. Es stimme nicht, dass Eltern, die nicht mitmachen wollten, von Lehrern ins Gewissen geredet worden sei, wie es eine Mutter behaupte. 

Katrin Wesch, die Vorsitzende des Fördervereins, berichtet von stolzen Kindern, stolz, 500 Euro für den Verein bekommen zu haben. Das Geld ist zur Finanzierung des Anti-Gewalt-Projekts des Vereins Icando gedacht. Es will Selbstbewusstsein und das Gemeinschaftsgefühl der Kinder stärken. Um weitere Spenden für das Präventionsprojekt zu bekommen, macht der Förderverein auch bei einem Crowdfunding-Projekt der Volksbank mit. Der Badenstedter Marktleiter fühlt sich nach Auskunft von Wesch der Grundschule seit Jahren verbunden und engagiere sich immer wieder, indem er zum Beispiel warme Brezeln für die Schule backe.

Bei Facebook moniert eine Grundschulmutter auch, dass die Kinder das umgedichtete Weihnachtslied sangen. Sie wählte den Ausdruck „Gehirnwäsche“. Rewe-Sprecher Bonrath sagt hingegen,  der Marktleiter habe ausdrücklich betont, dass die Kinder auch jedes andere Weihnachtslied hätten intonieren können – es seien die Eltern gewesen, die das Rewe-Lied gewählt hätten.  Elternvertreterin Wesch erwähnt weiter, dass den Zweitklässlern die Aktion viel Spaß gemacht habe. Einige Schüler hätten gefragt, ob sie noch ein Lied bei Lidl oder Real singen könnten, um weitere Spenden zu bekommen. 

Bei der GEW hat man im Grundsatz nichts dagegen, wenn Unternehmen für Schulen spenden. Man müsse aber genau hinsehen, sagte Christian Hoffmann: „Wenn es werblichen Zwecken dient, dann muss man sehr kritisch hinschauen.“ Sebastian Meyer von der Organisation LobbyControl ließ kein gutes Haar an der Aktion. „Das ist ein  plumper Versuch, Schüler zu beeinflussen“, sagte der Sprecher. Dass sie ein Loblied auf den Konzern singen, sollte man „schleunigst beenden“. Der Schule warf er mangelnde Sensibilität vor. 

Die Landesschulbehörde prüft nun den Fall. Sie bewertet das Verhalten der Schule, nicht des privat organisierten Fördervereins. Es gebe Hinweise, dass die Aktion womöglich teilweise oder komplett während der Unterrichtszeit stattgefunden habe. Die Teilnahme müsse jedoch freiwillig sein und dürfe nur außerhalb der Schulzeit stattfinden, was auch für die Vorbereitung eines Auftritts zugunsten des Fördervereins gelte. Nun untersucht die Behörde, ob die Aktion mit Bildungsauftrag und Neutralitätsgebot übereinstimmt. 

Von Saskia Döhner und Gunnar Menkens

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