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Hannover Wird das 18. Gymnasium eine Privatschule?
Nachrichten Hannover Wird das 18. Gymnasium eine Privatschule?
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19:16 16.01.2019
„Elternbefragung interessant, aber nicht planungsrelevant“: Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski, daneben Schulausschusvorsitzender Adam Wolf. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Die Debatte ums 18. Gymnasium in Hannover ist um eine neue Variante reicher geworden. Die Stadt hat jetzt die Frage ins Spiel gebracht, ob möglicherweise auch ein privater Träger in Frage kommen könnte. Wichtig sei dabei, dass der Träger Erfahrungen mit dem Betrieb eines Gymnasiums habe, aber auch mit Inklusion, insbesondere mit Kindern, die Lernprobleme hätten. Weiter heißt es in der Tischvorlage, die am Mittwoch im Schulausschuss der Stadt diskutiert worden ist, das Schulgeld müsse sozialverträglich gestaffelt sein.

Dem Schulausschussvorsitzenden Adam Wolf (Piraten) reichte das nicht aus: „Bildung muss kostenfrei sein, die Schule muss den Familien, die im Monat 3000 bis 4000 Euro zur Verfügung haben, genauso offenstehen wie denjenigen, die auf Transferleistungen angewiesen sind.“ Auch von Julian Klippert (Die Partei) kam klare Ablehnung: „Der Zugang zu Bildung muss kostenfrei sein.“ Regine Kramarek (Grüne) sagte: „Mit Privatschulen habe ich so meine Schwierigkeiten, das sage ich ausdrücklich als Grüne, nicht als Vertreterin des Ampel-Bündnisses.“ Lehrervertreterin Susan Susan Bartels de Pareja forderte ausdrücklich: „Staatliche Schulen müssen gute Schulen sein, es kann nicht sein, dass die mit verschleppten Bauanträgen und maroden Gebäuden kämpfen, während private Schulen diese Probleme nicht haben.“

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Privatschule ist eine Mogelpackung für Eltern“

Elternvertreter Michael Balke wiest darauf hin, dass das 18. Gymnasium doch nötig sei, weil in der Stadt im 5. Jahrgang Gymnasialplätze fehlten, eine kostenpflichtige Privatschule sei da aber keine Lösung: „Das ist eine Mogelpackung.“

Andreas Bingemer (FDP) meinte, man dürfe kommunale und private Träger nicht gegeneinander ausspielen, Hannover stehe für eine vielfältige Schullandschaft und das solle auch so bleiben. Man solle die Option zumindest prüfen. Auch Arne Borstelmann verwies auf die zahlreichen Privatschulen, die gute Arbeit leisteten. Afra Gamoori (SPD) sah noch Beratungsbedarf. Das Thema müsse in der Fraktion besprochen werden. Bis Februar soll die Stadt jetzt die Vor- und Nachteile einer möglichen privaten Trägerschaft auflisten.

Sollte es ein öffentliches Gymnasium werden, wird der Standort Am Sandberge am Bemeroder Schützenplatz immer wahrscheinlicher. Eine Standortprüfung der Stadt hat klare Vorteile für das städtische Grundstück ergeben.

Elternbefragung in Jahrgang 1 bis 3 geplant

Im Schulausschuss hat sich zudem knapp das Ampelbündnis mit seiner Forderung durchgesetzt, die Eltern von Erst- bis Drittklässlern zu befragen, auf welche weiterführende Schule sie ihre Kinder geben wollen. Lehrervertreterin Bartels de Pareja konnte sich mit ihrer Forderung, auch die Eltern älterer Kinder nach ihren Erfahrungen mit dem Wechsel, nach bestätigten und enttäuschten Hoffnungen zu befragen, nicht durchsetzen. Das Ergebnis einer einmaligen Elternbefragung sei interessant, sagte Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski, liefere aber keine belastbaren Zahlen für die Schulentwicklungsplanung: „Eine Elternbefragung ist nicht planungsrelevant.“

Von Saskia Döhner