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Hannover Schienbeinbruch nach Blutgrätsche: Geldstrafe für Frustfoul
Nachrichten Hannover Schienbeinbruch nach Blutgrätsche: Geldstrafe für Frustfoul
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00:15 18.05.2019
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Sven Schünemann. Quelle: Manuel Behrens
Hannover

Eigentlich war die Partie in der Kreisklasse bereits gelaufen: Die Gastgeber führten mit 5:1, es lief bereits die 80. Spielminute. Ein Mittelfeldspieler der unterlegenen Gastmannschaft war wie viele seiner Teamkollegen vom Spielstand frustriert. Einen weiteren Konter zum möglichen 6:1 wollte der 24-jährige M. jedoch nicht zulassen: Auf Höhe der Mittellinie grätschte er dem ballführenden Außenstürmer in die Beine – von hinten und mit ausgestreckten Fuß.

Der 21-jährige Azubi R. ging zu Boden. „Als ich auf mein Bein geschaut habe, sah ich, wie es durchhing. Ich dachte, ich werde ohnmächtig“, erzählte das Foul-Opfer am Dienstag vor dem Amtsgericht. Das Resultat des Fouls waren ein gebrochenes Schienbein, zwei Operationen und eine ganze Menge chirurgischen Metalls in seinem linken Bein. Der Schiedsrichter der Partie, Edgar H., schrieb später in seinen Spielbericht, dass er die Aktion mit einer „dunkel roten“ Karte geahndet habe.

Nahm der Spieler die Verletzung in Kauf?

Der verletzte Spieler und sein Verein entschieden sich dazu, den foulenden Spieler wegen Körperverletzung anzuzeigen. Richter Olaf Wöltje hatte die schwierige Aufgabe, zu klären, wie viel Absicht hinter der Grätsche steckte – einem Foul, das auf Amateurfußballplätzen keine Seltenheit ist. Dabei ging es um die feinen Details eines groben Fouls: Wie weit hatte sich der Ballführende bei seinem Dribbling vorgelegt? Hatte der Angeklagte in dieser Situation eine Chance an den Ball zu kommen? Hätte der Gefoulte den Gegenspieler sehen können? War das Foul fahrlässig oder nahm er die Verletzung seines Gegners in Kauf?

Eindeutig Rot

Bei der Vernehmung von Opfer, Angeklagtem und Zeugen beider Vereine wurde schnell klar, wie unterschiedlich sie alle den Ablauf des Foulspiels erlebt hatten. Für Aufklärung sorgte der junge Schiedsrichter Edgar H.: Der damals 17-Jährige beschrieb die Blutgrätsche als „eindeutigste rote Karte, die ich je geben habe.“ Nachdem sich die Schwere der Verletzung abgezeichnet hatte, habe er nach dem Platzverweis das Bedauern beim foulenden Spieler bemerkt: „Der Angeklagte hat sich nach dem Foul um den Verletzten gekümmert – auch, wenn er mit einer Zigarette in der Hand daneben stand.“

„Dann kann das Gericht anbauen“

Nach der langwierigen Anhörung der Zeugen zum Foulspiel forderte die Staatsanwaltschaft eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für den Mittelfeldspieler und einer Zahlung von 5000 Euro: Es handele sich um eine gefährliche Körperverletzung mit Werkzeug – dem Fußballschuh. Laut Verteidiger Sven Schünemann gehören Verletzungen zum Risiko bei Kontaktsportarten. Er forderte den Freispruch des Angeklagten. „Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum“, sagte Richter Wöltjen zu Beginn seiner Urteilsverkündung. Das „Frustfoul“ ordnete er als „bedingt vorsätzlich“ ein und verurteilte den Angeklagten zu seiner Geldstrafe von 1350 Euro – Schiedsrichter würden wohl von einer dunkel gelben Karte sprechen.

Der „beschuhte Fuß“ – Werkzeug und Waffe

Wer mithilfe eines Werkzeugs oder einer Waffe gefährliche Körperverletzung begeht, hat laut Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren zu rechnen. Auch Schuhe können als eben solchen Werkzeuge dienen – vor allem schwere Stiefel oder Sicherheitsschuhe, die etwa durch Tritte schwere Verletzungen verursachen können. Im Strafgesetzbuch werden sie als beschuhter Fuß bezeichnet.

Im Fall um das rücksichtslose Foul kam ebenfalls zur Sprache, ob der Fußballschuh mit seinen scharfen Stollen als Waffe bezeichnet werden kann. Das Gericht entschied sich allerdings gegen eine Aufnahme dieser Tatsache. Schließlich gehöre der Stollenschuh zur verpflichtenden Ausrüstung für Spieler auf dem Fußballplatz. Auf die Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung wurde deshalb verzichtet.

Von Manuel Behrens

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