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Hannover Was läuft schief in Hannovers Schulen?
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00:16 27.01.2019
Hängepartie wegen Oberstufe zerrt an den Nerven: Schüler, Elternvertreterinnen und Schulleiterin der IGS Südstadt mit Protest-T-Shirts. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Südstadt harrt immer noch auf eine Entscheidung der Landesschulbehörde zur beantragten Oberstufe. Die Tellkampfschule hat wochenlang auf die Genehmigung des Bauamtes gewartet, damit weitere Container auf ihrem Schulhof aufgestellt werden dürfen. Die Wilhelm-Raabe-Schule wünscht sich dringend die Sanierung ihrer in die Jahre gekommenen Aula. Und dann ist der noch der seit Monaten tobende Streit um das 18. Gymnasium, das nach dem Willen einiger lieber eine Gesamtschule, eine Realschule oder eine Modellschule ganz neuen Typs sein sollte. Neu ins Spiel gebracht hat die Stadt jetzt die Frage, ob es auch ein Gymnasium in freier Trägerschaft sein könnte. Hannover hat derzeit ziemlich viele Schulbaustellen.

Eine Idee mit Sprengkraft fürs Ampelbündnis

Zurzeit gibt es 17 öffentliche Gymnasien, das jüngte, das Gymnasium Limmer, ist im Sommer 2016 an den Start gegangen. Hinzu kommen noch private Gymnasien wie die katholische St.-Ursula-Schule, das Freie Gymnasium in Bothfeld, und die Leinetalschulen in Kleefeld. Die Freie Evangelische Schule wird als eine Kooperative Gesamtschule mit Gymnasialzweig geführt.

Für Eltern angehender Fünftklässler sind Gymnasien die erste Wahl. Weil 54 Prozent ihre Kinder dort anmelden, sind die Eingangsklassen schon seit Jahren überfüllt. Statt 30 Schülern sitzen in vielen Klassen mit Aunahmegenehmigung 31, manchmal sogar 32 Kinder. Hinzu kommt, dass immer mehr Schüler die 5. Klasse nicht schaffen und das Jahr wiederholen müssen. So wächst der Bedarf an Gymnasialplätzen. So sehr, dass man nach Einschätzun der Stadt ein 18. Gymnasium braucht. Vermutlich wird es am Schützenplatz Am Sandberge in Bemerode entstehen. Dort hat die Stadt ein kommunales Grundstück, das sich für den Bau einer weiterführenden Schule eignet.

Der Vorstoß der Stadt, ob auch ein Gymnasium in privater Trägerschaft infrage käme, wenn das Schulgeld sozialverträglich sei und der Betreiber sich auch mit Schülern mit Lernproblemen auskenne, stößt bei Eltern, Piraten und Linken auf deutlichen Widerstand. Auch die Grünen sehen mit Elterngebühren finanzierte Schulen skeptisch. Für das Ampelbündnis hat ein etwaiges Privatgymnasium, auch wenn der Träger moderates Schulgeld erheben würde, durchaus emotionale Sprengkraft.

Kommt die Oberstufe oder kommt sie nicht?

Nicht nur der Streit um das 18. Gymnasium zieht sich jetzt schon fast ein dreiviertel Jahr, auch die Integrierte Gesamtschule (IGS) wartet jetzt schon monatelang auf die Entscheidung der Landesschulbehörde, ob sie nun eine Oberstufe bekommt oder nicht. Eigentlich sollte der Beschluss schon im Herbst fallen, damals hatte die Landesschulbehörde noch Unterlagen von der Stadt nachgefordert, die aber inzwischen längst eingereicht sind. „Diese Hängepartie ist schwierig“, sagt Schulleiterin Julia Grunewald. „Ab dem 12. Februar sind die Anmeldungen für die Oberstufe, aber wir haben immer noch keinen Bescheid, wir planen jetzt doppelgleisig, einmal so, als ob wir eine Oberstufe zum nächsten Schuljahr bekommen, und einmal so, als ob wir sie nicht bekommen.“

Für Schulelternratsvorsitzende Anna Pfennig ist klar, dass die IGS eine Oberstufe braucht. „Unsere Schüler wollen an ihrer Schule Abitur machen. Wenn man nach der 10. Klasse noch einmal wechseln muss, ist man gerade in einer schwierigen Phase, in der man sich selbst finden muss. Man verliert wertvolle Zeit, möglicherweise kommt man neu in eine Gruppe, die schon jahrelang einen Englischlehrer hatte, da bleibt die Gleichheit bei den Ausgangsvoraussetzungen auf der Strecke.“

Ohne Oberstufe habe die IGS gegenüber anderen Standorten ganz klar Wettbewerbsnachteile, sagt die stellvertretende Schulelternratsvorsitzende Simone Lenfers. „Eltern wollen eine Oberstufe, vielleicht nicht als finales Ziel, aber als eine Option.“ Elternvertreterin Pfennig berichtet, dass schon die ersten Achtklässsler die IGS verlassen, weil sie nicht die Perspektive einer Oberstufe sehen. Auch für Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne (SPD) ist klar, dass die IGS Südstadt eine Oberstufe bekommen muss: „Eine IGS ohne Oberstufe ist keine richtige IGS, sondern nur eine halbe, eine IGS ist eine Schule für alle Leistungsniveaus.“

Wilhelm-Raabe-Schule wünscht sich dringend eine neue Aula

Die Wilhelm-Raabe-Schule dringt derweil auf eine vorgezogene Sanierung der denkmalgeschützten Aula. Das Gymnasium habe einen klar musisch-künstlerischen Schwerpunkt und benötige die Aula für Aufführungen, sagt Schulleiter Martin Thunich. Zudem sei die Schule eines von nur 25 Gymnasien landesweit, die auch 2020 einen Abiturjahrgang hätten, weil es Extraguppen speziell für Realschüler und Wiederholer anbiete. Wegen der Umstellung von G 8 auf G9 gibt es an den anderen Gymnasien 2020 keine Abiturprüfungen. Eigentlich hat die Aula der Wihelm-Raabe-Schule 460 Plätze, zurzeit sind aber nur gut 300 benutzbar, aus Brandschutzgründen sind die Plätze der hinteren Empore gesperrt.

Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule überreichen einen symbolischen Scheck an Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski. Die Spenden sollen in die Aulasanierung fließen. Quelle: Lutz Fischer

Um die Sanierung schneller zu ermöglichen, haben Schüler beim Neujahresempfang an Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski einen symbolischen Scheck über 16.200 Euro überreicht. So hoch ist die Spendensumme, die Schüler im Sommer beim Sponsorenlauf gesammelt hatten. Das Geld soll nach einem Beschluss des Schulvorstandes in die Aulasanierung und in neue Präsentationsflächen für Schülerarbeiten im Treppenhaus fließen.

Die sanierte Aula könnte später auch für andere kulturelle Veranstaltungen im Stadtteil zur Verfügung stehen, sagt Thunich, etwa uch für Konzerte des Knabenchors. Bezirksbürgermeister Pollähne wünscht sich sowieo ein besseres Aula-Management in der Stadt. „Viele Säle stehen an vielen Tagen leer, dabei könnten sie im Stadtteil gut genutzt werden.“ Die Aula der Wilhelm-Raabe-Schule müsse dringend erneuert werden, betont auch Pollähne. „Davon könnte auch die ganze Südstadt profitieren.“

Die Sanierung stehe aber jetzt noch nicht an und könne nicht vorgezogen werden, teilte Stadtsprecher Dennis Dix, daran ändere auch die Spende nichts, zumal die gesamte Sanierung auch viel teuerer sei als 16.000 Euro.

Tellkampfschule wartet auf Container

Wochenlang hat die Tellkampfschule auf eine Baugenehmigung für das Aufstellen von Containern gewartet. Im Schulausschuss hatten Eltern, Schüler und Lehrer ihren Unmut geäußert, dann kam während der Sitzung Baudezernent Uwe Bodemann und flüsterte seiner Kollegin Rzyski ins Ohr, dass die Genehmigung auf dem Postweg sei. Schulleiterin Katharina Badenhop wartet jetzt auf einen genauen Ablaufplan, wann die Container aufgestellt und bezogen werden, wann die Fachräume aus dem Sanierungstrakt umziehen und die Sanierung des Verwaltungsbereichs startet. Der muss nach Schimmelbefall komplett entkernt werden. Mindestens drei Jahre lang müssen sich die Lehrer noch mit einem Lehrerzimmer im Container begnügen.

Noch weitere drei Jahre eine Zwischenlösung: Das derzeitige Lehrerzimmer der Tellkampfschule. Quelle: Nancy Heusel

Von Saskia Döhner

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