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Hannover Fehlen an den weiterführenden Schulen bald 2000 Plätze?
Nachrichten Hannover Fehlen an den weiterführenden Schulen bald 2000 Plätze?
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00:19 22.06.2019
Im Schuljahr 2028/2029 werden rund 4800 Schüler mehr die Sekundarstufe I besuchen als zurzeit, das ist ein Plus von 19,2 Prozent. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Wenn die Stadt nichts unternimmt, werden in Hannover in neun Jahren knapp 2000 Plätze an den weiterführenden Schulen in den Jahrgängen 5 bis 10 fehlen. Im siebten Jahrgang könnte der Fehlbedarf im Sommer 2028 sogar bis zu 557 Plätze umfassen. Das geht aus dem kommunalen Schulentwicklungsplan hervor, den Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski am Mittwoch im Schulausschuss vorstellte. Im Schuljahr 2028/2029 werden rund 4800 Schüler mehr die Sekundarstufe I besuchen als zurzeit, das ist ein Plus von 19,2 Prozent.

Geburtenstarke Jahrgänge, mehr Schüler mit Förderbedarf

Rzyski führt die Steigerung zurück auf das Hochwachsen geburtenstarker Jahrgänge, die Zunahme von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die dann bei der Klassenbildung doppelt zählen, Zuzüge und mehr Schulformwechsler. Auch an den Grundschulen gibt es in den nächsten Jahren mehr Schüler, aber bis 2023/2024 macht das Plus nur 12,3 Prozent aus. Hier dürften laut Rzyski geplante neue Grundschulen in den Neubaugebieten und weitere Container an bestehenden Standorten den Bedarf erst mal abdecken.

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Eine neue IGS, ein neues Gymnasium

Dringenderen Handlungsbedarf sieht sie an den weiterführenden Schulen. Die Stadt schlägt den Bau einer zwölften Integrierten Gesamtschule (IGS) mit fünf bis sechs Klassen pro Jahrgang und einer späteren Oberstufe vor, wobei der Standort noch völlig offen ist. Fertig sein müsste die Schule im Sommer 2025. Für eine weitere IGS hatte sich auch die SPD starkgemacht, während die CDU lieber eine weitere Realschule bauen würde.

Bestehende Standorte erweitern

Die Stadt plädiert zudem dafür, die IGS Bothfeld im Zuge von Umbauten zum Schuljahr 2026/27 und die IGS Büssingweg bereits zum Schuljahr 2022/23 im Sekundarbereich I um jeweils einen Zug zu erweitern. Beide Gesamtschulen hätten dann fünf Klassen pro Jahrgang statt bislang vier.

Die Pestalozzi-Oberschule in Anderten soll 2022/23 nicht mehr nur zwei, sondern bereits drei Klassen pro Jahrgang aufnehmen. FDP-Politiker Andreas Bingemer verweist im Ausschuss darauf, dass die Schule schon jetzt aus allen Nähten platzt. Schulamtsleiter Stefan Rauhaus betont, dass die Stadt derzeit ohnehin eine Sanierung des Schulzentrums in Anderten, in dem auch noch eine Grundschule untergebracht ist, überprüft. Übergangsweise könnte die Schule auch mit der Albrecht-Dürer-Förderschule in Bothfeld enger zusammenarbeiten.

„18. Gymnasium muss auch kommen“

Der Bau eines 18. Gymnasiums in Bemerode Am Sandberge sei weiterhin nötig, betont Rzyski. Trotz all dieser Maßnahmen werden im Schuljahr 2028/29 nach Berechnungen der Stadt dann aber immer noch 640 Sekundarstufe-I-Plätze fehlen. Die Planungen zur Schaffung weiterer Schulplätze im Sekundarstufe-I-Bereich müssten schnell beginnen, sagt Rzyski. Im Oktober will die Stadt entsprechende Beschlussvorlagen präsentieren.

Immer mehr Schulformwechsler

Durch die hohe Zahl der Schulformwechsler müssten die Plätze effektiv doppelt vorgehalten werden, sagt die Dezernentin, in Klasse 5 an den Gymnasien, später an den Gesamt-, Ober- und Realschulen. Wie viele Schulformwechsler es aktuell gibt, ist noch unklar. Noch laufen an den Schulen die Zeugniskonferenzen. Zwischen August 2017 und August 2018 hatten 558 Schüler die Schulform gewechselt. Die Gymnasien verzeichneten mit 52 Prozent die meisten Abgänge, die Integrierten Gesamtschulen mit 42 Prozent die meisten Zugänge. „Eltern haben beim Schulformwechsel ab Jahrgang 7 keine freie, sondern tatsächlich nur noch eine eingeschränkte Schulwahl“, sagt Rzyski.

Für Kinder sei es am besten, wenn sie an der gewohnten Schule bleiben könnten. Das Schulgesetz erlaubt jedoch nicht, dass Schüler, die am Gymnasium gescheitert sind, dort auf Realschulniveau weiter unterrichtet werden. Im Schnitt hatten die Gymnasien beim Übergang von der 5. in die 6. Klasse zwei Klassen verloren. Aber in den Schuljahren 2016/17 und 2017/18 hatten besonders viele Kinder die Gymnasien verlassen müssen, die Zahlen hatten sich verdoppelt. Wer zweimal hintereinander eine Klasse nicht schafft und sitzenbleibt, muss die Schulform verlassen.

Von Saskia Döhner